Ministerpräsident in der Flaschen-Abfüllung

25.04.2016

Ministerpräsident Stephan Weil hat beim Hoffest der Einbecker Brauhaus AG den roten Startknopf für die neue, zweite Flaschenabfüllung gedrückt. Wenn ein Traditionsunternehmen wie die Einbecker Brauerei, das auch durch schwere Tage hindurch gegangen sei, mehr als 15 Millionen Euro in die Hand nehme, dann sei das mehr als nur eine Investition, sagte der Ministerpräsident. „Sondern die Aussage: Wir glauben an die Zukunft!" Täglich können jetzt in Einbeck bis zu eine Million Flaschen vom Band laufen.
„Ich möchte mir Niedersachsen nicht vorstellen ohne die Einbecker", sagte Ministerpräsident Stephan Weil, nachdem er das erste Fass Einbecker Mai-Urbock angestochen hatte. Damit es die Brauerei nicht nur in 50 Jahren, sondern auch in 250 Jahren noch gebe, dafür leiste das Unternehmen jetzt einen Beitrag. Stephan Weil: „Ich wünsche Ihnen, dass die Kundschaft Ihnen die Bude einrennt, damit sie sich über die nächste Abfüllanlage bald Gedanken machen müssen."
Vorstandssprecher Lothar Gauß dankte Stephan Weil dafür, dass er zwischen der Aufsichtsratssitzung zur VW-Krise und dem Besuch von US-Präsident Barack Obama eine Einbeck-Visite eingelegt habe, pünktlich am „Tag des Deutschen Bieres" und 500. Geburtstag des Reinheitsgebotes. „Wir wissen das extrem zu schätzen", sagte Gauß. „Regionale Brauereien machen einen Gutteil der niedersächsischen Kultur aus", erklärte der Ministerpräsident. Und die Einbecker sei „uralt, aber putzmunter".
Zwei Jahre Planung, zwei Jahre Bauzeit, dann war die Millionen-Investition in Flaschen- und Fass-Abfüllung sowie in eine neue 3500 Quadratmeter große Verladehalle am Standort in der Papenstraße realisiert. Alle Abfüll- und Logistikaktivitäten der Unternehmensgruppe (Einbecker, Göttinger, Martini, Kasseler, Nörten-Hardenberger, Härke) sind jetzt in Einbeck konzentriert.

Ein Video dazu hier.

Trauzimmer im PS-Speicher

20.04.2016

Der PS-Speicher in Einbeck bietet die Möglichkeit zum Ja-Wort in einem ganz besonderen Ambiente. Im oberen Stockwerk des einstigen Kornhaus-Siloturms hat das Oldtimer-Ausstellungshaus ein Trauzimmer eingerichtet - natürlich ganz im Stil der Geschichte der Mobilität auf Rädern. „Hier kann jeder mit reichlich Pferdestärken ins Eheglück starten", sagt PS-Speicher-Sprecher Alexander Kloss. „Langweilig kann jeder." Rund um den großen, aus dem Privatbesitz von Karl-Heinz Rehkopf stammenden alten Schreibtisch der Standesbeamten gibt es inmitten seltener Motorräder ausreichend Raum für kleine wie größere Hochzeitsgesellschaften. Bodentiefe Fenster zur Ostseite geben den Blick auf die Einbecker Altstadt frei. Motorstarke Wand-Dekorationen im Trauzimmer sind vier großformatige historische Paar-Fotos mit Oldtimern, aber vor allem sieben seltene Zweiräder im Original. Da gesellt sich eine NSU mit Stecktank aus dem Jahr 1929 zur Viertakt-Enduro von Honda, hängt eine Zündapp Combinette aus den 1950-er Jahren neben einem Triumpf Tessy-Roller. Direkt ins Trauzimmer, das eine eigene kleine Küche hat, fährt ein separater Aufzug. Auf der Dachterrasse in 25 Metern Höhe können die Hochzeitspaare und ihre Gäste nicht nur einen atemberaubenden Blick über Einbeck genießen, sie bietet auch exklusiven Platz für einen Empfang nach dem Ja-Wort, um auf das Eheglück anzustoßen.

Erstmals eine Landrätin

13.03.2016

Astrid Klinkert-Kittel (SPD) ist neue Landrätin im Landkreis Northeim, die erste Frau in der Geschichte in diesem Amt. Bei der Stichwahl erreichte die 52-jährige Bürgermeisterin aus Nörten-Hardenberg mit 52,48 Prozent die meisten Stimmen. Dr. Bernd von Garmissen (CDU) kam auf 47,52 Prozent, beide trennten am Ende 2000 Stimmen. Die Wahlbeteiligung lag bei knapp 36 Prozent. Rund 114.000 Frauen und Männer sind im Landkreis Northeim waren aufgerufen, in kreisweit 209 Wahllokalen bei der Landratswahl ihre Stimme abzugeben. Die FDP hatte eine Wahlempfehlung zugunsten von Dr. Bernd von Garmissen abgegeben, die Grünen hatten bei der Stichwahl ihren Wählern Astrid Klinkert-Kittel empfohlen. Im ersten Wahlgang am 28. Februar hatte keiner der damals drei angetretenen Kandidaten die absolute Stimmen-Mehrheit erreicht, weshalb es zur Stichwahl kommen musste. Astrid Klinkert-Kittel (SPD) kam auf 38,23 Prozent, Dr. Bernd von Garmissen (CDU) auf 35,64 Prozent. Einzelbewerber Jörg Richert, der von der FDP unterstützt wurde, schaffte 26,13 Prozent. Die Wahlbeteiligung lag bei knapp 39,78 Prozent.

Ein Video vom Wahlabend der Stichwahl hier.

Ein Video vom Wahlabend hier.

Erste Stolpersteine in Einbeck verlegt

12.02.2016

Die ersten 15 Stolpersteine in Einbeck sind vor vier Häusern verlegt worden - vom Kölner Künstler Gunter Demnig, der die mit einer gravierten Messingtafel versehenen Betonsteine vor den letzten selbstgewählten Wohnorten in den Gehweg eingelassen hat. Demnig hat bislang schon mehr als 50.000 solcher Stolpersteine in mehreren Ländern Europas verlegt, mit ihnen soll an die Opfer des Nationalsozialismus erinnert werden. Die Opfer waren Nachbarn, sie lebten mit den anderen Einbeckern Tür an Tür. Die Stolpersteine sollen alltägliche Mahnmale sein, an denen man nicht vorbei gehen kann. Sie sollen die Namen der Opfer des Nationalsozialismus zurück bringen und an jedes einzelne Schicksal erinnern. Der Initiativkreis "Stolpersteine für Einbeck", der die Aktion angestoßen hat, ist organisatorisch eine satzungsgemäße Arbeitsgruppe des Fördervereins Alte Synagoge in Einbeck. Er versteht sich als Antragsteller gegenüber dem Künstler Gunter Demnig und der Stadt Einbeck. Stolpersteine werden nur dann verlegt, wenn Nachfahren und Angehörige - falls vorhanden - einverstanden und nachdem heutige Hauseigentümer und Bewohner informiert sind. Die Finanzierung der 96 mal 96 Millimeter großen Stolpersteine inklusive der Verlegung wird ausschließlich durch private Spenden ermöglicht. Es werden keine öffentlichen Gelder eingesetzt. Ein Stolperstein kostet 120 Euro.

Ein Video von der Verlegung hier.

Wohnen am Petersilienwasser

25.01.2016

Die Einbecker Wohnungsbaugesellschaft (EWG) investiert am Petersilienwasser in zentraler Innenstadtlage von Einbeck rund 2,5 Millionen Euro und errichtet zwei so genannte Geschwisterhäuser mit insgesamt rund 1000 Quadratmetern Wohnfläche. Es entstehen 13 Mietwohnungen, die jeweils zwischen 62 und 121 Quadratmeter groß sind. „Die beiden Häuser werden ein Blickfang für die Innenstadt und ein städtebaulicher Impuls sein", sagt EWG-Geschäftsführerin Birgit Rosenbauer. „Wir freuen uns sehr auf die attraktive Wohnanlage in bester City-Lage." Die Pläne für das neue Wohnquartier kommen gut an. Die Eröffnung der Wohnanlage ist im Spätsommer 2017 geplant.
Die EWG freut sich über eine hervorragende und vor allem sehr zügige Zusammenarbeit mit Verwaltung und Politik bei diesem anspruchsvollen Projekt. Sobald es die Witterung zulässt, werden die vorgeschalteten archäologischen Arbeiten auf dem Grundstück am Petersilienwasser beginnen. Zwischen 1996 und 2005 haben in dem stadtgeschichtlich bedeutenden Bereich bereits archäologische Ausgrabungen stattgefunden - die bislang größten Innenstadtgrabungen in Einbeck. Die Archäologen konnten eindrucksvolle Spuren des täglichen Lebens und Wirtschaftens freilegen, die in umfangreichen Veröffentlichungen dokumentiert sind.
Die Gründung der neuen Gebäude ist für den Sommer geplant. Nach Kanalarbeiten und Leitungsanschlüssen beginnen anschließend die Hochbauarbeiten für die 13 Wohneinheiten. Für jede Wohnung wird es einen Fahrzeug-Stellplatz geben. Alle Wohnungen haben Balkon oder Terrasse. In beiden Gebäuden wird es jeweils einen Fahrstuhl geben. Die Wohnanlage soll weitestgehend barrierefrei erschlossen werden. Geplant wird das Projekt von shh Architekten aus Hildesheim, die das Areal mit der Blockreihenbebauung schließen wollen. Zwischen beiden Geschwisterhäusern wird weiterhin der bereits vorhandene Fußweg entlang führen, der das Quartier zwischen Münsterstraße, Wolperstraße und Petersilienwasser schon heute erschließt.
Unter www.petersilienwasser.de finden sich umfangreiche Informationen zu dem Projekt. Dort wird auch in den nächsten Monaten über den Baufortschritt kontinuierlich berichtet.

Notrufbänke retten Leben

01.12.2015

Nach einem Waldspaziergang rasten, auf der Ruhebank die Aussicht ins Leinetal genießen - doch mit einem Mal kommt die Herzattacke oder der Zuckerschock. Wer dann ein Handy dabei hat, kann zwar schnell Hilfe rufen. Doch wenn die Rettungsleitstelle nachfragt, wohin denn der Notarzt kommen soll, ist vielen oft nur eine ungenaue Beschreibung möglich: auf einer Sitzbank irgendwo am Waldrand zwischen Strodthagen und Buensen. Durch das Projekt Notrufbänke des Einbecker Seniorenrates können Hilfsbedürftige jetzt präzise ihren Standort angeben.

„EIN 110 Notruf" steht auf dem witterungsbeständigen Aluminumschild, das Lothar Dolle mit dem Akkuschrauber an der Holzbank oberhalb des Einbecker Ortsteils Strodthagen montiert hat. Es ist die 110. Bank rund um Einbeck und seinen Ortschaften, die der stellvertretende Vorsitzende des Seniorenrates mit der kleinen Plakette versieht. Die Rettungsleitstelle und die Polizei kann die exakten GPS-Daten auf einer Liste finden und so die rettende Hilfe punktgenau instruieren. Wer Hilfe benötigt, muss die 112 wählen und am Telefon nur die Nummer auf der Sitzbank sagen.

Mehrmals ist Lothar Dolle zu jeder Bank gefahren, sowohl zum Einmessen der Positionsdaten und zur Montage. Mehr als 1000 Kilometer sind da zusammen gekommen. „Doch wenn man damit nur ein Leben retten kann, dann hat es sich gelohnt", sagt der 64-Jährige, der ehrenamtlich viel Zeit in das Projekt investiert hat. Die Ortsräte haben dem Seniorenrat ihre gewünschten Notrufbänke gemeldet; auch die Alu-Schilder werden von den Ortsräten finanziert.

Die Anregung zu dem Projekt bekam Lothar Dolle aus Fredenbeck im Landkreis Stade. Auch aus seiner Zeit als Einbecker Polizeikommissariatsleiter sind dem 64-Jährige mehrere Begebenheiten in Erinnerung geblieben, bei denen es Schwierigkeiten mit der Anfahrt für Polizei und Rettungswagen gab. Deshalb enthält die Liste der Notrufbänke nicht nur die GPS-Daten und die Gemarkung mit dem genauen Standort. Auch Besonderheiten sind dort vermerkt, die Einsatzkräfte bei der Fahrt zur Bank berücksichtigen müssen: Ist der Weg so steil oder unzugänglich, dass ein Hubschraubereinsatz sinnvoll wäre? Gibt es Absperrpfosten oder Schranken, die nur mit speziellen Schlüsseln zu öffnen sind? Notrufbank Nummer 104 in der Gemarkung Ritterode liegt beispielsweise N 51º 48' 25.8"O 9º 56' 58.6", die Retter müssen auf der Kreisstraße Rittierode-Ahlshausen an Kilometer 2,15 rechts über einen kurze Strecke geteerten Weg später über einen steile Grasweg Richtung Wald anfahren, wie es in der Beschreibung heißt: „für Pkw, RTW schwer befahrbar, Hubschrauber".

Die Standort-Liste mit GPS-Positionsdaten und genauen Anfahrtsskizzen sind bei allen Schnittstellen für eine Notruf-Rettung aktuell hinterlegt. Auch im Internet ist das Notrufbänke-Verzeichnis zu finden: auf der Website www.einbeck.de unter dem Menüpunkt „Soziales, Kultur, Freizeit" und Einbecker Seniorenrat.

 

Neues Hotel Freigeist Einbeck

01.11.2015

Ein paar Tage später als ursprünglich geplant eröffnete das neue Hotel Freigeist am PS-Speicher am 1. November. Das Hotel ergänzt das Ensemble rund um den PS-Speicher, aber nicht nur Ausstellungsbesucher sollen künftig in direkter Nähe übernachten und Autos und Motorräder rund um die Uhr erleben können. Familien, Design-Fans, Paare, Freundesgruppen, Tagungsgäste und Automobil- und Motorradliebhaber sind die Zielgruppe für ein außergewöhnliches Zuhause auf Zeit: Ein lässiges Wohnerlebnis mit reduzierter Architektur und viel Raum für Inspiration in 63 Zimmern, der Sauna, dem Fitnessraum, dem Fatboy-Ruheraum, der Hotelbar mit Bar-Garage und der Dachterrasse mit Chill-out-Bereich, Sandstrand und Blick über die Dächer Einbecks.

Das Team um den Göttinger Architekten Hansjochen Schwieger hat sich bei seinem Entwurf für das Hotel von der Fachwerkstadt Einbeck mit ihrer Jahrhunderte alten Bierbraukunst und dem historischen Kornhornhaus des PS-Speicher inspirieren lassen, heißt es in einer Pressemitteilung. Materialien wie roter Klinker, unverputzte Betonwände und geölte Eichenböden sowie nostalgische Werkstatt-Utensilien und historische Automobilskizzen machen diese Atmosphäre im Hotel Freigeist Einbeck spürbar. Wer mit seinem zwei-, drei- oder vierrädrigen Begleiter anreist, findet über 60 Parkplätze und vier große Garagen für besondere Oldtimer-Schätze vor.

Isabel Intrup lebt als Hoteldirektorin umgeben von Maschinen und Motoren einen echten Männertraum, heißt es in der Mitteilung. Sie ist auch die Gastgeberin im zum Hotel Freigeist Einbeck gehörenden Restaurant Genusswerkstatt, das sich nur wenige Schritte entfernt im PS-Speicher befindet. Seit der Eröffnung im Juli 2014 umgeben Isabel Intrup fast täglich Zündkerzen, alte Autoscheinwerfer und Original-Stoffe, wie sie in Westfalia-Wohnwagen verwendet wurden.

2008 eröffnete das erste Freigeist-Hotel in Northeim als Rückzugsort inmitten eines idyllischen Waldgebietes am Northeimer Wieter. Nun folgt das Zweite in Einbeck. Wie es sich für Freigeister gehört, haben Carl Graf von Hardenberg und Georg Rosentreter als Betreiber schon weitere Pläne. In Göttingen ist bereits das erste urbane Freigeist-Projekt in Planung.

 

Brauhaus-Vorstand: Deutsch folgt Schmidt

01.10.2015

Martin Deutsch (50) hat zum 1. Oktober im Vorstand der Brauhaus AG den Posten für Vertrieb und Marketing von Walter Schmidt (64) übernommen. "Das Feld ist gut bestellt", sagt Walter Schmidt. Mit dem Kapitel Einbecker hatte er eigentlich schon abgeschlossen, als ihn vor vier Jahren in Schleswig-Holstein zwei Anrufe ereilten. Und Walter Schmidt zum Vorstand der Einbecker bestellt wurde, "weil hier die Luft gebrannt hat", die Brauerei in erhebliche Schieflage geraten war. "Es ist uns gelungen, die Kurve zu kriegen", stellt Walter Schmidt zufrieden fest und blickt dabei auf seinen Vorstandskollegen Lothar Gauß. Gemeinsam habe man es als Vorstand geschafft, mit Fokussierung auf den regionalen Markt, Erweiterung des Biersortiments, einem verbesserten Markenauftritt und vor allem dem starken Engagement für den Standort Einbeck.

Walter Schmidt hatte zwischen 1974 und 1993 schon einmal für die Einbecker Brauerei gearbeitet, bevor er 18 Jahre als Geschäftsführer der Hasseröder Brauerei in Wernigerode und der Dithmarscher Privatbrauerei tätig war. Dass er zuletzt nochmal gut vier Jahre für ein Unternehmen habe tätig sein dürfen, das den Namen der Stadt trage, in der er geboren wurde, sei zwar nicht planbar gewesen, runde aber ein positives Berufsleben ab, sagte Schmidt.

Seit acht Wochen im Hause, hat sich Nachfolger Martin Deutsch in einer Übergangsphase schon ein wenig einarbeiten können. "Die Marke Einbecker reizt mich sehr", sagt der 50-Jährige. Trotz bestellten Feldes sieht Deutsch viele Hände voll Arbeit. Der Diplom-Braumeister und Diplom-Ökonom hat zuvor in leitenden Positionen wichtige Vertriebserfahrungen in der Getränkebranche erworben: Als Verkaufsleiter bei Appollinaris&Schweppes, Verkaufsdirektor bei der Paulaner Brauerei und als Geschäftsführer Vertrieb/Marketing bei Schneider Weisse in München. Er will gemeinsam mit Lothar Gauß die Erfolgsgeschichte des Unternehmens weiter schreiben; das Bockbier und seine 700-jährige Tradition noch stärker in Deutschland außerhalb des bisherigen Kernmarktes zu vermarkten, vielleicht sogar auch im Ausland, sieht Martin Deutsch als eine Möglichkeit.

Als Biersommelier kennt Martin Deutsch die Brautradition aus Einbeck, schon in der Berufsschule habe er außerdem gelernt, dass das Bockbier in Einbeck erfunden wurde und die Münchener einst im 17. Jahrhundert den Braumeister aus Einbeck abgeworben haben, sagt der gebürtige Fürstenfeldbrucker. Gleich mehrfach schließt sich ein Kreis: Studiert hat Martin Deutsch in Weihenstephan, diese Biersorte hat der neue Brauhaus-Vorstand jetzt wieder als Handelsmarke im Portfolio.

 

Bronzemodell des Tiedexer Tores

28.09.2015

Wie sah das Tiedexer Tor um 1520 aus? Wie war der Eingangsbereich zur damaligen Stadt Einbeck mit Stadttor, Stadtmauer und Wallanlage gestaltet, was gehörte alles dazu? Das zeigt jetzt ein Bronzemodell, das am Tiedexer Tor direkt an der Brücke über das Krumme Wasser aufgestellt wurde. Die Idee von Stadtarchäologe Dr. Stefan Teuber während der Brückensanierung 2013 griff die Paul-Gerhardt-Schule in Dassel auf und gestaltete gemeinsam mit dem Braunschweiger Bildhauer Mathias Rosenbusch im Rahmen einer Projektarbeit das Gussmodell. Durch Brailleschrift auf der Plastik können Sehbhinderte zusätzliche Informationen erhalten, über einen QR-Code lässt sich ein siebenminütiges Video vor Ort auf dem Handy abrufen, das gleichzeitig ein beschreibender Audioguide sein kann. Zahlreiche Sponsoren machten das Bronzemodell des Tiedexer Tores möglich.

"Das ist ein gelungenes Modell", sagte PGS-Schulleiter Gerhard Wittkugel. Damit meinte er nicht allein die aus Bronze gegossene Plastik, die das Tiedexer Tor als eines von fünf Einbecker Stadttoren Mitte des 16. Jahrhunderts zeigt. Auch die Zusammenarbeit zwischen Schule und Fachleuten sei gelungen, viele Menschen hätten den Schülern auf dem Weg zur Bronzeplastik geholfen, die Schüler wiederum konnten nicht nur modellieren, sondern auch vieles fragen, warum ein Stadttor damals so aussah und welche Funktionen die einzelnen Bereiche hatten. "Ich habe auch viel von den Schülern und durch deren Fragen gelernt", sagte Stadtarchäologe Dr. Stefan Teuber, der bei seinen Ausgrabungen 2013 die Idee geäußert hatte, ein solches Bronzemodell vom Tiedexer Tor zu erstellen.

In der Paul-Gerhardt-Schule griff Historikerin Dr. Annett Schulze die Anregung auf, und bei einer Projektwoche nahm das Projekt schließlich Gestalt an. Insgesamt zwölf Schüler aus den Jahrgängen 7 bis 12 waren an dem Bronzemodell beteiligt. Gebaut wurden insgesamt zwei Modelle: ein naturalistisches im Maßstab 1:120 sowie ein Tonmodell als abformbare Grundlage für das Bronzemodell im Maßstab 1:160.

Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek dankte bei der offiziellen Enthüllung des Bronzemodells "den geistigen Vätern und finanziellen Müttern". Sie sei glücklich, dass sich das neue Modell am Tiedexer Tor so gut in den erst kürzlich eröffneten PS-Pfad für Touristen und die neue Magistrale der Baukultur einpasse.

Beteiligt waren die Paul-Gerhardt-Schule Dassel, die Kultur- und Denkmalstiftung des Landkreises Northeim, die Freunde und Förderer der PGS Dassel, die Zukunftsstiftung Jugend, Umwelt und Kultur Einbeck, der Rotary-Club Einbeck-Northeim, der Einbecker Geschichtsverein, die Kulturstiftung Kornhaus, die Sparkasse Einbeck und die Stadt Einbeck.

Das Tiedexer Tor war im 16. Jahrhundert eines der wichtigsten Stadttore Einbecks und regelte den örtlichen Handels- und Fernhandelsverkehr. Am Tor wurden Ein- und Ausreisende kontrolliert und Zölle erhoben.

 

Samtrote Sonderkäfer treffen ihre Designerin

25.08.2015

Mit immer neuen, originell ausstaffierten Sondermodellen versuchte VW den Käfer zu Beginn der 1980-er Jahre attraktiv zu halten, bevor die Produktion in Mexiko 1985 eingestellt wurde. Das vorletzte Käfer-Sondermodell war der Samtrote. Von diesem Sonderkäfer wurden von August 1984 bis Mitte 1985 knapp 3000 Stück verkauft. Jetzt standen am Ende sieben samtrote VW Käfer mit ihren Besitzern vor dem PS-Speicher in Einbeck beim von Marco Strohmeier (Einbeck-Holtershausen) und Achim Schwermann (Bonn) erstmals organisierten Treffen. Mit dabei war auch die Designerin des samtroten Sonderkäfers: Gunhild Liljequist.

„Ich liebe Rot", sagt Gunhild Liljequist. Die 79-Jährige schreibt geduldig Autogramme auf 30 Jahre alte original Volkswagen-Prospekte - und auch auf die Klappe des Handschuhfachs eines samtroten VW Käfer. 1984 hatte die VW-Designerin den Auftrag bekommen, ein Käfer-Sondermodell zu kreieren. „Es sollte etwas Hochwertiges im Innenraum sein", erinnert sie sich. „Da bot sich roter Samt für die Sitze an, mit dunkelblauen Streifen, das fand ich ideal, das war gerade ‚in‘ damals." Binnen einer Woche lag ihr Entwurf vor, er wurde angenommen. „Ich hatte total freie Hand", berichtet Liljequist. Ihr habe es Spaß gemacht, den samtroten Sonderkäfer zu gestalten. „Und wie ich heute sehe, ist es mir ja auch gelungen", lächelt die Designerin mit Blick auf die nach Einbeck gekrabbelten roten Kultautos.

Die studierte Porzellanmalerin begann 1964 als erste Volkswagen-Designerin überhaupt ihre Karriere. 27 Jahre lang entwarf Liljequist in Wolfsburg Lacktöne, Interieurs und Accessoires für zahlreiche, heute legendäre VW-Serien- und Sondermodelle. Der samtrote VW Käfer von 1984 gehört dazu, aber auch der Golfball als Schaltknauf oder Lacke mit Farbnamen wie Marathonblau oder Lofotengrün sind echte Liljequist-Erfindungen. Für den samtroten Sonderkäfer ließ sich die Designerin ein Blattmotiv mit auslaufenden Streifen als charakteristischen Hingucker einfallen.

Sie selbst habe übrigens nie einen samtroten VW Käfer besessen, sagt Gunhild Liljequist. „Obwohl es mein Lieblingsmodell ist." Als Volkswagen-Mitarbeiterin habe sie immer die neuesten Modelle fahren müssen, und das war damals eben nicht mehr der Käfer, sondern der Golf.

 

Sigmar Gabriel im Einbecker Brauhaus

25.06.2015

Sigmar Gabriel an der Würzpfanne.Vor mehr als 30 Jahren, im Jahr 1982, hatte Sigmar Gabriel als Werkstudent im Einbecker Brauhaus gejobbt, als Bundeswirtschaftsminister und Vizekanzler besuchte der SPD-Politiker aus Goslar die Brauerei, um sich über aktuelle Themen und Entwicklungen der Braubranche zu informieren. Empfangen wurde Gabriel von den Einbecker Brauhaus-Vorständen Lothar Gauß und Walter Schmidt sowie von Holger Eichele, Geschäftsführer des Deutschen Brauer-Bundes, und Michael Scherer, Geschäftsführer Norddeutscher Brauereiverbände. Von Gauß und Schmidt ließ sich Gabriel noch einmal ganz genau erläutern, wie die Einbecker Bierbrauer 1612 den Münchenern das Bockbierbrauen beigebracht haben.
Nach einem kurzen Rundgang durch das Sudhaus tauschten sich die Vertreter des Deutschen Brauer-Bundes sowie der Einbecker Brauhaus AG mit Sigmar Gabriel sowie den örtlichen Bundestagsabgeordneten Dr. Wilhelm Priesmeier (SPD) und Dr. Roy Kühne (CDU) in einem vertraulichen Hintergrund-Gespräch aus. Nach seinem Kurzbesuch in Einbeck reiste Sigmar Gabriel vom Bad Gandersheimer Flugplatz per Hubschrauber zum nächsten Termin nach Lübeck.

Neues Superintendenten-Paar startet

23.06.2015

In einem festlichen Gottesdienst in der Northeimer St. Sixti-Kirche sind Stephanie und Jan von Lingen von Landessuperintendent Eckhard Gorka als neue Superintendentin und Superintendent des evangelischen Kirchenkreises Leine-Solling in ihr neues Amt eingeführt worden. Das Theologen-Ehepaar teilt sich die Stelle der Superintendentur. Sie sind das erste stellenteilende Ehepaar auf einer Superintendentenstelle innerhalb der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers. "Es gibt in Leine-Solling weiterhin nur eine Stelle, aber zwei Persönlichkeiten", sagte Gorka im Einführungsgottesdienst. Und: "Auch eine Doppelspitze muss einmal pieksen." Selbst das Superintendenten-Duo könne nicht alle Wünsche erfüllen.

Auf den Tag genau acht Monate nach der Wahl fand am Sonntag Nachmittag der Einführungsgottesdienst statt. Bereits seit zwei Wochen arbeitet Ehepaar von Lingen im Kirchenkreis Leine-Solling. Das Ehepaar teilt sich die Stelle der Superintendentur. Jan von Lingen wird darüber hinaus mit einem Zusatzauftrag für die hannoversche Landeskirche im Fortbildungsbereich tätig sein.

Stephanie von Lingen (52) war zuletzt Pastorin in der Jakobigemeinde in Hannover-Kirchrode und gewähltes Mitglied im Stadtkirchentag und Stadtkirchenvorstand des Stadtkirchenverbandes Hannover. In der Vergangenheit hat sie mehrere Jahre für den Deutschen Evangelischen Kirchentag sowie als Schulpastorin gearbeitet. Anschließend war sie als Referentin für Theologische Aus- und Fortbildung der Landeskirche tätig und hat dort den theologischen Nachwuchs betreut.

Jan von Lingen (52) war Referent in der „Evangelischen Kirche im NDR". Als „Radiopastor" war er regelmäßig bei NDR 1 Niedersachsen sowie auf NDR Info zu hören. Er ist ausgebildeter Journalist und hat bei mehreren Verlagen theologische Bücher veröffentlicht. Von Lingen bietet regelmäßig Fortbildungen an. Erste gemeinsame Berufserfahrungen sammelten Stephanie und Jan von Lingen sechs Jahre lang als stellenteilendes Pastorenehepaar im ostfriesischen Werdum und Neuharlingersiel. Dort war die „Kirche am Urlaubsort" einer ihrer Arbeitsschwerpunkte neben dem Gemeindepfarramt im ländlichen Raum.

Das Ehepaar hat zwei Kinder im Alter von 20 und 15 Jahren. In der Freizeit ist Jan von Lingen Musiker und Liedermacher und Stephanie von Lingen begeisterte Motorradfahrerin. Beide sind unter anderem Wanderfans und lieben Ausflüge mit Hund und Camping-Urlaube mit der Familie. Kennengelernt haben sich beide bei einer Schweigewoche in Kloster Damme.

 

Brauerei: Dividende und Vorstandswechsel

03.06.2015

Walter Schmidt, Martin Deutsch, Lothar GaußDie Durststrecke für die Aktionäre ist beendet: Erstmals seit 2008 zahlt die Einbecker Brauhaus AG für das bei der Hauptversammlung bilanzierte Geschäftsjahr 2014 wieder eine Dividende. Mit kräftiger Mehrheit beschlossen die Anteilseigner, sich 6 Cent pro Aktie zu genehmigen, das entspricht einem Volumen von 164.000 Euro. Weil die Dividende steuerfrei gezahlt wird, bedeute die Dividende für die einzelnen Aktionäre sogar 8 Cent pro Aktie, rechnete Vorstandssprecher Lothar Gauß vor. Erstmals bei dem Aktionärstreffen dabei war auch das neue Vorstandsmitglied Martin Deutsch. Der 50-jährige löst am 1. Oktober Walter Schmidt ab, der in den Ruhestand wechselt.

Zur Dividendenzahlung hatte die Einbecker Brauhaus AG einen Tag vor der Versammlung eine Börsennachricht veröffentlicht: Das Unternehmen informierte darin, dass in der Vergangenheit Dividenden nicht steuerfrei ausgeschüttet, sondern als steuerpflichtige Kapitalerträge behandelt worden seien. Einzelheiten zu Umfang und möglichen Schäden sind dem Vorstand derzeit nicht bekannt, der Sachverhalt werde aktuell geprüft. Mit einem Ergebnis dieser Prüfung rechnet Lothar Gauß in acht bis zehn Wochen.

"Mit der Wiederaufnahme der Dividendenzahlung sind wir bei der Konsolidierung unserer Brauerei wieder einen Schritt weiter gekommen", sagte der Vorstandssprecher bei der Hauptversammlung in der Northeimer Stadthalle, bei der 75,31 Prozent des Kapitals des Unternehmens präsent waren. Die Marken habe man neu ausgerichtet, Bankverbindlichkeiten abgebaut und dem 2012 entwickelten Masterplan folgend jetzt in den technischen Bereich investiert. Für mehr als zehn Millionen Euro ist am Standort Einbeck eine neue Fass- und eine weitere Flaschenabfüllung sowie eine 3500 Quadratmeter große Verladehalle entstanden. Alle Abfüll- und Logistikaktivitäten des Unternehmens (Einbecker, Göttinger, Martini, Kasseler, Nörten-Hardenberger, Härke) werden in Einbeck konzentriert.

Bei einer Bilanzsumme von 37,8 Millionen Euro verzeichnete die Einbecker Brauhaus AG im Geschäftsjahr 2014 einen Bilanzgewinn in Höhe von 482.535 Euro. Dieser ergibt sich aus dem Jahresüberschuss (333.000 Euro), Einstellung von 150.000 Euro in die anderen Gewinnrücklagen und einem Gewinnvortrag in Höhe von 299.528 Euro.

Auch wenn das Wetter im bisherigen Jahresverlauf 2015 dem Biergeschäft nicht zuträglich gewesen sei und der Wettbewerb eher an Schärfe gewonnen habe, bleibe man optimistisch, sagte Vorstand Lothar Gauß: "Aus heutiger Sicht halten wir bei einem weiterhin positiven Konsumklima an unserer Prognose fest, einen leicht verbesserten Jahresüberschuss im Vergleich zu 2014 zu erzielen."

Vorstand Walter Schmidt nutzte die Hauptversammlung, sich bei den Aktionären zu verabschieden. Der 64-Jährige geht Ende September in den Ruhestand - "nach 41 turbulenten Jahren in der Braubranche", wie der gebürtige Einbecker sagte. Gut vier Jahre lang war Schmidt im Vorstand, "das war weder Plan noch vorhersehbar, aber rundete mein Berufsleben ab". Ab 1974 hatte Walter Schmidt bereits 20 Jahre im Vertrieb der Einbecker Brauerei gearbeitet.

Sein Nachfolger Martin Deutsch (Fürstenfeldbruck) übernimmt ab 1. Oktober den Vorstandsposten Vertrieb/Marketing. Der 50-jährige Diplom-Braumeister war zuletzt vier Jahre Geschäftsführer für Vertrieb und Marketing bei Schneider Weisse, davor 13 Jahre Deutschland-Vertriebschef der Paulaner Brauerei München.

 

Kabinenroller schwebt beim Hotel-Richtfest

28.05.2015

Richtfest Hotel Freigeist Einbeck.

Natürlich flattert beim Richtfest nicht einfach nur ein Kornkranz über der Baustelle, wenn in unmittelbarer Nachbarschaft der Oldtimer-Erlebnisausstellung PS-Speicher in Einbeck ein Hotel gebaut wird: Kurzzeitig schwebte außerdem ein Messerschmidt Kabinenroller KR 201 Cabrio am Haken eines Kranes über dem 15.800 Kubikmeter großen Baukörper am Tiedexer Tor. Für eine Investitionssumme von rund sieben Millionen Euro entsteht seit Oktober vergangenen Jahres das Vier-Sterne-Hotel Freigeist Einbeck mit 63 Doppelzimmern, sieben Tagungsräumen sowie einem Spa und Fitnessbereich auf dem Dach, der fünften Etage mit Blick auf Einbeck. „Es eröffnet ganz neue Möglichkeiten zu entspannen, zu feiern und zu tagen", sagte Bauherr Karl-Heinz Rehkopf beim Richtfest in Anwesenheit vieler beteiligter Handwerker, Architekten und Fachplaner.

Archäologische Ausgrabungen hätten die Arbeiten anfangs gehörig verzögert, inzwischen hätten die Handwerksfirmen aber die Zeit wieder einholen können, freute sich der Bauherr und PS-Speicher-Stifter. Rehkopf: „Wir wollen das Hotel so Anfang Oktober wie möglich eröffnen."

Betreiber des Hotels wird die Freigeist Einbeck GmbH & Co. KG unter der Leitung von Carl Graf von Hardenberg und Georg Rosentreter sein, die seit Juli 2014 bereits das Restaurant Genusswerkstatt im PS-Speicher bewirtschaftet, das künftig auch als Hotelrestaurant fungieren soll. Das Frühstück können die Hotelgäste in der hoteleigenen „Garage" mit Gartenterrasse genießen. Eine Hotelbar im Lounge-Charakter mit Kamin will für Atmosphäre sorgen, die zum Entspannen einlädt. Ab August soll nach den Worten des Göttinger Architekten Hansjochen Schwieger mit der Inneneinrichtung begonnen werden, im Erdgeschoss hat das Hotel schon jetzt Fenster. Er lobte die gute Stimmung bei den beteiligten, regionalen Unternehmen, nur so könne ein solcher Bau innerhalb eines Jahres realisiert werden.

Das Hotel Freigeist Einbeck nimmt laut Architekt Hansjochen Schwieger die Materialien des PS-Speichers (rote Klinker, grauer Putz) bewusst auf. Schweres Mauerwerk und Stahlbeton begünstige eine gute Schalldämmung, speichere außerdem die Wärme und kühle die Räume im Sommer. Das Hotel wird an das bestehende Blockheizkraftwerk des PS-Speichers angeschlossen und komme mit wenig Gebäudetechnik aus. Auf mechanische Klimaanlagen haben die Planer des Hotelbaus weitgehend verzichtet. Die Lüftung erfolge ausschließlich über Fenster, erläutert Schwieger. Die Tagungsräume mit Platz für 20 bis 130 Personen werden durch Bodenkonvektoren klimatisiert.

 

Schiri Urs Meier: Ja oder Nein in Sekunden

22.05.2015

Urs Meier (links) und Stefan Beumer

Innerhalb von Sekunden-Bruchteilen Entscheidungen zu treffen - das ist für Schiedsrichter Alltag auf dem Fußballplatz. Wie sich die Spielleiter zwischen den Fan-Fronten fühlen und wie sie mit Entscheidungen unter Druck umgehen, hat der einstige FIFA-Schiedsrichter und heutige ZDF-Experte Urs Meier jetzt beim "Einbecker Forum" der Sparkasse Einbeck vor rund 200 Gästen erläutert und mit vielen Spielszenen auf Video illustriert. Unterhaltsam und locker präsentierte er Führungsfragen aus dem Blickwinkel des Schiedsrichters. "Kein Entscheid ist auch ein Entscheid", sagte der Schweizer. Und auch Schiris machten Fehler, und sie dürften das, denn auch sie seien schließlich Menschen.

Ein Fußball-Schiedsrichter trifft 250 bis 300 Entscheidungen pro Spiel, läuft dabei etwa zwölf Kilometer auf dem Spielfeld und muss bei Puls 160 in einer Sekunde auf die nächste manchmal vor 60.000 emotionalen Fußballanhängern entscheiden: Tor oder nicht, Abseits oder nicht, Schwalbe oder nicht. "Es gibt kein 70-Prozent-Tor", sagt Meier. Zu einer einmal getroffenen Entscheidung müsse man stehen, Entscheidungen mit Klarheit im Ausdruck fair und stark durchsetzen. Dann sei man ein Spielleiter, nicht nur jemand, der pfeife. Übertragen lasse sich der Umgang mit Entscheidungen auch aufs Wirtschaftsleben, ebenso aufs Privatleben.

Urs Meier plädiert für Profi-Schiedsrichter in der Profi-Bundesliga. "Die Bundesliga brummt, auch finanziell." Da seien Amateure, die sich nach einem großen Spiel am nächsten Morgen wieder an den Schreibtisch setzen müssen, nicht mehr zeitgemäß. Denn jeder erwarte beste Leistung: die Fußball-Mannschaften im Spiel, und der Arbeitgeber des Amateur-Schiris. Da sei es besser, meint Meier, die Unparteiischen würden zum 19. Team der Bundesliga, mit eigenem Trainerstab und Fachärzten und Trainingslager. Oftmals seien es aber die Schiris selbst, die die Entwicklung zum Profitum bremsten. Denn das wäre für viele eine große Umstellung, sagt Meier.

Vom Freistoß-Spray, mit dem die Schiris seit der jüngsten WM vor einem Freistoß den Abstand des Balles zur Mauer markieren, hält Urs Meier gar nichts. "Wenn die Schiedsrichter sich sicherer fühlen, okay", sagt er. Ein richtiger, ein gut ausgebildeter Schiri im Sinne eines wahren Spielleiters löse die Situation anders. "Wenn ich eine Mauer nicht auf neun Meter stellen kann, fehlt in der Schiedsrichter-Persönlichkeit etwas." Da helfe dann auch kein Spray auf dem Rasen.

 

Frithjof Look neuer Bauamtsleiter in Einbeck

05.05.2015

Frithjof LookIn der Stadtverwaltung in Einbeck gibt es wieder einen Bauamtsleiter: Frithjof Look hat die Stelle des Fachbereichsleiters für Bauen, Planen und Umwelt im Rathaus angetreten. Seit November war die Position seit der Pensionierung von Gerald Strohmeier unbesetzt. Auf den 28-Jährigen warten einige offene Baustellen. Bei vielen Projekten seien aber schon wesentliche Vorarbeiten geleistet worden, weiß Look: „Da braucht es jetzt nur noch eines kleinen Anstoßes oder einer Nachjustierung." Bei aktuellen städtebaulichen Projekten ist der neue Baurat nach eigener Einschätzung schon gut im Thema, seit der Stellenzusage im Januar hat sich Look einlesen und viele Gespräche führen können. Die ersten Tage im Rathaus nutzte er nun dazu, seine Informationen über planerisch zu entwickelnde Projekte zu vertiefen: „Planung braucht Zeit - gut Planung vor allem."

Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek hat Frithjof Look in der Runde der Fachbereichsleiter begrüßt: „Er hat uns fachlich und durch seine Persönlichkeit überzeugt", erinnerte die Rathauschefin an die einstimmige Entscheidung des Verwaltungsausschusses für den Berufsanfänger. Look hatte Ende April seine letzte Prüfung bestanden. Auch mit erst 28 Jahren habe er in Studium und Referendariat schon einige Erfahrungen sammeln können, sagte Look. Und er sei für diese Leitungsposition ausgebildet worden.

Geboren auf Rügen und aufgewachsen im ostwestfälischen Bünde hat Frithjof Look 2012 in Hamburg seinen Master of Science in Stadtplanung an der HafenCity-Universität absolviert. Während des Verwaltungsreferendariats mit Staatsprüfung zum Bauassessor hat er bei der Stadt Frankfurt/Main ebenso gearbeitet wie beim Landkreis Harburg und bei der Hansestadt Hamburg. Mit seiner Bewerbung um die Stelle habe er sich bewusst gegen die anonyme Großstadt entschieden, sagt er. Privat wohnt Look mitten in der Einbecker City. In einer Stadt vergleichbarer Größe sei er aufgewachsen, die kurzen Wege seien Lebensqualität für ihn. Er sei selbstverständlich ansprechbar für die Bürger: „Aber ich habe natürlich nicht für alles sofort eine Lösung."

 

Zwischenstopp mit "Tin Lizzy" in Einbeck

12.04.2015

Mit einem fast 90 Jahre alten Auto insgesamt 20.000 Kilometer an die äußersten Punkte des europäischen Festlandes fahren? Hält das die Technik des legendären Ford T-Modells aus? Noch fehlen 800 Kilometer. „Aber ich glaube, das Experiment ist gelungen", sagt Bernhard Brägger und schaut zufrieden auf seine „Tin Lizzy", wie das 1926 gebaute 22-PS-Fahrzeug auch genannt wird. Henry Fords Blechgefährt hat dem 72-jährigen auf seiner Tour bislang treue Dienste geleistet. „Das Ding ist einfach unheimlich robust." Selbst der stärkste Sturm konnte Brägger in seinem offenen Tourer nicht stoppen und brachte ihn mit seiner „Blechliesel" jetzt nach Einbeck. Das für Treue und Zuverlässigkeit bekannte Automobil aus der Gründerzeit der individuellen Mobilität trifft die Erlebnisausstellung PS-Speicher.

Das 1908 erstmals produzierte Ford T-Modell ist das Auto, das bei „Laurel & Hardy" auf offener Straße auseinander fällt, das für Stummfilmstars und ihren Klamauk steht. Ihren Verkaufserfolg, der erst vom VW Käfer eingeholt wurde, verdankte die Kultkiste aus den USA einfachster Bedienung und schlichter Technik, die noch heute selbst für Laien beim Blick in den Motor sichtbar wird. Geschaltet wird mit den Füßen, Gas geben funktioniert mit der Hand. Seit vergangenem Jahr Ostern ist der Schweizer Bernhard Brägger aus Oberwil (Kanton Zug) so mit seiner 1926 gebauten original „Blechliesel" unterwegs: Maximal schafft der Ford 60 Stundenkilometer, im Durchschnitt tuckert der 72-Jährige mit seiner „Tin Lizzy" und Tempo 30 ohne Navi nur mit Karte über die Nebenstraßen. „Ich habe einen sanften Fahrstil", sagt er. Lange Alleen seien pure Meditation.

„Mechanalog" hat Brägger sein Projekt getauft: Mechanisch, analog und beharrlich führt den Ex-Rallyefahrer sein Weg durch Europa an den westlichsten, südlichsten, östlichsten und nördlichsten Punkt des Kontinents. In Portugal, Finnland, Polen und Bulgarien ist er bereits gewesen, bei Schnee und Eis zum Nordkinn geschlittert. Seine „Blechliesel" machte alles mit: Hitze, Kälte, Nässe und Trockenheit. Unterwegs sammelt Brägger Eindrücke: Impressionen, wie unterschiedlich die Menschen auf „Tin Lizzy" reagieren. Diese will der Autor später in einem Buch veröffentlichen. In Italien ist er schnell umringt und ins Gespräch verwickelt, sobald er auf die Piazza rollt. In Finnland schauen die Menschen erstmal schüchtern von der Ferne. Im Mittelpunkt jedoch steht der Ford T immer.

Beeindruckt ist Bernhard Brägger nach einer Führung von der Oldtimer-Ausstellung im Einbecker PS-Speicher. „Die ist gelungen und verrückt, hier werden die Exponate nicht einfach nur hingestellt, sondern wirklich ausgestellt", lobt der Schweizer das Konzept.

Ein Video vom Einbeck-Besuch hier.

 


Zirkus Charles Knie: Die Tiere haben immer Priorität

24.02.2015

Mit mehr als 100 Tieren und rund 20 verschiedenen Arten von der Antilope über Elefanten und Tiger bis zum Zebra ist der Einbecker Zirkus Charles Knie ein rollender Zoo, der sich in diesen Tagen im Winterquartier im Einbecker Ortsteil Volksen wieder auf die neue Tournee vorbereitet. Interview mit Zirkusdirektor Sascha Melnjak: Können in einem Zirkus alle Tiere artgerecht gehalten werden?

Muss ein Zirkus Regeln einhalten, wenn er mit seinen verschiedenen Tieren durch Deutschland reist?

Es gibt Leitlinien, wie groß ein Gehege für eine bestimmte Tierart sein muss. An diese Vorschriften halten wir uns. Unsere Kängurus haben beispielsweise einen beheizten Stallwagen, unsere Seelöwen einen Innen- und Außenpool. Zu den Regeln kommt die Erfahrung und das Wissen unserer drei Tierlehrer Marek Jama, Tom Dieck jr. und Elvis Errani sowie von acht Tierpflegern. Sie kennen die Tiere viele Jahre, meist seit ihrer Geburt, und wissen zum Beispiel, dass das eine Pferd nur angefeuchtetes Heu verträgt.

Wie werden die Vorschriften überprüft?

Der Zirkus ist der meistkontrollierte Tierhaltungsbetrieb in Deutschland. In jeder Tourneestadt schaut ein Amtsveterinär in unser Tierbestandsbuch. In diesem sind alle Tiere einzeln aufgeführt, inklusive Chip-Nummern. Kontrolliert werden Nähr- und Pflegezustand und die Futtervorräte. Für die vergangene Saison gibt es nicht eine einzige negative Eintragung in diesen amtlichen Unterlagen, manchmal im Gegenteil neben einem „in Ordnung" sogar ein Lob, wenn dort ein Tierarzt notiert: „Tiere in gutem Zustand, alle haben Auslauf".

Kritiker sagen, im Zirkus würden die exotischen Tiere nicht artgerecht gehalten und hätten Qualen zu erleiden. Was entgegnen Sie denen?

Ich würde niemals einen Zirkus mit so vielen verschiedenen Tieren betreiben, wenn ich nicht wüsste, dass es diesen allen gut geht. Alle sind in menschlicher Obhut geboren, kennen den Kontakt zu Menschen. Bei einer unsererer Elefantendamen musste in der vergangenen Saison beispielsweise ein Fußnagel über mehrere Orte hinweg tierärztlich versorgt werden. Das war ziemlich aufwändig, wäre in der freien Wildbahn für den Elefanten schmerzhafter, weil eitriger verlaufen. Wir möchten, dass unsere Tiere körperlich und auch mental fit sind. Die Hälfte des Festplatzes in Einbeck beispielsweise wird von Zelten, Wagen und den Auslaufbereichen für Kamele, Lamas oder Elefanten eingenommen. Beim Wechsel von einer Stadt in die andere soll die Reisezeit so kurz wie möglich sein und haben die Tiere immer Priorität: Bevor der Tierlehrer seinen Wohnwagen auf den Platz stellt, werden die Stallungen für die Tiere aufgebaut.

Ein Zirkus ohne Tiere, ist das für Sie denkbar?

Nein. Eine runde Manege, das Sägemehl, eine Pferdedressur - das ist der Inbegriff von Zirkus. Ansonsten wäre es Varieté oder Revue. Wir hätten auch nicht so gute Besucherzahlen, wenn wir keine Tiere hätten. Die Zuschauer möchten die Zebras, Löwen oder Elefanten sehen, gerade auch die Kinder. Kein Tier wird gezwungen, etwas zu machen - die Dressur basiert auf natürlichen Verhaltensweisen.

 

Singender Polizist Michael Beyer verabschiedet

20.02.2015

"Immer gucken, immer schauen und die Augen auf, wenn ich über die Straße gehe": Seine Songs haben Generationen von Schülern begleitet, die von Michael Beyer selbst geschriebenen Lieder konnten über 20 Jahre lang die polizeiliche Verkehrserziehung von Kindern musikalisch unterstützen. Damit ist jetzt nach mehr als 2300 öffentlichen Auftritten vor rund 115.000 kleinen und größeren Fans in ganz Niedersachsen Schluss: „Der singende Polizist" aus Einbeck hat Uniform und Gitarre an den Nagel gehängt, Polizeioberkommissar Michael Beyer ist nach 44 Jahren und vier Monaten aus dem Dienst offiziell verabschiedet worden.

"Sie waren ein toller Botschafter der Polizei", sagte Inspektionsleiter Hans Walter Rusteberg. Präventionsarbeit werde es zwar in der Polizeiinspektion Northeim/Osterode weiterhin geben, aber ohne singenden Schutzmann in Uniform, „denn von den Kollegen kann keiner so gut singen wie Sie", sagte der Polizeichef. „Da geht eine Ära zuende", bedauert Kommissariatsleiter Peter Volkmar.

„Hobby und Beruf verbinden zu können, hat immer wieder Spaß gemacht", sagt Michael Beyer. Seit 1994 ging der Einbecker Polizeibeamte mit seiner Gitarre in Kindergärten und Grundschulen, um die Schüler auf musikalische und spielerische Art und Weise auf die Gefahren im Straßenverkehr aufmerksam zu machen. „Zu erleben, wie die Kinder bei meiner Musik mitgehen, die Texte umsetzen und mitmachen, ist für mich jedesmal ein tolles Erlebnis gewesen", freut sich Beyer. Mehr als 40 Songs zur Verkehrserziehung hat der 62-Jährige in den vergangenen Jahren geschrieben, drei CDs gibt es inzwischen mit den Liedern des „Singenden Polizisten". Hinzu kommen Songs für die Alkohol- und Drogenprävention der Polizei und für das Schutzengel-Projekt im Landkreis Northeim.

Seit 2004 hatte Michael Beyer eine halbe Stelle für den „Singenden Polizisten" neben der Ermittlungsarbeit im Einbecker Kommissariat. Diese übernimmt jetzt Dirk Johanning, der bisher bei den Bus-Scouts schon aktiv war. In den ersten zehn Jahren allerdings musste Beyer seinen normalen Polizeidienst leisten, noch dazu im Schichtdienst, bevor er zur Gitarre greifen durfte. „Da haben mir Kollegen und die Familie den Rücken frei gehalten", bedankt sich Beyer. Auch einen Streifenwagen habe er in all den Jahren immer nutzen können, um zu den Auftritten zu gelangen.

Seine Gitarre wird Michael Beyer auch im Ruhestand nicht zur Seite legen, dafür macht er viel zu gerne Musik und vertont Texte. Im Einbecker Karneval oder beim Bierabend der Tourist-Information Einbeck beispielsweise ist der 62-Jährige in Zukunft auch weiterhin zu hören.

Und dann hat Michael Beyer auch noch Lieder für die kriminalpolizeiliche Präventionsarbeit bei Senioren in der Schublade. Zu bekannten Melodien wie „Hoch auf dem gelben Wagen" könnten ältere Menschen beispielsweise vor dem Enkeltrick gewarnt werden. Ob und wann es das Projekt geben wird, ist aber noch offen.

 

Siegfried Pinkepank: Ein Profi im Vermitteln

10.02.2015

Er hat die Schullandschaft im Landkreis Northeim in den vergangenen Jahren geprägt und bereichert, seiner unaufdringlichen und dennoch zupackenden, beharrlichen Art mit viel Empathie für Menschen ist es zu verdanken, dass es in Einbeck heute eine Integrierte Gesamtschule (IGS) gibt: Nach 41 Jahren und 203 Tagen im Schuldienst ist Siegfried Pinkepank in den Ruhestand verabschiedet worden. Die Redner bei der offiziellen Verabschiedungsfeier haben den Rektor der Wilhelm-Bendow-Hauptschule in Einbeck besonders als Initiator der im vergangenen September gestarteten IGS gewürdigt. Als „Profi im Vermitteln" bezeichnete der Dezernent der Landesschulbehörde, Stefan Hetzer, den 65-Jährigen und wünschte ihm jetzt viele „bunte Herbsttage des Lebens".

Siegfried Pinkepank hatte zunächst eine Lehre als Modelltischler mit dem Gesellenbrief abgeschlossen, bevor er sich an der Pädagogischen Hochschule Hildesheim zum Fachlehrer für Werken ausbilden ließ. Nach zwei Jahren an der KGS Moringen war Pinkepank ab 1979 über 20 Jahre an der Hauptschule in Bad Gandersheim tätig. 1999 wurde der Ahlshäuser dann Rektor der Hauptschule in Einbeck, die damals noch am Teichenweg ihr Gebäude hatte. Die Wilhelm-Bendow-Hauptschule, heute am Hubeweg, läuft in dreieinhalb Jahren aus, an ihre Stelle tritt räumlich nach und nach die IGS. Und nicht nur das: Der Elternwille möchte die Hauptschule nicht mehr, sagte Siegfried Pinkepank. Darauf gelte es zu reagieren, das dreigliedrige Schulsystem funktioniere nicht mehr. Sein Engagement für die Gesamtschulen, in der der Schwache mit dem Starken gemeinsam lerne, sei aus dem pädagogischen Alltag erwachsen. „Die Wälder wären still, wenn nur die begabtesten Vögel sängen", zitierte der 65-Jährige den amerikanischen Schriftsteller Henry van Dyke.

Pinkepank habe es verstanden, in jedem Schüler Potenziale zu erkennen und diese zur Entfaltung zu bringen, dankte der stellvertretende Landrat Jens Hampe dem scheidenden Schulleiter. Außer als Lehrer sei Pinkepank 15 Jahre lang auch als Schulmanager gefragt gewesen, der sich zuletzt für die Gesamtschule sehr ins Zeug gelegt und den Landkreis als Schulträger überzeugt habe, in die Zukunft zu investieren. Hampe: „Die IGS ist nicht vom Himmel gefallen."

Ende der 1980-er Jahre habe er als Beamter an einem Tag unerlaubt gestreikt, enthüllte der langjährige Kreisvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft aus seiner Personalakte: Widerstand an einem von 14.000-Lehrer-Tagen so zu zeigen aus gewichtigem Grund sei besser als den Schülern die Klassenfahrten zu streichen, weil man sich als Lehrer ungerecht behandelt fühle, sagte der 65-Jährige.

Seiner IGS in Einbeck wird Siegfried Pinkepank als Vorstandsmitglied im gerade gegründeten Förderverein verbunden bleiben.

 

Rebecca Siemoneit-Barum: Dschungelcamp und Bierorden

01.02.2015

Sie wechselte aus dem Dschungelcamp quasi direkt in die Bütt: In der Rathaushalle ist der Schauspielerin und Zirkus-Tochter Rebecca Siemoneit-Barum der Einbecker Bierorden der Gesellschaft der Karnevalsfreunde und der Einbecker Brauhaus AG verliehen worden. Da war die 37-Jährige erst wenige Stunden zurück aus Australien, wo sie bei der RTL-Sendung „Ich bin ein Star, holt mich hier raus" dabei war, dort allerdings früh ausschied. Und so hatte sie auch noch ihren Dschungel-Hut dabei, den Rebecca Siemoneit-Barum zugunsten des Einbecker Bürgerspitals versteigern ließ, rund 1600 Euro kamen da zusammen.

Einbecks Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek würdigte die 20. Bierorden-Trägerin in ihrer Laudatio als „überzeugende Botschafterin Einbecks und des Einbecker Bieres in der Welt". Rebecca Siemoneit-Barum engagiere sich für andere und zeige immer wieder Herzblut für ihre Heimat. Ins Dschungelcamp sei die Einbeckerin extra in einem grünen Kleid eingezogen, um die Hausfarbe der Einbecker Brauerei zu zeigen - bis es die „Anstaltskleidung" für die Teilnehmer gab. Und auch gestern bei der Bierordenverleihung war "Becky" ganz in Grün gewandet...

„Ich freue mich sehr, wieder zuhause zu sein", sagte die in Einbeck lebende Schauspielerin. „Meine Familie und ich gehören zu Einbeck wie der Marktplatz, wie das Einbecker Bier und das Eulenfest", erklärte die 37-Jährige bei der Ordensverleihung. „Kein Ort der Welt ist mir derzeit lieber, glauben Sie mir." Im australischen Dschungel mit seiner Durchschnittstemperatur von 30 Grad sei das Durchschnittsverlangen nach einem Bier „100 Prozent" gewesen, berichtete die Bierorden-Trägerin. Mit der Sehnsucht am Lagerfeuer nach einem Einbecker Brauherren Pils habe sie ihrem Camp-Kollegen Benjamin Boyce zugeflüstert, „dass ich meine verdammte Seele verkaufen würde, wenn mich jemand auf ein Bier hier raus holen würde". Dieser habe nur geantwortet: „Becky, Du hast Deine Seele schon verkauft. An RTL." Zwischen den täglichen Plagen von Blutegeln, Dauerregen und Affenhitze hätten sich die Stars einfach blendend verstanden - „und wir wurden so für den Zuschauer zum langweiligsten Dschungel-Ensemble ever, ever, ever". Siemoneit-Barum: „Sich mit lauter Verrückten auf engstem Raum herumzuschlagen, war mir vom Zirkus nicht unbekannt."

In ihren launigen Dankesworten in der Narren-Bütt enthüllte die neue Bierorden-Trägerin auch Begebenheiten aus dem Urwald: "Als am zweiten Dschungelmorgen ein älterer TV-Moderator bzw. zukünftiger Bundespräsident unten ohne an meiner Pritsche stand, wurde mir klar, warum ein weißes, zwangsjackenähnliches Nachthemd ebenfalls zu unserer Anstaltskleidung gehörte...

Von den Nachbarn im Ortsteil Hullersen mit den besten Wünschen verabschiedet, stand für Rebecca Siemoneit-Barum der nach eigenen Angaben aufregendste Teil des Australien-Abenteuers direkt bevor: der 22-Stunden-Flug ans andere Ende der Erde. Vor dem hatte die Schauspielerin größten Respekt, bevor sie ins RTL-Dschungelcamp eingezogen ist. "Ich will Dschungelkönigin werden - oder zumindest unter die letzten drei kommen! Unbedingt!", sagte die 37-Jährige, bevor die Tochter der Einbecker Zirkus-Legende Gerd Siemoneit-Barum für maximal zwei Wochen in der aktuellen Staffel des Privatsenders von der Außenwelt abgeschnitten ist und täglich mit zehn weiteren Prominenten Prüfungen in der australischen Wildnis zu bestehen hat. Ein Teil ihrer Familie ist mit Rebecca Siemoneit-Barum nach Australien gereist, darunter Bruder Maximilian.

Lange überlegt, ins Dschungelcamp zu gehen, hat Rebecca Siemoneit-Barum nicht. "Ich hatte und habe richtig Lust darauf, diese besondere Erfahrung mit den Zuschauern zu machen und bin davon überzeugt, dass es meinen Fans großen Spaß bereiten wird, die 'wahre Rebecca' kennen zu lernen und mit und über mich im Dschungel zu lachen", sagt sie. Bereits seit einiger Zeit sei sie gefragt worden. Den Ausschlag habe aktuell der besondere Dreh gegeben, dass die 37-Jährige in ihrer TV-Rolle der „Iffi Zenker" in der Lindenstraße aus Australien zurück kehrt.

Befürchtungen, durch das RTL-Dschungelcamp ein negatives Image in der Öffentlichkeit zu bekommen, hat Rebecca Siemoneit-Barum nicht. "Das ist Showbusiness, das ist schließlich mein Beruf." Sie verdiene ihren Lebensunterhalt damit, sich zur Schau zu stellen. "Es gehört dazu, dass man dann auch polarisiert. Solange man authentisch bleibt, sehe ich da kein Problem." Das Publikum merke sofort, ob man "echt" sei.

Bauarbeiten für Hotel-Neubau am PS-Speicher haben begonnen

06.10.2014

Die Bauarbeiten für das neue Hotel Freigeist Einbeck am PS-Speicher haben begonnen. Bis zur geplanten Eröffnung im Herbst 2015 entsteht auf einem 7000 Quadratmeter großen Areal am Tiedexer Tor in unmittelbarer Nachbarschaft zu der im Sommer eröffneten Oldtimer-Erlebnisausstellung ein Vier-Sterne-Hotel mit 63 modernen Doppelzimmern. Betreiber des neuen Hotels ist die Freigeist Einbeck GmbH & Co. KG, deren Gesellschafter, Carl Graf von Hardenberg und Georg Rosentreter, bereits das Vier-Sterne-Lifestylehotel Freigeist in Northeim sowie das Fünf-Sterne-Relais & Châteaux Hardenberg BurgHotel in Nörten-Hardenberg führen. Über eine Investitionssumme für das Hotel-Projekt machte die Kulturstiftung Kornhaus in ihrer Presseinformation keine Angaben.

Geleitet wird das künftige Hotel Freigeist Einbeck von Hoteldirektorin Isabel Intrup, die bereits als Gastgeberin für das Restaurant „Genusswerkstatt" am PS-Speicher verantwortlich ist.

Ebenso wie beim Umbau des historischen Einbecker Kornhauses zum PS-Speicher sollen auch beim Bau des Hotels ein Großteil der Gewerke durch lokale und regionale Unternehmen übernommen werden, kündigte die Kulturstiftung an. Das von dem Göttinger Architekturbüro Schwieger entworfene Haus wird einen 350 Quadratmeter großen Spa- und Fitness-Bereich mit Sauna, Fitnessgeräten und Ruhebereich mit Blick über die Dächer der Stadt sowie sieben Tagungsräume haben. Hinzu kommen mehr als 50 Parkplätze und vier große Garagen, in denen beispielsweise Oldtimer der Hotelgäste sicher „übernachten" können. Die Außenanlagen gestaltet das Landschaftsplanungsunternehmen Wette & Küneke (Göttingen), während das Ingenieurbüro IGS Schwerdtfeger aus Einbeck für die Tragwerksplanung verantwortlich ist.

Ein Video dazu hier.

Unterwegs auf dem Segway stehend Einbecks Sehenswürdigkeiten sehen

22.08.2014

Stadt und Land auf dem Segway erkunden - das können Interessierte bei einem neuen Angebot der Gästeführer in Einbeck. Die 14 Kilometer lange Tour durch die Innenstadt und die Umgebung dauert drei Stunden, an verschiedenen Punkten macht die Gruppe mit ihren Segways Halt, geben Gästeführer Erläuterungen zu Sehenswürdigkeiten. Die Stadt- und Landführung der besonderen Art findet erstmals am 31. August um 15.30 Uhr statt, eine weitere Tour des stehenden Fahrens ist für den 28. September (Beginn 15 Uhr) geplant.

Für die Segway-Stadtroute, die Wissensdurst stillt und gleichzeitig ein neues Fahrgefühl vermittelt, muss niemand zuvor bereits auf dem zweirädrigen, selbstbalancierenden Elektrofahrzeug unterwegs gewesen sein. „In wenigen Minuten hat jeder das Prinzip begriffen", sagt Alexander Dedden von „Stadtmeister-Touren" der Time-to-Team GmbH, die das Segway-Sightseeing gemeinsam mit der Tourist-Information der Einbeck Marketing GmbH durchführen. Andere Städte wie Göttingen, Hameln oder Osterode haben mit Segway-Touren bereits Erfolg, berichtet Dieter Linne, Leiter der Einbecker Tourist-Info. Einbeck sei die erste Stadt, auf die das Unternehmen „Stadtmeister-Touren" von sich aus zugekommen sei. Nach der Anfrage habe sein Team eine Route ausgearbeitet.

Jede Tour beginnt mit einer Einweisung, das Prinzip des Segway wird dabei schnell klar: Lehnt sich der Fahrer nach vorn, beschleunigt das mit Strom betriebene Trendmobil, lehnt sich der Fahrer zurück, bremst es. Kurven können mit Bewegungen an der Lenkstange genommen werden. Startpunkt der Segway-Stadtführung ist der Parkplatz des PS-Speichers. Von dort aus geht es für die Gruppe mit einem ausgebildeten Gästeführer vorweg und einem Segway-erfahrenen Tour-Guide hintendran auf Entdeckungsreise. Die Segway-Stadtführung führt sowohl durch die Einbecker Innenstadt als auch durchs Grüne und auf lange Fahrwege außerhalb. Die Teilnehmer lernen die historischen Wehr- und Wallanlagen von Einbeck kennen, erfahren Spannendes über das Fließgewässer Ilme und seine Bedeutung für die Verteidigung der mittelalterlichen Stadt. Weitere Haltepunkte sind die Saline in Salzderhelden und der Leinepolder zu Füßen der Heldenburg.

Bis zu zwölf Teilnehmer können bei einer Tour mitfahren, sie müssen älter als 15 Jahre sein und einen Mofa-Führerschein oder höherwertig besitzen. Die Kosten betragen 55 Euro. Ein Leihhelm wird den Teilnehmern gestellt. Anmeldungen sind möglich bei der Tourist-Information Einbeck im Eicke'schen Haus, Marktstraße 13/15, Telefon 05561 313 19 11 (www.einbeck-tourismus.de) und auch unter www.stadtmeister-touren.de. Für geschlossene Gruppen organisiert die Tourist-Information auch Sondertermine.

Ein Video hier.

 

Schlaufenster statt Graufenster

06.07.2014

In der Einbecker Innenstadt werden immer mehr „Graufenster zu Schlaufenstern": Unter diesem Motto verschönert seit ein paar Wochen eine Bürgerinitiative leer stehende Geschäfte und stellt Vereinen oder Künstlern die Schaufenster als Ausstellungsflächen zur Verfügung. Ergebnis: Der graue Leerstand ist beseitigt, die Immobilie und auch die in der Nachbarschaft sind wieder attraktiver zu vermieten. Von etwa 50 ungenutzten Ladenlokalen sind bereits mehr als zehn zum „Sch(l)aufenster" geworden - oder sind kurz davor.
Motor und Motivator der Bürgerinitiative ist Hans-Jürgen Kettler. Gemeinsam mit einem agilen Team packt der Macher an, organisiert Farbe und Maler, lässt alte Werbeschilder abmontieren, Scheiben ersetzen, neue Gardinen aufhängen, überzeugt Immobilienbesitzer und hält alle Fäden in der Hand. In einem „Sch(l)aufenster" sind jetzt historische Schreibmaschinen zu sehen, in einem anderen werden die Berufsbildenden Schulen für sich werben. „Mir macht das viel Spaß", sagt der 62-Jährige.
Der gebürtige Einbecker organisiert gerne, kommt schnell mit den unterschiedlichsten Menschen ins Gespräch. Seit zehn Jahren lebt Kettler wieder in Einbeck. Über viele leer stehende Schaufenster in seiner Heimatstadt hat sich der Schrotthändler in den vergangenen Jahren öfter geärgert. Bis er zu Jahresbeginn den Aufruf gelesen hat, dass Interessierte für die „Sch(l)aufenster" gesucht wurden. Da war er sofort dabei. „Ich bin aber nur ein Teil des Teams", betont Kettler, „allein geht es nicht." Außer seinen Mitstreitern in der mittlerweile als Verein organisierten Bürgerinitiative weiß er die Stadt Einbeck und die Einbeck Marketing GmbH hinter sich, auch die Kaufmannschaft zieht mit und unterstützt.
Die ursprüngliche Initiative zu den „Sch(l)aufenstern" ist von der Kulturstiftung Kornhaus ausgegangen, die im Juli den PS-Speicher in Einbeck eröffnet. Sie zeigt in der 4000 Quadratmeter großen Erlebnisausstellung rund um die Mobilität auf Rädern über 270 teilweise einzigartige historische Fahrräder, Motorräder und Automobile aus der Sammlung des Einbeckers Karl-Heinz Rehkopf. Die Stiftung rechnet mit 50.000 Besuchern pro Jahr, die nach dem PS-Speicher-Besuch auch den Weg in die nahe Innenstadt finden sollen.
Und da musste besonders die Tiedexer Straße an Attraktivität gewinnen, die direkte Verbindung zwischen Marktplatz und PS-Speicher, Einbecks längste Fachwerkstraße. Inzwischen gibt es hier ein halbes Dutzend „Sch(l)aufenster". Toreinfahrten und Teile von Fassaden sind frisch gestrichen. In jedem der Fenster gibt es einen Banner mit Kontaktdaten und dem Hinweis, dass das Geschäft zu mieten ist. Zur Ausstattung jedes „Sch(l)aufensters" gehört ferner ein Stromkosten-Messgerät, da die Kosten für Elektrizität die Bürgerinitiative übernimmt. Außerdem bekommt jeder Ladenbesitzer durch einen Nutzervertrag die Sicherheit, dass er bedenkenlos sein Fenster abgeben kann. Und es bei Bedarf schnell auch wieder zurück bekommt, wenn er einen Mieter gefunden hat.
Hans-Jürgen Kettler ist zuversichtlich, mit seinem Team bis zur Eröffnung des PS-Speichers 25 leere Schaufenster mit neuem Leben versehen zu haben. Die „Sch(l)aufenster"-Initiative könne auch Vorbild für andere Städte sein, erste Kontakte nach Northeim seien bereits geknüpft, sagt er.
Bürgerinitiative Schlaufenster Einbeck, Spendenkonto 228 444 444 bei der Sparkasse Einbeck (BLZ 262 514 25). Der Verein ist als gemeinnützig anerkannt und kann Spendenbescheinigungen ausstellen.

Website der Bürgerinitiative

Patschkauer Magazin-Räume im Einbecker Museum

16.06.2014

Als ein vorbildliches Signal, die Erinnerung wach zu halten, hat die Landesbeauftragte für Migration und Teilhabe, Doris Schröder-Köpf, die Einrichtung von zwei neuen Magazinräumen für die dokumentierte Geschichte des oberschlesischen Patschkaus im Einbecker Stadtmuseum bezeichnet. "Das haben Sie toll gemacht, vor allem weil die Heimatsammlung nicht 1946 stehen bleibt, sondern mit der Ausstellung 'Angekommen, aufgenommen' einen Gegenwartsbezug hat." Die Heimatvertriebenen hätten in Niedersachsen eine gewaltige Aufbau- und Integrationsleistung nach dem Zweiten Weltkrieg geleistet. "Ich hoffe, dass die Sammlung in den Magazinräumen Anlass für vielfältige Begegnung mit der Geschichte ist", sagte Schröder-Köpf.

Mit reaktionären Strömungen habe das alles nichts zu tun, sagte Einbecks Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek. Durch die Magazinräume hätten die Patschkauer, deren Geschichte längst auch ein Teil der Einbecker Geschichte sei, einen Anker in der neuen Heimat geschlagen. Am späten Nachmittag des 4. Juni 1946 waren rund 1500 Menschen aus Patschkau und Umgebung mit dem Zug in Einbeck angekommen, das erste was sie von Einbeck sahen, war das imposante Firmengebäude der Heidemann-Fahrradwerke. Vor 60 Jahren, 1954, hatte die Stadt Einbeck eine Patenschaft zu den heimatvertriebenen Patschkauern übernommen, seit 1992 gibt es eine Städtepartnerschaft mit dem polnischen Paczków.

Die Bürgermeisterin wünschte sich, dass das nun in Einbeck vorhandene, öffentlich zu Recherche und Forschung zugängliche Material intensiv genutzt wird. Gerade die Enkelgeneration zeige ein verstärktes Interesse und bekomme über die eigene Familiengeschichte oftmals einen leichteren Zugang zu diesem Stück der Zeitgeschichte.

Dr. Sabine Michalek dankte den Förderern. Die Kosten für den Umbau für die Patschkauer Magazinräume in Höhe von 56.000 Euro haben das Land Niedersachsen, die Kultur- und Denkmalstiftung des Landkreises Northeim, die Stadt Einbeck, die Bürgerstiftung und der Geschichtsverein Einbeck sowie zu einem Viertel der Heimatverein Patschkau und Umgebung selbst übernommen.

"Ein lange gehegter Wunsch geht in Erfüllung", dankte der Vorsitzende des Heimatvereins Patschkau, Leo Schiller. Vor drei Wochen haben Lkw aus seiner Wohnung rund 100 Bücherkartons nach Einbeck gebracht, berichtete er. In den zwei neuen Magazinräumen des Stadtmuseums sind jetzt 700 Bücher und Schriften, 150 nach Sachgebieten ausgerichtete Ordner, historische Fotos und Gemälde, alte Zeitungen, aber auch auf den ersten Blick banale Dinge wie Puppen zu finden. "Hinter jeder steckt eine Geschichte, die der Vertreibung mit ihrer emotionalen Wucht", erinnerte Schiller.

"Die Heimatstuben und die verbundenen Archive sollen zeigen, wie die Menschen im ehemaligen Ostdeutschland gelebt, wie sie gedacht, gefeiert, empfunden haben", sagte Leo Schiller. "Man muss die Vernichtung der städtischen Akten in unserer Heimatstadt Patschkau, das Verfeuern der Akten in Öfen erlebt haben, um zu verstehen, dass wir die 700 Jahre währende deutsche Vergangenheit unserer von vielen Generationen erarbeiteten kulturellen Werte nachweisen wollen. Wir wollten nicht auch noch aus der Geschichte vertrieben werden."

Mit Einbeck hätten die Patschkauer "das große Los gezogen", sagte Schiller. "Wir hoffen, dass Einbeck mit der Unterbringung des Patschkauer Magazins nicht nur die Substanz unserer kulturellen Vergangenheit gespeichert und gerettet wird, sondern dass die vielen Urkunden, Bilder, Bücher und Akten vielen Menschen dabei helfen, ihre familiären Wurzeln zu entdecken."

Ein Video von der Veranstaltung hier.

Beitrag im www.einbecker-politikblog.de hier.

Einbeck beim Hansetag in Lübeck

25.05.2014

Einbeck hat bei bestem Wetter beim Hansetag in Lübeck für die Bier- und Fachwerkstadt geworben. Auf der 60.000 Quadratmeter großen Altstadtinsel im Zentrum der „Königin der Hanse" waren am Ende rund eine halbe Million Besucher dabei. Einbeck war mittendrin, hatte auf dem Hansemarkt neben Bier-Kostproben auch Informationen über Blaudruck, Radtouren und PS-Speicher parat.

Herzstück des zum ersten Mal nach 30 Jahren wieder in Lübeck stattfindenden Hansetages war der Hansemarkt, das Familientreffen der Hansestädte. Wie ein roter Faden zogen sich die Städte-Stände durch die Lübecker Altstadt, sie waren der internationale, lebendige Mittelpunkt der vier Hansetage. Hier präsentierten sich 122 Hansestädte aus ganz Europa in weißen Pagodenzelten - und empfehlen sich als Reiseziele.

An der Spitze der Einbecker Delegation stand Bürgermeisterin-Stellvertreter Dr. Florian Schröder. Er besuchte das Wirtschaftsforum und tauschte sich über den Arbeitsmarkt und demografischen Wandel im Hanseraum mit Teilnehmern anderer Städte aus: „Es gab beispielsweise interessante Vorschläge für grenzüberschreitende Ausbildungs- und Praktikumsangebote." Gemeinsam mit Wirtschaftsförderung-Mitarbeiterin Ines Rubrecht-Naleppa vertrat Schröder Einbeck auch beim offiziellen Begrüßungsempfang im Rathaus sowie bei der mit Feuerwerk gekrönten Eröffnungsfeier mit Bundespräsident Joachim Gauck vor dem Holstentor. Dort zogen als Delegierte aus Einbeck Jens Andermann, Matthias Oberbeck, Linda Cassel und Mia Van Tran ein und wurden wie die Vertreter der anderen 121 Hansestädte von den Hunderten Besuchern herzlich willkommen geheißen. „Es war ein spannendes Erlebnis, ein besonderes Gefühl", sagt Mia Van Tran. „Das hat das Ganze groß gemacht", ergänzt Linda Cassel.

Die Einbeck Marketing GmbH und die Wirtschaftsförderung der Stadt Einbeck kooperieren beim 34. Internationalen Hansetag der Neuzeit in Lübeck. Bislang war Einbeck bei fast allen Hansetagen seit 1980 dabei. Der Internationale Hansetag der Neuzeit wurde vor 34 Jahren von der niederländischen Hansestadt Zwolle ins Leben gerufen, um den Geist der historischen Hanse des Mittelalters und den Zusammenhalt der Hansestädte neu zu entfalten und weiter zu entwickeln.

Ein Video vom Hansetag hier.

Ostern ohne Klöben? Wie Weihnachten ohne Baum!

14.04.2014

Ostern ohne Klöben? Das wäre in Einbeck schon seit fast zehn Jahren wie Weihnachten ohne Baum. In diesem Jahr gilt das ganz besonders, denn der Erlös des Osterklöben-Verkaufs kommt der Modernisierung der Einbecker Weihnachtsbeleuchtung zugute. Am Ostersonnabend (19. April) ab 10 Uhr liegen 222 Meter Osterklöben in der Marktstraße auf Tischen bereit zum Verkauf, kann das locker-leckere Butter-Hefe-Gebäck mit Rosinen in 15 Zentimeter großen Stücken zum unveränderten Preis von 2,50 Euro für das österliche Frühstück erworben werden.

Langjährige Klöben-Freunde wissen: Wer einen ergattern möchte, muss pünktlich in der Innenstadt sein und sich in die früh bildende Schlange einreihen. Meist nach zwei Stunden ist der Osterklöben komplett ausverkauft. Offiziell anschneiden wird den neunten Einbecker Osterklöben Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek vor dem Eicke'schen Haus.

Der Osterklöben ist ein lockeres Butter-Hefe-Gebäck mit Rosinen, aprikodisiert glänzend und mit Hagelzucker versehen. Die Bäckerei Biel backt den 222 Meter langen Klöben (natürlich in einzelnen Stücken, jeweils 15 Zentimeter lang) seit Beginn dieser jungen Einbecker Ostertradition. "Das ist eine echte Familienaktion", sagt Karl-René Biel. Seine beiden Brüder Philipp und Hendrik sowie Mutter Heidi packen beim Klöben seit Jahren tatkräftig mit an.

Veranstalter Einbeck Marketing hat sich mehrere Aktionen einfallen lassen, die den Klöben-Verkauf begleiten. Im Kinder- und Familienservicebüro am Hallenplan können Kinder von 10 bis 13 Uhr kostenlos Ostereier bemalen. Eier und Farben sind vorhanden, gesponsert von Einbeck Marketing, dem Bündnis für Familie und dem EinKiFaBü. "Während die Eltern einkaufen, können bei uns die Kinder noch ein Osterei für Oma und Opa bemalen", gibt Büroleiterin Anika Lüder einen Last-Minute-Ostertipp.

Auf dem Hallenplan werden leibhaftige Hasen und Kaninchen erwartet. Der Kaninchenzuchtverein F12 Leinetal will Ställe und ein Gehege aufbauen, in dem die Kinder die Tiere auch streicheln dürfen, berichtet Vorsitzender Hans-Georg Dittrich. Vielleicht könne man auch noch ein Hasen-Fotoshooting organisieren - als österliche Erinnerung an einen Ostereinkauf in der City. Bei EIN-Buch am Marktplatz finden zwischen 10 und 13 Uhr stündliche Osteraktionen für Kinder und Erwachsene statt.

Den Ostereinkauf versüßen wieder über 20 Geschäfte in Einbeck: Begleitend zum Verkauf des Einbecker Osterklöbens wünschen sie ihren Kunden mit einem kleinen Präsent ein schönes Osterfest. In diesem Jahr ist das ein Samen für einen Eier-Baum, eine im Topf wachsende Aubergine-Frucht.

Der Erlös des Osterklöben-Verkaufs kommt in diesem Jahr der Weihnachtsbeleuchtung zugute. Wie Frank Hagemann und Frederike Breyer von Einbeck Markteting berichten, trägt das Geld dazu bei, den letzten Abschnitt der Umrüstung auf kostensparende LED-Beleuchtung realisieren zu können.

www.osterklöben.de

Einbeck Marketing InitiativGemeinschaft gegründet

03.04.2014

Die Fusion der Werbegemeinschaft und der Initiative Einbeck ist endgültig perfekt: Einstimmig entschieden sich die Mitglieder beider Vereine in einer Fusionsversammlung für die Vereinigung zu einem neuen Verein, der Einbeck Marketing InitiativGemeinschaft. "Wir werden zeigen, dass wir's gemeinsam drauf haben", sagte der neu gewählte Vorsitzende Christoph Bajohr. Als außerparlamentarische Opposition habe man zwar keine Stimme im Rat, werde aber dennoch viel zu sagen haben, versprach er. Fahrlässiges Handeln beim Umgang mit Investoren in der Innenstadt könne man sich nicht länger leisten.

Der neue Verein ist 49-prozentiger Gesellschafter der Einbeck Marketing GmbH und will dort die Wirtschaft kraftvoll vertreten. Die übrigen Anteile an der GmbH hält die Stadt Einbeck. Zum Vorsitzenden des neuen Vereins wählten die Mitglieder Christoph Bajohr, der bislang an der Spitze der Werbegemeinschaft stand. Stellvertretende Vorsitzende ist Petra Reimann, die bislang der Initiative Einbeck vorstand. Schatzmeister ist Stefan Beumer. Als Beisitzer wurden Michael Weisensee, Ines Haupt und Kristiane Rüttgerodt gewählt.

Hintergrund der Fusion sind ein Mitglieder- und damit Beitragsrückgang in den bisher getrennten Vereinen und die zunehmende Schwierigkeit, neuen Mitgliedern aus Handel, Industrie und Gewerbe zu erklären, warum sie in welchem der beiden Vereine beitreten sollten.

Der Aufsichtsratsvorsitzende der Einbeck Marketing GmbH, Steffen Heise, warb für die neue, fusionierte Vereinigung. Die GmbH führe zwar das operative Geschäft, organisiere beispielsweise das Eulenfest. Der neue Verein jedoch sei die richtige Organisation für alle, die etwas unternehmen wollten, die Initiative zeigten, die Ideen und kleine wie größere Forderungen zur Standortpflege hätten.

Ein Video der Versammlung.

 

Bahnhof-Bauarbeiten dauern länger

27.03.2014

Die Bauarbeiten auf den Bahnhöfen in Kreiensen und Einbeck-Salzderhelden dauern länger als geplant, die Fahrgäste müssen sich weiter gedulden: In Kreiensen werden sie nicht wie zuletzt vorgesehen Ende März, sondern nach aktueller Prognose erst Anfang Juli komplett abgeschlossen werden können, sagte Bahnhofsmanager Detlef Krusche. Nach Abschluss der Bauarbeiten in Kreiensen wird ab 2015 auf dem Bahnhof dann auch kein Service-Personal mehr vor Ort sein, bestätigte er auf Anfrage.

In Kreiensen fehlen noch die Dächer der Querung zwischen dem hannoverschen (Gleis 1) und dem braunschweigischen Teil (Gleis 101); auch die Personenunterführung ist noch nicht vollständig saniert. Die beiden neuen Fahrstühle (Gleise 1 und 2/3) sollen voraussichtlich im April in Betrieb genommen werden.

Während die Kosten mit rund 6,7 Millionen in Kreiensen bislang im kalkulierten Rahmen bleiben, dauern die Baumaßnahmen im Bahnhof Einbeck-Salzderhelden nicht nur deutlich länger, sie werden laut Krusche auch um etwa 300.000 Euro teurer. Hintergrund ist, dass die Personenunterführung umfangreicher als vorgesehen saniert werden muss und ein Riss im Widerlager unerwartet aufgetaucht war. Am Ende werden 4,2 Millionen für die Arbeiten in Salzderhelden eingeplant. Die neuen Aufzüge sollen Ende Juni/Anfang Juli in Betrieb gehen; bis dahin ist dann auch der barrierefreie Zugang zum Gleis 1 (Richtung Göttingen) durch das Bahnhofsgebäude fertiggestellt.

Der endgültige Abschluss der Maßnahmen in Salzderhelden ist laut Krusche nach aktuellem Stand jedoch noch nicht abschätzbar. Notwendig für die noch ausstehenden Arbeiten bei der Bahnsteigdach-Sanierung sind so genannte Sperrpausen, die die Sicherheit von Bauarbeitern und Fahrgästen am Bahngleis gewährleisten und Bauarbeiten in Oberleitungsnähe ermöglichen. Gerade auf der Nord-Süd-Strecke müssen diese Pausen lange im Voraus beantragt werden, zwei Jahre Vorlauf sind keine Seltenheit. Eine Sperrpause ist für Pfingsten (7. bis 9. Juni) eingeplant, sagte Bahnhofsmanager Detlef Krusche. An diesen Tagen werden aber voraussichtlich nicht alle Dächer und die zurzeit noch aus Brettern bestehenden Bahnsteighilfsbrücken montiert werden können. Weitere Sperrpausen sind notwendig, aber noch nicht genehmigt.

„Niedersachsen ist am Zug II" heißt das Programm, mit dem die Baumaßnahmen an den Bahnhöfen Kreiensen und Einbeck-Salzderhelden finanziert werden. Die Deutsche Bahn AG investiert in Kreiensen rund 6,7 Millionen Euro für zwei Aufzüge, die Modernierung der Unterführungen und Treppen sowie Bahnsteigdächer. Die Bahnsteige werden erhöht, neu gepflastert und die Bahnkanten neu gesetzt - alles mit einem taktilen Leitsystem für blinde und sehbehinderte Menschen. In Salzderhelden kosten die Bauarbeiten etwa 4,2 Millionen Euro, hier werden neben den Bahnsteigpflasterungen zwei Aufzüge neu gebaut.

In Kreiensen steigen laut Bahn AG im Durchschnitt täglich 3000 Menschen in 88 Zügen ein und aus. Der Bahnhof Einbeck-Salzderhelden hat durchschnittlich 1000 Reisende bei 54 Zughalten pro Tag.

 

Aus dem Winterquartier des Zirkus Charles Knie

01.03.2014

Sascha MelnjakWie sieht es im Winterquartier des Zirkus Charles Knie aus? Beim Tag der offenen Tür im Einbecker Ortsteil Volksen nutzten mehrere Hundert Besucher die Gelegenheit, hinter die Kulissen und in die Stallungen zu schauen. „Die Gäste mit der weitesten Anreise kommen aus Schweden", freut sich Pressesprecher Patrick Adolph über die an diesem Tag mit der Sonne um die Wette strahlende Resonanz. Und auch Zirkusdirektor Sascha Melnjak ist sehr zufrieden. Den ganzen Tag über habe er mit seinem Team neugierige Besucher begrüßen können, die bereits vor der Saisonpremiere ein wenig Zirkusluft schnuppern wollten, sagte er.

Mit dem Tag der offenen Tür möchte das seit zwei Wintern im ehemaligen Winterquartier des Zirkus Barum beheimatete Zirkusunternehmen eine Tradition wieder beleben. Die Besucher konnten in den modernisierten Stallungen nicht nur Zebras, Pferde, Kamele oder Lamas hautnah erleben, sondern in der Probemanege auch erste Einblicke in das neue Programm gewinnen. Die kalifornischen Seelöwen genossen derweil im Sonnenschein ihren Außenpool sehr, nur selten bekamen die das Becken umringenden Besucher aus dem Wasser lugende Köpfe von Steffi und Kulus zu sehen. Witzig-spritzige Scherze trieb Clown Cesar Dias mit den Gästen.

Tag der offenen TürEin wenig vermisst haben einige Besucher die Elefanten und Raubtiere: die drei Elefantendamen mit Elvis Errani und die neue Raubtier-Dressur von Tom Dieck mit zwei Löwen, zwei Ligern und fünf Königstigern. Sie stoßen erst in Northeim beim ersten Gastspiel zum Zirkus, informierte Pressesprecher Patrick Adolph.

Der Zirkus Charles Knie hat das 50.000 Quadratmeter große Areal in Volksen Ende 2012 gekauft. Ein Glücksgriff, wie sich Zirkusdirektor Sascha Melnjak erinnert. Zuvor machten Tiere und Artisten in der Nähe von Papenburg in einer alten Schiffswerft während des Winters Quartier. Mit den idealen Verhältnissen in Volksen sei das nicht zu vergleichen.

„Hier haben wir das Gefühl, als Zirkus willkommen zu sein", sagt der 39-jährige Zirkuschef. Durch die lange Tradition des Zirkus Barum in Einbeck habe er schon vermutet, dass die Menschen in Einbeck und Umgebung zirkusfreundlich seien. Die Realität habe das allerdings noch übertroffen. Vom Hufschmied über die Beschriftungsfirma bis zu den Nachbarn - alle seien offen und freuten sich über das exotische Unternehmen, das mittlerweile den zweiten Winter in Volksen zuhause ist. „Da macht das Arbeiten Spaß." Im Büro von Sascha Melnjak, der sich 2007 mit dem Zirkus Charles Knie einen Kindheitstraum erfüllt hat, laufen die Fäden zusammen. Hier wird der Tourneeplan erstellt, holt er mit seinen Mitarbeitern die notwendigen Genehmigungen ein, wird alles angeschoben, was langfristig zu planen ist. Im Gutshof werden die Tournee-Plakate beklebt, in den Fahrzeughallen warten die Mitarbeiter die Fahrzeuge. Selbst in der Manege steht Sascha Melnjak nicht. Der aus Stuttgart stammende Kaufmann organisiert lieber. „Die Verwaltung ist der Motor", sagt der Zirkusdirektor ohne Frack und Zylinder. Er hat für die neue Saison eine neue, vielfältige Zirkusshow zusammengestellt, Artisten, Clowns und Tierlehrer verpflichtet.

Video aus dem Winterquartier

Video zum Tourneestart

Einbecker Bierorden für Ministerpräsident Stephan Weil

29.01.2014

MP WeilWeil Freunde eines gepflegten Bieres nicht nur in der närrischen Zeit zusammenhalten müssen: Die Gesellschaft der Karnevalsfreunde Einbeck und die Einbecker Brauhaus AG haben Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) den Einbecker Bierorden verliehen. „Seit fast 40 Jahren setze ich mich fürs Bier ein", bedankte sich der Regierungschef in der Einbecker Rathaushalle für die Auszeichnung. „Und zwar nicht nur mit schönen Worten, sondern ganz praktisch", sagte der 55-jährige bekennende Gerstensaft-Genießer aus Hannover.

Auf sein Feierabendbier freue er sich immer: Schlips vom Hals, Jeans anziehen - und dann an den Kühlschrank: „Der erste Schluck verdunstet im Oberkiefer." Auch Stephan Weils Vorgängern Sigmar Gabriel und David McAllister ist bereits der Einbecker Bierorden für herausragende Verdienste um Karneval und Bier verliehen worden.

Landrat Michael Wickmann, dem selbst vor zwei Jahren die Karnevals-Ehrung widerfahren war, warnte Stephan Weil in seiner Laudatio: Wer den Bierorden bekomme, dürfe den nicht einfach so einstecken, drei Bier trinken und dann wieder nach Hause fahren. „Umsonst machen wir den ganzen Aufwand hier nicht", sagte Wickmann vor dichtgedrängten Reihen im Rathaussaal. Da müsse für Einbeck schon auch etwas herausspringen.

Der Landrat entwarf mit närrischem Augenzwinkern mehrere Ideen, wie aus Einbeck eine Hanse-Hauptstadt werden könnte: Mit einem Regionalflughafen im Leinepolder („Eine Startbahn für Kraniche gibt's da ja schon") und mit einem eingemeindeten Bad Gandersheim („Dann hätte es auch mit der Landesgartenschau geklappt"). Wickmann forderte Weil auf, bis Aschermittwoch zu helfen.

Der Ministerpräsident ließ sich in der Karnevalsbütt nicht lange bitten. Wenn er den vom Landrat entworfenen neuen Südniedersachsenplan gerade richtig verstanden habe, dann solle die ICE-Strecke durch den Leinepolder führen, die nächste Weltgartenschau im Landkreis Northeim stattfinden und Einbeck Hauptstadt von Niedersachsen werden, sagte Stephan Weil unter lautem Beifall.

Der neue Bierordenträger gab daraufhin das närrische Versprechen, nicht nur Tag für Tag das Bier zu fördern, sondern auch sein ganzes Streben darauf zu konzentrieren, dass Einbeck Hauptstadt werde.

Video von der Verleihungsfeier

 

Neuer Feinstaubkoffer der Vereta GmbH

21.12.2013

Produktmanager Alexander Hoppert mit dem Feinstaub-Messkoffer.Mit einem neu entwickelten Feinstaub-Messkoffer hat die Vereta GmbH aus Einbeck den Innovationspreis 2013 des Landkreises Göttingen gewonnen. Nach drei Jahren Entwicklungszeit kann mit dem marktreifen Gerät mobil und handlich Feinstaub gemessen werden. Das war der Jury den ersten Platz in der Bewerber-Kategorie unter 20 Mitarbeiter wert. Das „Feinstaubmessgerät 2.0" ist das nach eigenen Angaben erste, das direkt im Abgasrohr von Kleinfeuerungsanlagen messen, die Grenzwerte bei laufender Messung anzeigen und dokumentieren kann.

Dem 14 Kilo leichten Metallkoffer ist sein Hightech-Inhalt nicht sofort anzusehen: Klappt man ihn auf, bietet er eine Messlanze, ein Display, einen Drucker sowie Schnittstellen für einen Laptop, erläutert Vereta-Produktmanager Alexander Hoppert. Der 29-jährige Elektroingenieur hat die Innovation mit entwickelt.

Mit dem Feinstaub-Messkoffer können beispielsweise Schornsteinfeger die Partikel in Abgasrohren vor Ort schnell und im Bereich von Tausendstel Millimetern genau messen, beschreibt Geschäftsführer Bodo Rengshausen-Fischbach die Innovation seines Unternehmens. Das spart dem „schwarzen Mann" vor Ort Zeit. In drei Minuten ist das Gerät messbereit. Anders als bei bisherigen Verfahren dauert es nicht Wochen, bis das Ergebnis vorliegt. Gemeinsam mit der Technischen Universität Clausthal und dem Fraunhofer-Institut für Toxikologie und experimentelle Medizin hat das 2002 gegründete Einbecker Unternehmen eine optische Sensorik für Staubpartikel in den mobilen Messkoffer integriert.

Das „Feinstaubmessgerät 2.0" der Vereta GmbH ist der erste Messkoffer, der die neuen Anforderungen der Bundes-Immissionsschutzverordnung (BImSchV) erfüllt. Schornsteinfeger müssen das Gerät nicht kaufen, sondern können den Feinstaub-Messkoffer mieten. Die Kaminkehrer waren es auch, die schon während der Entwicklungsphase das Gerät praxisnah testeten und immer wieder Anregungen gaben, wie es verbessert werden kann, berichtet Rengshausen-Fischbach. Im Ergebnis ist das zunächst hubwagengroße Messgerät für Feinstaub zu einem Koffer verkleinert worden, bei dem alle praktischen Funktionen für den Anwender erhalten blieben.

Die Freude und Überraschung über den gewonnenen Preis in Einbeck ist groß: „Als Entwicklungsunternehmen mit nur sieben Mitarbeitern bereits zum dritten Mal den Innovationspreis zu gewinnen, beweist die Kreativität und Innovationskraft unserer kleinen Sensorschmiede", sagt Geschäftsführer Bodo Rengshausen-Fischbach. 2004 erreichte die Vereta GmbH mit ihrem Sensor für gefühlte Temperatur den dritten Preis beim Innovationspreis des Landkreises Göttingen, im Jahr 2006 mit einer emmissionsmindernden Ofenregeltechnik ebenfalls den dritten Platz.

 

Kreiensen hat eine neue Website

08.12.2013

Roland Heimann (l.) und Hans-Henning Eggert schauen sich die neue Website des Ortsrates Kreiensen an. Foto: fbFast ein Jahr nach der Fusion mit Einbeck hat Kreiensen wieder eine eigene Adresse im Internet. Unter www.kreiensen-einbeck.de hat der Ortsrat seine neue Seite freigeschaltet. Die Website informiert über Schule und Kindergarten in Kreiensen, über Wirtschaftsunternehmen, die Kirchen sowie die Feuerwehr des Ortes; auch eine Chronik gibt es. Der vom Ortsrat und den Vereinen erstellte Veranstaltungskalender informiert über die Aktivitäten in der größten Ortschaft der Stadt Einbeck.

„Kreiensen ist ein anziehender Wohnort mit hoher Lebensqualität, familiengerechten Wohngebieten und außergewöhnlicher Infrastruktur", schreibt der Ortsrat. „Unsere zahlreichen Vereine bereichern das kulturelle Leben in unserem Ort durch ihr ehrenamtliches Engagement."

Der Internetauftritt soll kontinuierlich weiter entwickelt werden, verspricht der Ortsrat. Wer Anregungen hat, kann das Kontaktformular benutzen - „oder sagen Sie uns Ihre Meinung auch im persönlichen Gespräch, wir freuen uns auf Ihre Rückmeldungen".

 

Pizza beim Pastor

15.11.2013

Pizza beim Pastor

Er ist zwar gelernter Koch. Aber Gastronom ist Stefan Melcher an diesem Abend dennoch nicht, selbst wenn er das Essen vorbereitet, er bleibt der Pastor. Bei dem es Pizza gibt. Einmal im Monat am Freitagabend. Aus dem Backofen, den der Seelsorger mit gut 20 Gemeindemitgliedern selbst gebaut hat. Doch bevor die „Pizza beim Pastor" auf dem Teller liegt, steht die Andacht in der Kirche von Heinade (Kreis Holzminden) auf dem Programm: 20 Minuten mit Gebeten, mit dem Evangelium des folgenden Sonntags und Taize-Liedern. „Es gibt keine Pizza ohne Andacht, aber Andacht ohne Pizza", sagt Pastor Stefan Melcher und lacht. Der 53-Jährige hatte vor einigen Jahren die Idee zu dem Abend mit Andacht und Abendessen. Und die kommt bei seinen Gemeindemitgliedern in den von ihm betreuten zwei Kirchengemeinden am Sollingrand gut an. Jedes Mal sind zwischen zwölf und 40 Frauen, Männer und Kinder zur Pizza beim Pastor versammelt - Konfirmanden ebenso wie 90-Jährige. Am Ende des Abends wird von den Teilnehmern eine Spende erbeten.
Jeden Freitag um 18 Uhr bietet Stefan Melcher die Andacht im Alltag an, immer in einer anderen Kirche seiner Gemeinde. Einmal im Monat dann, am vierten Freitag in Heinade, gibt es im Anschluss „Pizza beim Pastor". Inzwischen wissen die Gemeindemitglieder genau, bis wann sie sich anmelden müssen. „Bei dem gemeinschaftlichen Essen kommen die Menschen miteinander ins Gespräch, Alt und Jung, auch die Mitglieder der verschiedenen Kirchengemeinden", freut sich der Pastor über die gute Resonanz auf seine Initiative. Leib und Seele gehörten zusammen, sagt er.
Wobei es nicht immer den mit Salami, Schinken oder Oliven belegten Teig aus Italien zu essen gibt. Auch andere Gerichte, die sich in einem Ofen backen und gut vorbereiten lassen, stehen auf dem Speiseplan des Freitagabends. Ein Höhepunkt beispielsweise ist das jährliche „Oktoberfest": Dann gibt es Haxen, frisch gebackenen Leberkäse, Weißwürste, Radisalat und selbstgebackene Laugenbrötchen, zünftig serviert auf blau-weißen Tischdecken. Alles vom Pastor mit der Hilfe von Gemeindemitgliedern zubereitet in dem von ihnen gemeinsam im Jahr 2009 gebauten Backofen in einem früheren Abstellraum. Wann dieser Ofen angeheizt werden muss und wann die Bleche in den Steinofen geschoben gehören, damit die Pizza pünktlich knusprig ist, weiß der kochende Theologe mittlerweile routiniert.
„Das ist eine tolle Idee", sagt Karin Albrecht-Hennigfeld. Die 55-Jährige ist öfter dabei. „Es ist schön, nach der Andacht mit den anderen Gemeindemitgliedern zu essen und zu reden." Das finden auch Edeltraud und Herbert Warneke. Das Ehepaar aus Deensen schätzt die Gemütlichkeit und den Austausch mit den anderen Gemeindemitgliedern. Hier erfahren sie Neuigkeiten aus dem Dorf, hier könne der Pfarrer aber auch Seelsorger im wahrsten Wortessinne sein, freuen sie sich. Die Kombination von Andacht und Pizza findet Doris Müller besonders gut. „Da kommen auch die Kinder gerne mit", sagt die Kirchenvorsteherin aus Schorborn. Die „Pizza beim Pastor" gehört für Martina Wenzlaff zu einem Stück Heimat. „Erst Gott loben, dann gemeinsam etwas essen, das gefällt mir", sagt die Heinaderin. Erstmals ist ihre Schwester Petra Heise dabei. Die Lüneburgerin freut sich bei ihrer Premieren-Pizza darüber, dass nach der Andacht nicht alle gleich auseinander gehen - und dass alle Generationen am Tisch vertreten sind. Als schönen Wochenabschluss empfinden Andreas Bartholl und Katharina Schmidt den Pizza-Abend mit Andacht. Der Organist und Theologiestudent und die Lehrerin an der Paul-Gerhardt-Schule in Dassel sind neu in der Kirchengemeinde und freuen sich, hier neue Leute kennenlernen zu können.

Veröffentlicht in der Evangelischen Zeitung

Vollsperrung aufgehoben, neue Brücke am Tiedexer Tor für Verkehr frei

15.11.2013

Seit dem 15. November 2013 ist die neue Brücke am Tiedexer Tor für den Verkehr freigegeben. Damit geht eine 17 Monate dauernde Vollsperrung dieser Innenstadtverbindung zu Ende. "Wir sind erfreut und erleichtert", sagte Baudirektor Gerald Strohmeier, der die Straße offiziell freigab. Die zurück liegenden Bauarbeiten seien nicht immer einfach gewesen, erinnerte der Bauamtsleiter. Die 18,60 Meter lange neue Brücke hat eine 5,50 Meter breite Fahrbahn. Das alte Bauwerk über das Krumme Wasser war seit Juni 2012 für Autos gesperrt. Zunächst durften noch Fußgänger die Querung nutzen, bis im Februar dieses Jahres die Brücke komplett gesperrt wurde. Während dieser Zeit waren weiträumige Umleitungen notwendig. Diese sind jetzt aufgehoben.

In den nächsten etwa vier Wochen müssen an der alten Steinbrücke, die von der neuen überspannt wird, noch letzte Steinmetzarbeiten erledigt werden. In den nächsten zwei Wochen sind außerdem Restarbeiten an den Seitenstreifen und Fußwegen zu erledigen. Die Brücke ist aber schon jetzt uneingeschränkt befahrbar und auch für Fußgänger passierbar.

Die neue Brücke mit einer Traglast von 60 Tonnen überspannt die alte Steinbogenbrücke, die aus dem 16. Jahrhundert stammt. Südlich der neuen Brücke verläuft eine etwa 17 Meter lange separate Querung für Fußgänger. Von der Fußgängerbrücke sollen die zwei Bögen der alten Steinbrücke besser sichtbar werden, um das Denkmal auch touristisch optimaler zu nutzen.

Für die Baumaßnahmen sind Kosten in Höhe von rund 693.000 Euro kalkuliert. Diese Summe werde man auch nahezu einhalten, hieß es.

 

66. Karnevals-Session in Einbeck: Kappe auf

11.11.2013

Kappen auf zur Jubiläums-Session und ein dreifaches "Einbeck Helaaf": Die Gesellschaft der Karnevalsfreunde Einbeck feiert 66 Jahre närrisches Treiben in der Bierstadt Einbeck. Mit einer Ausstellung in der Sparkasse beginnen die tollen Tage. Viele Fotos, die als Diaschau gezeigt werden, erinnern an den Karneval der vergangenen Jahrzehnte, zeigen aber auch Gesichter von heute. Präsident Albert Eggers gab den Namen des Bierorden-Trägers bekannt: Die Ehrung nimmt Ministerpräsident Stephan Weil am 29. Januar 2014 im Alten Rathaus entgegen. Das Prinzenpaar der neuen Session 2013/14 sind Jennifer I. und Henry I. Peter aus Einbeck.

Mit der von Hans-Gert Weseloh gestalteten Ausstellung möchte sich die Gesellschaft der Karnevalsfreunde auch für die Unterstützung in den vergangenen 66 Jahren bei allen Mitgliedern, Sponsoren, Gästen und Freunden des Einbecker Karnevals bedanken. Närrisch wurde es in Einbeck nach dem Zweiten Weltkrieg, als Jean Kalscheuer mit der Firma Schleicher & Schuell hier ansässig wurde, und als Rheinländer den Karneval vermisste. Ein Video von der Ausstellungseröffnung hier.

Neben der Bierordenverleihung, einer Veranstaltung der Karnevalsfreunde und der Einbecker Brauhaus AG, findet die Schlüsselübergabe mit einem großen Umzug am 18. Januar um 11 Uhr vor dem Alten Rathaus statt. Die Galasitzung ist auf den 8. Februar, der Kinderkarneval auf den 9. Februar terminiert. Die Jeansfete steigt am 22. Februar.

 

Freundschaft! Kurzweiliger Konzertgenuss mit Klavier und Komik

01.10.2013

Piano BattleAm Ende gaben sich beide freundschaftlich die Hand. Weiß hatte gewonnen - aber das spielte an diesem Abend in Einbeck keine große Rolle. Beim "Piano Battle" zwischen Andreas Kern und Paul Cibis war das Publikum in der restlos ausverkauften Rathaushalle der Sieger. Und alle waren dabei ins Schwitzen gekommen. Komik, Konzert und Kräftemessen an den zwei Flügeln unterhielten selbst Klassikmuffel extrem kurzweilig. Die Veranstaltung fand im Rahmen der Niedersächsischen Musiktage der Sparkassen statt, die in diesem Jahr unter dem Motto "Freundschaft" stehen.

Dass Wettstreit die Freundschaft beflügeln kann, zeigten Paul Cibis (schwarzer Anzug) und Andreas Kern (weißer Anzug) im Alten Rathaus in Einbeck. An zwei Flügeln warben die Pianisten mit Glanzstücken an ihren Tasteninstrumenten, mit viel Humor und mit sportlichem Einsatz um die Gunst des Publikums.

Und die Zuschauer hatten beide schnell auf ihrer Seite. Auch wenn die einen lieber die weiße, andere Besucher bei den Abstimmungen eher die schwarze Karte zeigten und damit in mehreren Musikrunden ihren Sieger küren wollten. Am Ende hatten beide ihre Flügel bis an die Bühnenkante vorschieben können. Der "Piano Battle" war entschieden.

Jede der insgesamt sechs Runden war in Stil und Form anders und rückte die Flügel nach vorn: Andreas Kern und Paul Cibis spielten vergleichbare Musikstücke einer bestimmten Art oder aus einer bestimmten Epoche, Debussy oder Schubert ebenso wie Beethoven und Chopin. Zudem gab es einen Improvisations-"Battle", in dem die Pianisten Titeln oder Themen, die vom Publikum vorgeschlagen wurden, ihre ganz eigene Note geben konnten. So wurden unter anderem "Hummelflug" und "Yesterday" zu einem musikalischen Erlebnis beflügelnder Art. Einmal lagen beide gar trommelnd unter ihren Tasteninstrumenten und zeigten beim Rhytmus ganzen Körpereinsatz.

Das Publikum kam nicht nur beim Zuhören voll auf sein Vergnügen. Den die Besucher durften auch mitmachen: Der Flügelrundlauf versetzte Teilnehmer und Zuschauer in "Freude schöner Götterfunken". Wie beim Tischtennis-Spiel galt es, von einem Flügel zum anderen zu hasten, um rechtzeitig an den Tasten zu sein.

Dass Andreas Kern und Paul Cibis nicht nur mit Musik romantisch die Herzen besondern der Damen verzaubern konnten, zeigten sie mit Kerzen.

Und wer Freunde in Achim und Bad Münder hat: Dort werden die Kampfeshandlungen von den zwei Piano-Meistern Anfang Oktober noch einmal zelebriert. In diesem Sinne: Freundschaft!

Ein Video hier.

 

 

Pater Anselm Grün in der Münsterkirche Einbeck

09.09.2013

Über 400 Besucher haben dem Vortrag von Pater Anselm Grün in der Einbecker Münsterkirche gelauscht. Der 68-jährige Benediktiner-Mönch aus dem Kloster Münsterschwarzach bei Würzburg hat bereits über 300 Bücher veröffentlicht, ist seit vielen Jahren als Bestseller-Autor unterwegs. Neben Pater Anselm sitzt Inge Steinsiek: Die Einbeckerin kennt den Benediktiner von mehreren Besuchen im Kloster, hat ihn zusammen mit der Hospizbewegung im Kirchenkreis Leine-Solling zu dem Vortrag über den Tod, der zum Leben gehört, eingeladen. „Sie haben mich gelehrt, loszulassen und zu leben - bewusst und angstfrei", sagt Inge Steinsiek.

„Der Gedanke an den Tod gehört zu einem gelingenden Leben" - das ist die Kernthese von Pater Anselm Grün in Einbeck. Ohne Tod würde das Leben unverbindlich. Viele Menschen hätten Todesangst, weil sie nie gelebt hätten. Weil sie Kontrollverlust und Hilflosigkeit fürchteten. Pater Anselm appellierte an die Zuhörer, jetzt, in diesem und in jedem Augenblick intensiv zu leben. Wann und wie der Tod komme, wisse allein Gott. Nie zu spät indes sei es, bewusst zu leben. Damit könne jeder jederzeit beginnen.

Pater Anselm Grün rief die Menschen dazu auf, auch in der Begleitung Sterbender und Trauernder den Tod bewusst wahrzunehmen. Wer das nicht tue, verachte auch das Leben. Wie man mit dem Tod umgehe, sei ein Zeichen der Kultur oder eben der Unkultur. Die Hospizbewegung habe hier eine neue Kultur in der Gesellschaft geschaffen, lobte der Pater. Ganz wichtig sei es, Abschied zu nehmen. Für diesen sei es auch nie zu spät, es werde jedoch etwas fehlen, wenn man sich nicht die Zeit dafür nehme.

Auch die Trauer dürfe nicht verdrängt und übersprungen werden, durch sie erst werde man die Botschaft des Verstorbenen verstehen und eine neue Beziehung zu ihm entwickeln können, sagte Pater Anselm Grün. Die verschiedenen Phasen der Trauer gelte es wahrzunehmen und zuzulassen. Wichtig seien Abschiedsrituale, besonders für Kinder. Wer beispielsweise einen Brief des Verstorbenen an sich selbst schreibe, „verwandelt die Trauer mit vielen Tränen". Ein Trauerjahr habe durchaus seine Berechtigung, heute sei es leider so, dass oftmals derjenige, der nach sechs Wochen immer noch trauere, Medikamente dagegen verschrieben bekomme, kritisierte der Benediktiner-Mönch.

Am Ende des Vortrages und des Tages, nach einem gemeinsamen Abendgebet, waren Pater Anselms Unterschriften gefragt. Der Benediktiner signierte zahlreiche Bücher.

 

Arbeiten an den Bahnhöfen Salzderhelden und Kreiensen verzögern sich

25.08.2013

Pendler und Bahnreisende sind seit Monaten genervt: Auf den Bahnhöfen in Kreiensen und Einbeck-Salzderhelden wird gebaut. Oder eben auch manchmal wochenlang gar nicht. Dann müssen sich die Reisenden ihren Weg über Schotterpisten suchen, ohne Bahnsteigdach im Regen stehen und mit dem Koffer die Absperrungen umkurven, um zum richtigen Gleis zu kommen. Warum verzögern sich die Bauarbeiten?
In Kreiensen ist der Wechsel der Baufirma die Ursache. Von der ersten hat sich die Bahn getrennt. Die jetzt beauftragte Firma aus Elze will bis September die Bahnsteige gepflastert und die Kanten gesetzt haben, sagte Bahn-Sprecherin Sabine Brunkhorst auf Anfrage. Alle Bauarbeiten am Bahnhof Kreiensen sollen im ersten Quartal 2014 abgeschlossen sein.
In Salzderhelden mussten laut Brunkhorst die Planungen für den Aufzug und die Bahnsteigkante „wegen Unstimmigkeiten" überarbeitet werden. Der lange, kalte Winter habe die Arbeiten zuvor bereits zusätzlich verzögert. „Davon sind wir auch nicht begeistert", sagte die Bahn-Sprecherin. Nun soll es nach der Planungspause Anfang September weiter gehen. Mit dem Ende der Bauarbeiten rechnet die Deutsche Bahn AG im nächsten Frühjahr.
Bei Bauarbeiten an der Bahnstrecke sind so genannte Sperrpausen zu berücksichtigen, um die Sicherheit von Bauarbeitern und Fahrgästen gewährleisten zu können. Manchmal müssen Züge weiträumig umgeleitet werden, damit in Ruhe am Bahnsteig gearbeitet werden kann. Bei Verzögerungen gerät der Bauzeitplan schnell durcheinander. Gerade auf der Nord-Süd-Strecke müssen diese Pausen lange im Voraus beantragt werden.
„Natürlich sind die Unannehmlichkeiten für die Fahrgäste nicht schön, aber nach Fertigstellung der Stationen der Leinetalbahn gibt es einen erheblichen Gewinn an Komfort und Barrierefreiheit", sagt Gerd Aschoff, Vorsitzender des Fahrgastverbandes Pro Bahn für Südniedersachsen.
Einbecks Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek kann den Ärger der Pendler und Bahnkunden über die Dauerbaustelle Bahnhof verstehen. Auch sie ist sauer: „Die Situation ist total unbefriedigend." Mehr als immer wieder mahnen und das Gespräch suchen, könne die Stadt jedoch nicht. Für Mitte September ist ein Ortstermin mit Bahnvertretern am Bahnhof Salzderhelden geplant.

„Niedersachsen ist am Zug" heißt das Programm, mit dem die Baumaßnahmen am Bahnhof Kreiensen und Einbeck-Salzderhelden finanziert werden. Die Deutsche Bahn AG investiert in Kreiensen rund 6,7 Millionen Euro für zwei Aufzüge, die Modernierung der Unterführungen und Treppen sowie Bahnsteigdächer. Die Bahnsteige werden erhöht, neu gepflastert und die Bahnkanten neu gesetzt - alles mit einem taktilen Leitsystem für blinde und sehbehinderte Menschen. In Salzderhelden kosten die Bauarbeiten knapp vier Millionen Euro, hier wird neben den Bahnsteigpflasterungen ein Aufzug neu gebaut und der Bahnhof dadurch barrierefreier.

Die Busverbindung zwischen Kreiensen und Einbeck will die Stadt Einbeck selbst aktiv verbessern. Die nicht optimale Taktung hat sich auch durch den jüngsten Fahrplanwechsel nicht verändert, optimierte Verbindungen waren während der Fusionsgespräche zwischen Kreiensen und Einbeck immer wieder angemahnt worden. Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek erklärte, ihre Verwaltung entwickle aktuell ein Konzept für den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV). Nach einem Treffen aller Ortsbürgermeister, bei dem diese ihre Bus-Wünsche äußern durften, erarbeitet die Verwaltung derzeit ein Anforderungsprofil. Auch die Ilmebahn und die Göttinger Verkehrsbetriebe hat die Bürgermeisterin bereits um ihre Erfahrungen gebeten in Fragen von Streckenauslastungen und Nutzerströmen. „Wir müssen das Rad ja nicht neu erfinden", sagt sie. Michalek schwebt ein Gesamtkonzept vor, das Bahn, Bus, Bahnhöfe, Park & Ride-Parken, Car-Sharing und Fahrrad vernetzt.

 

 

Einbeck gewinnt Stadtwette der NDR-Sommertour

24.08.2013

Alle waren sie da: Heino, Michael Jackson, Ivan Rebroff, Nino de Angelo, die Wildecker Herzbuben, Reinhard Mey und viele weitere Musikstars. Und deshalb hat Einbeck die Stadtwette gegen den NDR grandios gewonnen. Der Plattenladen hatte auf dem Hallenplan geöffnet, und 354 Einbecker waren kostümiert wie ihr Star mit ihrer ersten eigenen Schallplatte zur Stelle, deutlich mehr als die 250 geforderten - da mussten die NDR-Moderatoren ihren Wetteinsatz leisten und wie ihr Jugendschwarm singen: Kerstin Werner und Ludger Abeln gaben - in "Pretty Women"-Verkleidung - auf einem mit Menschen dicht gedrängten Marktplatz einen Titel von ihrem Jugendschwarm Klaus Lage: „1000 und 1 Nacht (Zoom)".

Der NDR will mehr als 10.000 Besucher gezählt haben auf dem Einbecker Marktplatz. In jedem Fall waren es Tausende Menschen, die dicht gedrängt nach gewonnener Wette eine Riesenparty feierten und zuvor die Live-Sendung "Hallo Niedersachsen" in der City verfolgten.

Dass die Stadtwette gelingen würde, zeichnete sich schon früh ab: Dicht an dicht standen die Einbecker pünktlich am zuvor ausgerufenen Treffpunkt vor dem Eicke'schen Haus, von wo aus die Heinos, Abbas, Mozarts und Co. zu dem mit allem Drum und Dran ausgestatteten Plattenladen auf dem Hallenplan strömten.

Inge Schneider und Uschi Schröder waren als Wildecker Herzbuben dabei, durften in der NDR-Fernsehsendung auch noch gleich eine Gesangskostprobe geben. Bernd Amelung, im Nerz gekleidet, bewunderte an seinem Idol Ivan Rebroff, dass dieser die höchsten und die tiefsten Töne habe singen können.

"Ich bin sehr entspannt", verriet gleich zu Beginn der Live-Sendung Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek. "Ich habe schon mal durchgezählt..." Sie selbst hatte sich ihre Falco-Platte geschnappt, die Haare gegeelt, Sonnenbrille und den schwarzen Anzug genommen. Jeany sei damals in ihrer Jugendzeit das Skandalvideo gewesen, das sofort wieder aus dem Verkehr gezogen wurde und nicht mehr gesendet werden durfte, erzählte die Bürgermeisterin in der Live-Sendung NDR-Moderator Ludger Abeln. "Die Platte musste ich sofort haben."

Als dann Ludger Abeln die Zahl der verkleideten Einbecker vorlas, kannte der Jubel auf Hallenplan und Marktplatz kein Halten mehr. "Ich danke allen, die sich mit Platte und Kostüm aufgemacht haben", freute sich Sabine Michalek. "Das ist ein Bild für Einbeck."

Nach der Live-Sendung betraten "The Smashing Picadillys" und Chris Norman ("Living next door to Alice", "Midnight Lady") die Bühne und feierten mit Tausenden Einbeckern eine ausgiebige Siegerparty auf dem Marktplatz.

 

 

Werbegemeinschaft und Initiative Einbeck wollen fusionieren

01.07.2013

Vorstand Werbegemeinschaft Einbeck 2013

Vorstand Initiative Einbeck 2013Nach der Werbegemeinschaft hat sich auch die Initiative Einbeck für eine Fusion beider Vereine ausgesprochen. Bei der Mitgliederversammlung des Vereins zur Förderung der Stadtentwicklung bekam der wiedergewählte Vorstand ein einstimmiges Votum, Gespräche mit dem Vorstand der Werbegemeinschaft aufzunehmen. Ziel ist, möglichst zum Jahreswechsel 2014 mit einer neuen, schlagkräftigen Vereinigung an den Start gehen zu können - einem Förderverein, der die die finanzielle Basis für die Einbeck Marketing GmbH sichern kann.

Noch vor Weihnachten möchte die Initiative auf Grundlage eines jetzt zu erarbeitenden Papiers die Fusion in einer separaten Mitgliederversammlung beschließen lassen. In den Gesprächen mit der Werbegemeinschaft seien in den nächsten Wochen Details zu klären, etwa wie Doppelmitgliedschaften behandelt werden sollen und wie die Aufsichtsratsmandate bei der Einbeck Marketing GmbH zu verteilen sind.

Bislang kann die Initiative Einbeck ihren jährlichen Beitrag an die Einbeck Marketing GmbH (25.000 Euro) aus den Mitgliedsbeiträgen decken, "aber es wird knapper", sagte Kassenwart Stefan Beumer. Rund 60 Mitglieder hat die Initiative aktuell. Schwierig sei es, neue Mitglieder zu gewinnen. Gespürt habe man das beispielsweise jüngst bei einem Besuch im Gebiet der ehemaligen Gemeinde Kreiensen, beim dortigen Verein Handel & Gewerbe, berichtete Beumer. Außenstehenden zu erklären, was die Initiative im Gegensatz zur Werbegemeinschaft mache, warum wer wo Mitglied werden solle, sei schwierig gewesen.

Vorsitzende Petra Reimann erhofft sich von einer Fusion, einfacher die Vorteile einer Mitgliedschaft kommunizieren zu können. Die Wiege der Einbeck Marketing GmbH sei die Initiative, die Keimzelle seien die Initiative und die Werbegemeinschaft gemeinsam. Bei Einbeck Marketing sei man auf einem guten Weg. "Wir alle wollen noch mehr positive Veränderungen sehen", sagte Reimann. Das gehe nur auf vernünftiger wirtschaftlicher Basis. Klar sei auch: "Ohne finanzielle Unterstützung von Initiative und Werbegemeinschaft ist Einbeck Marketing nicht überlebensfähig."

Walter Schmalzried appellierte an seine Unternehmer-Kollegen, jetzt eine neue Grundlage für eine aktive und vitale Zukunft der Stadt zu schaffen und eine Bündelung der wirtschaftlichen Kräfte zu erreichen. "Wir sind verantwortlich", sagte der Kaufmann und Ratsherr. "Wir können nicht einfach sagen: Stadt, mach' das."

Wie Christoph Bajohr, Vorsitzender der Werbegemeinschaft, berichtete, habe er seit der Mitgliederversammlung der Einzelhändler Ende April nur Stimmen für eine Fusion gehört, die Stimmung dafür sei eindeutig. Seit dem Start der Einbeck Marketing GmbH im Jahr 2010 habe die Außendarstellung der Werbegemeinschaft gelitten, immer wieder sei man mit Fragen konfrontiert worden, warum man noch Mitglied in der Werbegemeinschaft sein solle und was diese denn noch tue, berichtete Vorsitzender Christoph Bajohr. Die Veranstaltungen wie das Eulenfest organisiere die Einbeck Marketing GmbH, sie trete nach außen als Veranstalter auf, und das sei ja auch so gewollt. Wichtig seien attraktive Veranstaltungen und dass etwas Gutes für Einbeck getan werde, nicht wer das tue, sagte Bajohr.

Durch immer weniger Mitglieder (aktuell noch 110) und damit verbundene Einnahmeverluste werde es für die Werbegemeinschaft immer schwieriger, die gegebenen Zahlungszusagen einzuhalten, sagte Bajohr. Einstimmig hat die Versammlung beschlossen, für 2013 eine einmalige Umlage in Höhe von zehn Prozent des Mitgliedsbeitrages zu erheben, um die Bilanz des Vereins ausgleichen zu können. "Die Werbegemeinschaft will Einbeck Marketing nicht in Frage stellen, aber mit unserer Kassenlage wäre es nicht so weiter gegangen", sagte der stellvertretende Vorsitzende Michael Weisensee.

"Nichts kann so bleiben wie es war, auch wenn es einmal gut und richtig war", erinnerte Christoph Bajohr an die verschiedenen Wurzeln von Werbegemeinschaft (Einzelhandel), Initiative (Industrie, Stadtmarketing) und der 2010 gegründeten Einbeck Marketing GmbH.

Ziel ist jetzt, einen Verein "Einbeck Marketing e.V." zu bilden, in dem Werbegemeinschaft und Initiative vereinigt werden. "Das wäre eine starke Gruppierung für Einbeck", sagte Bajohr. Sie könne Einbeck als attraktive Einkaufsstadt voranbringen und auch den vorliegenden Masterplan bei der anstehenden Umsetzung aktiv begleiten. "Einbeck ist gut."

Gesellschafter der Einbeck Marketing GmbH sind zu 51 Prozent die Stadt Einbeck, zu je 24,5 Prozent die Werbegemeinschaft und die Initiative Einbeck. Alle drei tragen auch finanziell die GmbH. Die Stadt hatte jüngst beschlossen, bis 2016 jährlich 340.000 Euro zu zahlen, wenn auch die beiden anderen Gesellschafter zu ihren finanziellen Leistungen stehen, die in der so genannten Geschäftsübertragungsvereinbarung fixiert sind.

Bei den Vorstandswahlen der Initiative Einbeck wurde der bisherige Vorstand einstimmig im Amt bestätigt: Vorsitzende bleibt Petra Reimann, Stellvertreterin Kristiane Rüttgerodt. Kassenwart ist unverändert Stefan Beumer, Schriftführer bleibt Walter Schmalzried. Beisitzer bleiben Ernst-Otto Lampe, Dr. Sabine Michalek und Wulf Janshen.

Bei den Vorstandswahlen der Werbegemeinschaft Einbeck wurde der bisherige Vorstand einstimmig im Amt bestätigt, für den ausgeschiedenen Peter Mackenrodt wurde Ines Haupt (Modehaus Schünemann) in das Gremium gewählt. Neuer Stellvertreter von Christoph Bajohr ist jetzt Michael Weisensee. Außerdem gehören dem Vorstand Alexander Pohl, Rudi Reinert und Susanne Hornung an.

 

Golfplatz Einbeck auf 18 Spielbahnen erweitert

02.06.2013

Mit einem präzisen Abschlag des „goldenen" Balles hat Präsident Michael Weisensee heute den neu gestalteten Golfplatz bei Einbeck offiziell eröffnet. Der Golfclub Einbeck hat seine Anlage auf 18 Löcher erweitert - auf dem bestehenden, über 30 Hektar großen Gelände. Aus einstmals drei großzügig bemessenen Bahnen im östlichen Teil des Areals sind heute neun geworden. „Wir sind erwachsen und volljährig geworden", freut sich der der Vorstand über den neuen Platz mit nun 18 Bahnen.

Schon im vergangenen Jahr haben die Landschaftsbauer über 60.000 Kubikmeter Erde bewegt, teilweise eine neue Linienführung modelliert. Jetzt grünte es nach einem langen Winter pünktlich zur Eröffnung auf den Fairways und den Greens. Und pünktlich zur offiziellen Eröffnung kam auch die Sonne hinter den Regenwolken hervor.

"Wir haben vielleicht keinen einzigartigen, aber einen bemerkenswerten Golfplatz", sagte Präsident Michael Weisensee zur Eröffnung. "Ein Alleinstellungsmerkmal haben wir mit der wirklich phantastischen Rundumsicht oben auf dem höchsten Punkt."

Der Golfpark Leinetal habe im oberen Bereich, wo stets der Wind pfeife, fast savannenartigen Bewuchs, erklärte Weisensee. Den Hügel hinab laufen die Sportler an den verschiedensten heimischen Baumsorten vorbei, das Obst sei immer sehr beliebt, und unten habe Architekt David Krause durch Ausnutzung der natürlichen Feuchtigkeit ausgedehnte Biotope konzipiert, die nicht nur die Golfer zu einem besseren Spiel anhalten, so Weisensee: "Eigentlich ärgern sich die Golfer aber nur, wenn ein Ball darin verschwindet."

Sportlich gesehen sei der Platz nicht sehr lang, aber dafür sehr abwechslungsreich und für Freizeitgolfer genauso interessant wie für ambitionierter Spielerinnen und Spieler eine Herausforderung, meint Weisensee. Und das liege am System des Golfsports, das sich vor allem dadurch auszeichne, dass Menschen mit unterschiedlichen Spielstärken ohne Probleme zusammen einen vergnüglichen Nachmittag auf dem Platz verbringen könnten und jeder seinen Spaß oder seine sportliche Befriedigung bekomme. Weisensee: "Das gibt es in keiner anderen Sportart."

Auf einem langgezogenen Hügel zwischen Einbeck im Norden, Immensen im Süden und dem Rückhaltebecken der Leine bei Salzderhelden im Osten erstreckt sich der Golfplatz mit jetzt 18 Spielbahnen zwischen Bäumen, Büschen und mehreren Teichen. „Der Platz ist schwerer, aber auch fairer geworden", findet Michael Büchting, Schatzmeister des Vereins. Hindernisse, wie beispielsweise Bunker, seien heute im Gegensatz zu früher leichter sichtbar.

Geplant wurde die neu gestaltete Anlage vom renommierten Golfplatz-Architekten David Krause aus Buxtehude, der für den Golfclub Hardenberg 2004 den Niedersachsen Course realisiert hat. Ziel in Einbeck war es, während der Bauarbeiten auf neun Bahnen des Golfplatzes weiterhin spielen zu können; dieses hat der aktuell über 400 Mitglieder zählende Golfclub geschafft. Insgesamt investiert der Club als Bauherr für die Umgestaltung eine Summe im oberen sechsstelligen Bereich, berichtet Schatzmeister Michael Büchting.

Der Einbecker Golfclub erhofft sich durch den erweiterten Platz mehr Gastspieler und freut sich auf den sportlichen Wettbewerb mit anderen Plätzen, der jetzt bei 18 Bahnen möglich ist. Der vor sieben Jahren bereits realisierte Ausbau von neun auf zwölf Löcher sei nur ein Zwischenschritt gewesen - für einen sportlichen Vergleich jedoch keine saubere Lösung. Ziel war immer der 18-Loch-Platz. „Jetzt sind wir konkurrenzfähig", sagt Büchting.

Eine Mitgliedschaft im Golfclub Einbeck ist jederzeit möglich, sie kostet 1068 Euro pro Jahr. Eine Aufnahmegebühr wird nicht fällig. Das Sekretariat ist unter 05561/982305 täglich außer montags vor Ort erreichbar.

Dort können auch Elektrokarts gemietet werden, um die Distanzen des Platzes zu überwinden.

Ergänzt wird der Golfplatz um eine unverändert gebliebene Übungsanlage mit Abschlagplätzen, eine Golfschule von Professional Klaus Maag und das „19. Loch", das öffentliche Restaurant „Golfstüberl" mit neu überdachter Terrasse und Blick ins Leinetal.

 

 

Dr. Sabine Michalek seit 100 Tagen Bürgermeisterin in Einbeck

04.05.2013

Einen "typischen" Arbeitstag einer Bürgermeisterin gibt es nicht. Auch keinen mit regelmäßigen Arbeitszeiten. Das hatte ihr Vorgänger Ulrich Minkner bei der Amtsübergabe in Zimmer 100 des Einbecker Rathauses gesagt. Und Dr. Sabine Michalek hat damals natürlich schon gewusst, wie recht ihr Vorgänger haben würde. Für die 45-Jährige ist das alles kein Problem. "Ich zähle keine Minuten oder Stunden", sagt die neue Bürgermeisterin, die exakt am 4. Mai seit 100 Tagen im Amt ist.

Einbeck repräsentieren - das durfte sie schon seit mehreren Jahren. Ehrenamtlich und als Stellvertreterin. Jetzt ist Sabine Michalek die Chefin. Hauptamtlich. Seit gut drei Monaten arbeitet die 45-Jährige als neue Bürgermeisterin, steht an der Spitze der durch die Fusion mit Kreiensen größer gewordenen 33.000-Einwohner-Stadt Einbeck. „Ich bin noch beim Warmlaufen", bekennt sie. Mit großer Freude und Neugier sei sie „noch immer die Lernende, die Fragende, die Zuhörende". Die knapp 350 Mitarbeiter der Stadtverwaltung hat die neue Bürgermeisterin zu ihrem Bedauern noch nicht alle persönlich kennengelernt. „Da dachte ich, schneller sein zu können", räumt Sabine Michalek ein. Offen und ohne Vorbehalte sei sie im Rathaus begrüßt worden, freut sie sich.

Als „spannende Erfahrung" der ersten drei Monate im neuen Amt gibt die Verwaltungschefin die Haushaltsberatungen zu Protokoll. „Es ist schon eine veränderte Situation, auf der anderen Seite zu sitzen", sagt die 45-Jährige, die vorher für die CDU Mitglied im Stadtrat war und das Zahlenwerk eher aus der politischen Auseinandersetzung kannte. Dank sehr guter Vorarbeit ihrer Mitarbeiter seien die Etatberatungen in den Gremien aber gut verlaufen. „Ich erfahre viel Hilfestellung", sagt Michalek. In wenigen Tagen soll der Haushalt im Stadtrat beschlossen werden. Durch die Fusion und die Finanzspritze des Landes drücken zwar die Schulden weniger, große Sprünge lassen sich aber in Einbeck weiterhin nicht finanzieren.

Die neue Bürgermeisterin sieht sich selbst als Dirigentin eines Orchesters. „Ich muss nicht die erste Geige spielen - und noch die Pauke dazu", sagt Sabine Michalek. In allen Fachbereichen ihrer Verwaltung gebe es schließlich Experten für die verschiedenen Themen. Sie sieht ihre vorrangige Aufgabe darin, alle Beteiligten an einen Tisch zu versammeln, um auftauchende Probleme gemeinsam zu lösen. Nicht zuletzt deshalb hat sie sich einen größeren Besprechungstisch im frisch renovierten Bürgermeisterbüro gewünscht und bekommen. Michalek möchte in Möglichkeiten denken, nicht in Hemmnissen.

Ihren festen Termin seit Jahren jeden Dienstagmittag, das Musizieren im Streichquartett mit drei Freundinnen, hat Sabine Michalek als Bürgermeisterin bislang beibehalten können und nur einmal verschieben müssen. Da ging es - einmal mehr - um Probleme im Einbecker Krankenhaus. Und das war selbstverständlich wichtiger als Geige zu spielen. Da war die Dirigentin gefragt.

Als größte Herausforderung ihrer gerade gestarteten Amtszeit sieht die neue Bürgermeisterin das Zusammenwachsen von Einbeck und Kreiensen. „Die Gesamtstadt muss sich als Einheit begreifen", sagt Michalek. Es dürfe nicht Kernstadt hier und Ortsteile dort geben. Ausdauer sei gefragt, das Zusammengehörigkeitsgefühl bei allen zu verankern. Ausdauer - diese Eigenschaft wünscht sich auch die Bürgermeisterin, die sich selbst als oftmals zu ungeduldig beschreibt, Ideen „schneller auf die Straße bringen" möchte, wie die 45-Jährige sagt. „Dicke Bretter bohren sich aber nicht an einem Tag."

Das sind auch manchmal dann die Momente, in denen sie merkt, welchen Unterschied es zwischen einem großen Wirtschaftsunternehmen und einer großen Verwaltung gibt. Hier im Rathaus, wo die Politik eine Ebene höher angesiedelt und der eigentliche Chef ist, "gibt es eine Abstimmungsschleife mehr als in Wirtschaftsunternehmen, wo Abteilungsleiter viel Entscheidungsbefugnis haben", sagt die Bürgermeisterin, die zuvor die Öffentlichkeitsarbeit bei Einbecks größem Arbeitgeber, der KWS Saat AG, geleitet hatte. "Die Dynamik ist anders und nicht ganz so hoch wie in der Wirtschaft", sagt Michalek über erste Rathauserfahrungen.

Die neue Bürgermeisterin sieht ihr Transparenz-Versprechen aus dem Wahlkampf nicht gefährdet. Sie biete zwar keine feste Bürgersprechstunde an, wer Fragen oder ein Problem zu besprechen habe, könne aber um einen individuellen Termin bitten. "Dann versuche ich das, in den Terminkalender einzubauen", sagt Sabine Michalek.

Bald soll es elektronisch bessere Möglichkeiten für die Bürger geben, sich zu informieren, Fragen zu stellen. Die Fraktionschefs des Stadtrates hat sie sich vorgenommen regelmäßig zu informieren, auch hier helfen im Zweifel neue Medien. Das Ratsinformationssystem ist kurz vor dem Praxisstart. Und die neue Bürgermeisterin ist auch auf Dienstreisen oder wenn sie außer Haus ist erreichbar - per Diensthandy, auf dem sie auch ihre E-Mails checken kann.

Auffressen lassen von ihrem neuen Amt will sich die Bürgermeisterin aber nicht. Die Familie ist ihr sehr wichtig. Einen Tag am Wochenende versucht sich Sabine Michalek regelmäßig für Ehemann Wolfgang und die Sohne Lorenz und Kilian freizuhalten. Bisher gelingt ihr das. "Ich habe ja auch gute stellvertretende Bürgermeister", lacht die 45-Jährige, die bis vor 100 Tagen selbst noch eine war.

 

Dr. Christian Kley neuer Chirurgie-Chefarzt

01.04.2013

Das jetzt als Einbecker Bürgerspital GmbH agierende Krankenhaus hat eine erste personelle Neuverpflichtung mitgeteilt: Dr. Christian Kley (44) wird ab 1. April die Klinik für Allgemein- und Visceralchirurgie leiten. Der Mediziner war bislang Oberarzt in der Universitätsklinik Göttingen.

Mischer bezeichnete die Verpflichtung von Kley, die nach eigenen Angaben erst eine halbe Stunde vor dem Pressegespräch schriftlich fixiert worden war, als "wichtigen Schritt für das Haus". Bereits seit Januar, als klar geworden sei, dass der Betrieb weitergehen könne, sei man jedoch miteinander im Gespräch gewesen, erklärten Geschäftsführer Norbert Mischer und Dr. Olaf Städtler, Ärztlicher Direktor und Geschäftsführer des Einbecker Bürgerspitals.

Bei dem in Einbeck gezeigten Bürgerwillen für den Erhalt des Krankenhauses wolle er gerne mitwirken, sagte Dr. Christian Kley. Der 44-Jährige, geboren in Bünde in Ostwestfalen, ist verheiratet und lebt mit Ehefrau und dem 13-jährigen Sohn in Göttingen-Rosdorf. Perspektivisch könne er sich vorstellen, mit seiner Familie nach Einbeck zu ziehen, sagte Kley, der privat gerne zur Jagd geht.

Nach Medizinstudium in Berlin begann Kley 1995 seine medizinische Ausbildung an der Göttinger Universitätsklinik, seit 2004 war er dort Oberarzt an der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie, die Professor Dr. Michael Ghadimi leitet. Ghadimi ist Mitglied im Beirat der neuen Einbecker Bürgerspital GmbH.

Diese guten, neu aufgebauten Kontakte zur Uniklinik sollen dem Einbecker Krankenhaus helfen, das sieht auch der neue Chefarzt als positive Verbindung. Schließlich sei die Uniklinik der Maximalversorger der Region, knüpfe dort an, wo man als Haus der Grund- und Regelversorgung wie in Einbeck begrenzt sei. Er habe sich das 109-Betten-Haus intensiv angesehen, sagte Kley. In Einbeck finde er gute Arbeitsbedingungen und eine sehr gute technische Ausstattung vor „für eine solide Versorgung, die diese Stadt braucht", wie der Chirurg sagte.

„Die Aufbruchstimmung, die hier herrscht, und die Perspektive für das Haus hat den Ausschlag gegeben, nach Einbeck zu kommen", sagte Kley. Selbstverständlich habe nach einer gewissen Zeit als Oberarzt auch die Position eines Chefarztes gereizt. Wichtig sei für ihn aber auch gewesen, dass offen und ehrlich über die Probleme gesprochen worden sei, "klare Worte ohne Beschönigung", formulierte Kley.

Dr. Christian Kley ist Facharzt für Chirurgie, Visceralchirurgie (Bauchchirurgie) und spezielle Chirurgie und nach mehr als 15 Jahren an der Uniklinik erfahren in der Behandlung eines breiten Spektrums von Erkrankungen, vom Blinddarm bis zur Schilddrüse.

Der Chirurg tritt die Nachfolge von Dr. Farhad Schahmirzadi an. Der bisherige Chefarzt in Einbeck habe bereits 2012 fristgerecht gekündigt und trete aus persönlichen Gründen eine neue Stelle in Bad Münder an, sagte Geschäftsführer Norbert Mischer.

 

Ostern ohne Klöben ist wie Weihnachten ohne Tannenbaum

30.03.2013

Janette Kuche, Frederike BreyerZum achten Mal freuen sich die Menschen der Region auf den Einbecker Osterklöben. Am Ostersonnabend liegen 222 Meter in der Marktstraße auf Tischen bereit zum Verkauf, gibt es das locker-leckere Butter-Hefe-Gebäck mit Rosinen in 15 Zentimeter großen Stücken zum unveränderten Preis zu kaufen. Und langjährige Klöben-Freunde wissen: Wer einen ergattern möchte, muss pünktlich in der Innenstadt sein und sich in die Schlange einreihen. Meist nach zwei Stunden ist der Osterklöben komplett verkauft.
Offiziell anschneiden wird den Einbecker Osterklöben die neue Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek, erstmals in dieser Funktion. Pünktlich um 10 Uhr vor dem Eicke'schen Haus nimmt sie das Messer in die Hand, die ersten Klöben-Käufer warten da sicherlich schon ungeduldig auf den Verkaufsstart.
Ostern ohne Klöben? Das ist wie Weihnachten ohne Baum. Für Frederike Breyer, Projektleiterin Stadtmarketing beim Veranstalter Einbeck Marketing GmbH, ist der diesjährige Klöben-Verkauf das erste Mal. Für die 29-Jährige steht fest: Zum Osterfrühstück kommt das Einbecker Hefegebäck auf den Frühstückstisch.
Der Osterklöben ist ein lockeres Butter-Hefe-Gebäck mit Rosinen, aprikodisiert glänzend und mit Hagelzucker verlockend versehen. Die Bäckerei Biel backt den 222 Meter langen Klöben (natürlich in einzelnen Stücken, jeweils 15 Zentimeter lang) seit Beginn dieser jungen Einbecker Ostertradition.
Auch Janette Kuche von der Bäckerei Biel freut sich auf den Osterklöben-Verkauf, im vergangenen Jahr war sie erstmals dabei: "Der ging weg wie warme Semmeln."
Der Erlös des Verkaufs kommt in diesem Jahr dem Einbecker Kindercafé zugute. Wie Initiatorin Yvonne Brandt erklärte, werde man das Geld für die Dankesfahrt mit den Kindern verwenden. Geplant ist 2013 eine "Reise ins Mittelalter" unter anderem auf die Homburg bei Stadtoldendorf. 2014 soll es in den Schwangau gehen.
Den Ostereinkauf versüßen 25 Geschäfte in Einbeck: Begleitend zum Verkauf des Einbecker Osterklöbens wünschen sie ihren Kunden mit einem kleinen Präsent ein schönes Osterfest. Neu in diesem Jahr: Nicht mehr wie bisher kleine Marmeladen-Gläschen, sondern kleine Stoffbeutel mit je einem Päckchen Ostertee ist das Give-away des Einzelhandels. Dabei gibt es zwei verschiedene österlicher Teesorten, kündigt Frederike Breyer vom Veranstalter Einbeck Marketing GmbH an: Einen Schwarztee sowie einen Oster-Rooibush, einen Tee für Genießerhasen. Der aromatisierte Rotbuschtee schmeckt nach sahnig-cremigem Eierlikör, sagt der Hersteller.

Bericht vom Verkauf.

Video vom Verkauf.

Vor Gericht: Letzte Warnung für 20-Jährigen

18.03.2013

Kann das Urteil „die Lethargie in der Seele" des 20-Jährigen aufheben, wie es Amtsrichter Thomas Döhrel formulierte? Das Jugendschöffengericht unter Döhrels Vorsitz hatte zuvor den Einbecker zu vier Wochen Jugendarrest wegen Bedrohung und Beleidigung verurteilt, die der Angeklagte „zeitnah verbüßen" werde, wie es hieß. „Ein letztes Mal" habe das Gericht keine Jugendstrafe verhängt, begründete der Vorsitzende Richter das Urteil. Die Staatsanwaltschaft hatte genau die gefordert, weil sie „sehr deutliche charakterliche und erzieherische Defizite" bei dem angeklagten Heranwachsenden ausgemacht hatte: Jugendstrafe auf zwei Jahre zur Bewährung und gemeinnützige Arbeiten, lautete die Forderung. Das Gericht sah diese Defizite zwar auch, war aber milde - und ließ nach dem Plädoyer der Verteidigung den ursprünglich angeklagten Tatbestand der versuchten Erpressung fallen.

Dem angeklagten 20-Jährigen war vorgeworfen worden, seine ehemalige Lebensgefährtin angerufen und versucht zu haben, sie mit Drohungen („Ich haue dich kaputt" u.a.) und Beleidigungen („Schlampe" u.a.) genötigt zu haben, ein ihr zuvor geschenktes Mobiltelefon auszuhändigen. Doch genau bei diesem Handy im Wert von 275 Euro gingen die Ansichten im Gerichtssaal auseinander. „Das war ganz anders als da steht", wandte sich der 20-Jährige gegen die Anklageschrift. Er habe der 17-Jährigen, die mittlerweile seine Ex ist, das Gerät im vergangenen Sommer „leihweise" zur Verfügung gestellt. Als die Beziehung beendet war, da habe er sie „gebeten", wie er sagte, das Handy doch zurückzuschicken - und: „Ich bin natürlich ein bisschen sauer geworden."

Über 100 Mal habe der Einbecker sie und ihren neuen Freund angerufen und am Telefon belästigt, schilderte die 17-Jährige als Zeugin. Die Nummer ihres neuen Lebensgefährten habe der Angeklagte erfahren, nachdem er ihren Facebook-Acount gehackt habe. „Er hat mir Angst gemacht, wollte zu mir kommen und mir das Leben zur Hölle machen", sagte die junge Frau aus. Das Handy habe man damals doch gemeinsam gekauft, er habe es bezahlt und ihr gegeben, „dass es mir gehört". Auch Rechnung und Garantieschein habe sie. „Er hat nicht gesagt, ich leihe es dir."

Dass der 20-jährige Angeklagte kein unbeschriebenes Blatt ist, hat die Sache für Verteidiger Marc Hainski nicht einfacher gemacht. Körperverletzung, Sachbeschädigung, Unterschlagung, Beleidigung, Betrug, versuchte Nötigung - meist wurden die Verfahren eingestellt. Zuletzt aber war der damals noch 19-Jährige zu Arbeitsauflagen verurteilt worden, weil er seiner Mutter Geld für ein Getränk abgenötigt hatte, die ihm jedoch bedeutet hatte, er solle Leitungswasser trinken. Die gerichtlich auferlegten Auflagen nach diesem Fall hatte der junge Einbecker nicht erfüllt, auf keine Post vom Gericht reagierte, was ihm zwei Wochen Jugendarrest einbrachte. Den hatte er noch nicht angetreten. Rechtsanwalt Marc Hainski konzentrierte sich in seinem Plädoyer auf das eher zivilrechtliche Problem: Wem gehört das Handy?

Und damit „hat die Verteidigung in letzter Minute das Gericht überzeugt", wie Richter Döhrel sagte. Denn die Eigentumsverhältnisse seien auch für Juristen schwierig zu bewerten, ob da wirklich ein Eigentumsübergang stattgefunden habe, ob dem Angeklagten dies bewusst gewesen sei, wer letztlich im „Besitz einer Eigentumsvermutung" gewesen sei. Daher ließ das Gericht den Vorwurf der versuchten Erpressung fallen.

Ob das Urteil die „Lethargie in der Seele" beendet? Warum er sich denn nicht gemeldet habe auf die Post vom Gericht, warum er sich nicht bemühe um eine Ausbildungsstelle, warum er lieber im „Hotel Mama" bleibe, will Richter Döhrel von dem 20-Jährigen wissen. Mit den jetzt geurteilten vier Wochen Jugendarrest sei man beim Höchstmaß und als Gericht am Ende der erzieherischen Einwirkung. „Ich bemühe mich schon", hat der Einbecker als Antwort.

 

Gelungene Operation Steinie

01.02.2013

„Da ist uns ein Glanzstück gelungen", freut sich Walter Schmidt. Der Vorstand der Einbecker Brauhaus AG sieht einen „Aufbruch in ein neues Zeitalter": Das Einbecker Pilsener gibt es in einer neu gestalteten Steinie-Flasche und in einem neuen 30-Flaschen-Kasten. Das Pilsener ist der „Mengenbringer" bei der Einbecker Brauerei, seit Jahrzehnten beliebt in der Steinie-Flasche, von Kennern liebevoll auch Handgranate genannt. Doch der in die Jahre gekommene 30-er-Kasten war schwer und groß - zu groß für Euro-Paletten.
Vor einem Jahr startete daher die „Operation Steinie": Die Einbecker wollten nicht einfach drei oder fünf Flaschen aus dem Bierkasten nehmen, wie dies Wettbewerber taten, um den Pilsener-Steinie-Kasten attraktiver und für den Transport kompakter zu machen. „Wir wollten Neues, ohne das Alte aufzugeben", sagt Vorstand Walter Schmidt.
Die Quadratur des Kreises ist den Bierbrauern fast gelungen: Die typische Steinie-Flasche ist jetzt schlanker und etwas höher. Die Einbecker Brauhaus AG hat nach eigenen Angaben bewusst darauf verzichtet, die neue Steinie-Flasche als Individualflasche mit Relief-Prägung auf den Markt zu bringen. Die neue Steinie-Flasche kann von jeder Brauerei eingesetzt werden - zur Freude der Logistiker.
Der neue Kasten enthält unverändert 30 Flaschen à 0,33 Liter, millimetergenau optimal angeordnet wie in einer Bienenwabe, auf 40 x 40 Zentimetern. Für die Logistik von der Brauerei zum Handel bietet er höchstmögliche, 50 Prozent gesteigerte Effizienz. Denn jetzt passen 42 statt vorher 28 Kästen auf eine Euro-Palette. Damit veringerten sich die Transporte um mehr als ein Drittel, sagt die Brauerei.
Die „Operation Steinie" mit 4,5 Millionen neuen Flaschen ist Teil einer großen Investition: Über zehn Millionen Euro gibt das Unternehmen (170 Mitarbeiter) aus, um technisch und logistisch den Anforderungen des Marktes gerecht zu werden. Neu ist auch der Slogan der Einbecker, der jetzt für den Gerstensaft werben wird: „Heimat der guten Biere".
Die Einbecker Bierbrauer investieren nicht nur in Prozesssteuerung bei der Flaschen- und Fassabfüllung. Im Logistikzentrum wird außerdem für zurücklaufendes Leergut eine Flaschensortieranlage in Betrieb genommen.
Auch das Kleinod der Brauerei, in dem jede Brauerei-Führung zum Höhepunkt kommt - der Einbecker Ur-Bock-Keller - wird umgebaut. Ab April 2013 soll dort die Welt des Einbecker Bieres noch lebendiger als bisher präsentiert werden.

Dr. Sabine Michalek neue Einbecker Bürgermeisterin

21.01.2013

Der Vorsprung ist groß, sehr groß. Unerwartet groß. Damit hatte auch die Siegerin nicht gerechnet, die offensichtlich an diesem Abend ein wenig sprachlos und überwältigt ist von diesem Ergebnis. Als Dr. Sabine Michalek zur besten Tatort-Zeit das Neue Rathaus betritt, sind zwar noch längst nicht alle Wahlbezirke ausgezählt, der Vorsprung jedoch stabilisiert sich von Beginn an, beträgt früh deutlich über 1700 Stimmen. Dr. Sabine Michalek hat die Bürgermeisterwahl in Einbeck für sich entschieden. Um 23.05 Uhr sind dann alle 65 Wahlbezirke ausgezählt, steht das vorläufige Endergebnis fest: Dr. Sabine Michalek konnte 9337 Stimmen auf sich vereinigen (55,82 Prozent), Ulrich Minkner erreichte am Ende 7391 Stimmen (44,18 Prozent).

Schon am frühen Abend hatte sich ein deutlicher Vorsprung für die von CDU, FDP und GfE unterstützte Kandidatin abgezeichnet. Anhänger überreichten im Wahlzentrum des Neuen Rathauses bei einem Vorsprung von 1800 Stimmen um 20.21 Uhr mit ersten Gratulationen einen Blumenstrauß an die neue Bürgermeisterin. Und gingen zum Feiern...

Im "Centrum" im Zentrum Einbecks brandete Beifall auf, als die neue Bürgermeisterin, begleitet von den Vorsitzenden der CDU, FDP und GfE die gemeinsame Feier von CDU und FDP betrat. Dr. Sabine Michalek stieg auf einen Stuhl, dankte ihrem ganzen Team für die Unterstützung in den vergangenen Wochen. "Dieser Sieg heute Abend wäre nicht möglich gewesen, wenn ihr nicht gewesen wäret." Später schaute sie noch bei der GfE-Party im "Hasenjäger" vorbei.

"Wir haben einen sachbezogenen Wahlkampf gemacht und sind nie unfair geworden", erklärte die künftige Bürgermeisterin. "Wir haben ganz einfach deutlich gemacht, warum wir hier in der Region einen Neustart brauchen. Und das haben die Menschen ähnlich gesehen in ganz vielen persönlichen Gesprächen vor Ort."

Die Wahlbeteiligung lag bei rund 71 Prozent. Einzelheiten zum Ergebnis hier.

Ein Video von der Wahlparty gibt es hier.

Stimmen zum Wahlergebnis hier.

Wertholzsubmission in Vogelbeck

14.01.2013

Deutlich weniger Holz als in den Vorjahren wurde für die jüngste Wertholzsubmission auf dem Lagerplatz in Vogelbeck bereitgestellt. Weil im Herbst die Lage auf dem Holzmarkt ungewiss war, habe man den Forstbesitzern zu zurückhaltendem Einschlag geraten, sagte Forstamtsleiter Michael Degenhardt. Man habe das Angebot aber nicht bewusst verknappt, um die Preise zu steigern. Beim Holz, einem sehr gefragten nachwachsenden Rohstoff, gebe es aber keinen festen Erntezeitpunkt. Degenhardt: "Man kann ruhig ein Jahr warten, die Bäume wachsen ja weiter."

Und das haben viele Waldbesitzer getan. Der Lagerplatz in Vogelbeck, mit einer Kapazität von weit über 2000 Festmetern (Fm) Holz einer der größten Wertholzplätze in Deutschland, ist nur zu etwa 40 Prozent mit Baumstämmen gefüllt. Etwa 500 Stämme sind es in diesem Winter in Vogelbeck, 817 Festmeter. Weitere 937 Festmeter lagern auf Plätzen in Suterode und Liebenburg.

Bei der Northeimer Buntlaub- und Eichenwertholzsubmission der Landwirtschaftskammer und der Landesforsten werden jährlich die besten Stämme aus den Wäldern Südniedersachsens angeboten. "Daher sind die Ergebnisse ein Ausdruck für die Leistungsfähigkeit der Wälder zwischen Braunschweig und Hameln, zwischen Hannover und Hann.Münden und Barometer für die Stimmung in der Säge- und Furnierindustrie", sagt Forstamtsleiter Michael Degenhardt. Auch Holz aus Sachsen-Anhalt war in diesem Jahr im Angebot.

Bereits im vergangenen Herbst haben Waldbesitzer in Südniedersachsen wertvolle Eichen- und so genannte Buntlaubholzstämme (z.B. Esche, Bergahorn, Kirsche) gefällt und auf die Lagerplätze in Vogelbeck, Suterode und Liebenburg gebracht.

Kurz vor Weihnachten wurden an etwa 150 deutsche und europäische Holzkäufer dann wieder die Kataloge mit den Angaben über Qualität und Maße der Wertholzstämme versandt. Auf den Lagerplätzen herrschte "zwischen den Jahren" reges Treiben, da sich viele Kunden die Hölzer vor Ort anschauen.

Über die gesamte Submission ist der Durchschnittspreis wegen des sehr guten Abschneidens von Eiche und Esche, aber insbesondere auch wegen des geringeren Angebots von Nadelholz um 27 Prozent auf 380 Euro/Fm gestiegen. "Die Waldbesitzer sind mit dem Ergebnis der Submission sehr zufrieden", sagt Forstamtsleiter Michael Degenhardt.

 

Wohnungseigentum-Verwaltung: Was macht eigentlich ein Beirat?

22.12.2012

Sie unterstützen den Verwalter bei seinen Aufgaben: die Beiräte bei Wohnungs-Eigentümer-Gemeinschaften (WEG). Das ist gesetzlich geregelt. Und das ist auch bei der Einbecker Wohnungsbaugesellschaft (EWG) gelebte Praxis. Die EWG verwaltet im Auftrag von Wohnungseigentümern über 40 Gemeinschaften, kleine genauso wie große Wohnanlagen. Doch was machen diese Beiräte eigentlich konkret? Ortstermin bei Gerd Hillebrecht in Einbeck am Petersilienwasser.
Seit sechs Jahren lebt der heute 71-Jährige mit Ehefrau Ursel in dem damals gerade neu gebauten Mehrfamilienhaus in der Innenstadt. Seit dem Umzug von Süddeutschland nach Einbeck ist er auch Beirat für die insgesamt acht Wohnungen umfassende Eigentümergemeinschaft der Häuser Nummer 11 und 13. „Ich habe mich nicht gedrängt, aber ich habe mich auch nicht gewehrt", erinnert sich Hillebrecht. Während der Bauphase war der damals gerade in den Ruhestand getretene ehemalige Marketing-Manager einfach oft als Anprechpartner, beispielsweise für Handwerker, vor Ort und schnell zur Stelle, wenn etwas abgesprochen werden musste. Was bis heute gilt. Andere Eigentümer leben oder arbeiten auswärts. So sei er in die Aufgabe „hineingerutscht", wie er selbst sagt. Freilich ist Gerd Hillebrecht von der Eigentümergemeinschaft offiziell gewählt. Er vertritt die Interessen der Eigentümer gegenüber dem Verwalter, beispielsweise wenn es den Wunsch mehrerer Eigentümer gibt, neue Vordächer zu installieren oder die Fassade dämmen zu wollen. „Ich bin nicht der Hausmeister", macht Hillebrecht deutlich.
„Der Wirtschaftsplan, die Abrechnung über den Wirtschaftsplan, Rechnungslegungen und Kostenanschläge sollen, bevor über sie die Wohnungseigentümerversammlung beschließt, vom Verwaltungsbeirat geprüft und mit dessen Stellungnahme versehen werden", heißt es in Paragraf 29 des Wohnungseigentumsgesetzes. Und genau das ist auch der Job von Gerd Hillebrecht. Vor der jährlichen Eigentümerversammlung findet deshalb eine Belegprüfung statt, bei der die wirtschaftlichen Unterlagen wie Rechnungen durchgesprochen werden. Die EWG übernimmt unter anderem die Abrechnung von Heizung, Wasser und Strom. Der Beirat überprüft, ob alles seine Richtigkeit hat.
Im Dialog mit der EWG klärt der 71-Jährige im Laufe des Jahres auch, wenn beispielsweise Fenster zu reparieren sind, ob dies Aufgabe der einzelnen Eigentümer oder der Gemeinschaft ist. „Das ist eine gut funktionierende Zusammenarbeit", sagt Gerd Hillebrecht. Zu den Ansprechpartnern der EWG gebe es kurze Wege und auf allen Seiten den guten Willen und ein lebhaftes Verständnis für die Interessenlage des anderen. „Die EWG ist ein verlässlicher Partner", lobt der Beirat der Eigentümergemeinschaft am Petersilienwasser.
„Wir wissen um die verantwortungsvolle Aufgabe, im Rahmen einer professionellen Verwaltung die Werte der Eigentümer zu pflegen und zu sichern", sagt EWG-Geschäftsführerin Birgit Rosenbauer. Eine optimale Kundenorientierung und die regelmäßige Präsenz in den Wohnanlagen sowie persönlicher Kontakt zu den Ansprechpartnern seien der EWG besonders wichtig.

Wie soll das künftige Gemeindezentrum aussehen?

01.11.2012

Wie soll das neue Gemeindezentrum der zusammengeschlossenen Kirchengemeinden in Einbeck aussehen? Diese Frage ist nur eine von mehreren, die in dem seit Monaten laufenden Fusionsprozess noch beantwortet werden muss. Den Kirchenvorständen liegt jetzt ein Gebäudekonzept mit zwei verschiedenen Entwürfen für ein gemeinsames Gemeindezentrum vor: ein „Haus der Kirche" in der Marktkirche St. Jacobi und ein Anbau an die frührere Superintendentur. Anfang nächsten Jahres soll entschieden werden, welche Planung realisiert wird.

Heute gibt es vier Kirchengemeinden in Einbeck mit insgesamt rund 9100 Mitgliedern. Laut Prognose wird diese Zahl bis zum Jahr 2030 auf 8000 Menschen sinken. Ziel ist, dass es ab 2014 in Einbeck nur noch eine evangelisch-lutherische Kirchengemeinde gibt. Die sechs Kirchen sollen erhalten bleiben und für sie eigene Profile (weiter-)entwickelt werden. Geplant ist, nicht mehr benötigte Häuser zu verkaufen. Wunsch der drei Stadtgemeinden St. Alexandri, St. Jacobi und St. Marien ist, zentral gelegen und gut erreichbar ein neues Gemeindezentrum zu erhalten.

Für dieses neue Gemeindezentrum gibt es zwei unterschiedliche Konzepte, die nach Angaben der beteiligten Planer und Architekten nur schwer vergleichbar sind. Bereits seit Jahren gibt es Pläne, in der Marktkirche St. Jacobi ein „Haus der Kirche" einzubauen. Werner Lemke, Baudirektor der hannoverschen Landeskirche, präsentierte einen reduzierten Entwurf des kirchlichen Amtes für Bau- und Kunstpflege. Das „Haus der Kirche" ist ein in das nördliche Seitenschiff der meistbesuchten Kirche Einbecks integrierter, transparenter, zweigeschossiger Bau. Im Erdgeschoss soll barrierefrei ein rund 100 Quadratmeter großer, länglicher Gemeindesaal entstehen; mit Treppe oder Aufzug erreicht man das Obergeschoss auf Höhe der Orgelempore. Hier sind noch einmal zwei kleine Gruppenräume vorgesehen. Unter der Orgel soll das Gemeindebüro entstehen können, ebenfalls mit transparenten Wänden hin zum Hauptschiff. Die Baukosten werden insgesamt auf rund 1,150 Millionen Euro beziffert.

Architekt Roman Graf erläuterte die Entwürfe seines Büros für ein Gemeindezentrum am Stiftplatz. Sie sehen vor, die ehemalige Einbecker Superintendentur umzubauen und um einen eingeschossigen Anbau nach Norden zu vergrößern. Ebenerdig sollen drei Räume entstehen, die einzeln zu nutzen sind, gemeinsam aber einen Saal mit 145 Quadratmetern Fläche bilden können. Das heutige Gebäude soll so umgebaut werden, dass neben weiteren Gruppenräumen und dem Gemeindebüro eine separat zugängliche Wohnung und die Büroräume des Diakonischen Werkes vorhanden sein werden. Die Gesamtkosten kalkuliert Roman Graf mit rund 1,120 Millionen Euro, wobei allein rund 600.000 Euro für den transparenten Neubau beziffert sind.

 „Sie legen die Gleise für die nächsten zwei Generationen", machte Superintendent Heinz Behrends den Kirchenvorständen die Bedeutung ihrer Entscheidung deutlich. Die Pläne sowie außerdem die Vorschläge zur gemeinsamen Satzung werden jetzt in den einzelnen Kirchenvorständen weiter diskutiert. Im Januar 2013 soll die Arbeitsgruppe Fusion dann Änderungsvorschläge beraten. Beispielsweise arbeitet der Kirchenvorstand St. Alexandri zurzeit noch an einem anderen Namensvorschlag für die neue, eine Gemeinde. Vorgeschlagen war, sie Immanuel-Kirchengemeinde zu nennen. Endgültig entschieden werden soll der Zusammenschluss im März/April nächsten Jahres, um die Fusion zum 1. Januar 2014 realisieren zu können. Bis dahin sind dann noch Fragen wie Liturgie, Konfirmanden-Unterricht und Personalfragen zu klären.

Die aus Kirchenvorständen aller Gemeinden bestehende Arbeitsgruppe Fusion hat in den vergangenen neun Monaten unter Leitung von Superintendent Heinz Behrends unter anderem Fragen des gemeinsamen Vermögens geklärt. Eine Vereinbarung zur Zusammenlegung der Gemeinden soll die Interessen der aufgelösten Gemeinden wahren; unter anderem wird hier geregelt sein, wie sich der neue Kirchenvorstand der fusionierten Gemeinde zusammensetzen wird. „Die Arbeitsgruppe Fusion hat mit großem Engagement, mit Sachlichkeit, in sehr guter Atmosphäre und mit starkem Willen am Einigungswerk gearbeitet", erklärte Superintendent Heinz Behrends.

 

Wahrhaft würziger Genussabend auf der Heldenburg

04.10.2012

Einen wahrhaft würzigen Abend bei allerlei Gaumenfreuden und anregenden Gesprächen haben rund 60 Teilnehmer im historischen Bierkeller der Heldenburg im Einbecker Ortsteil Salzderhelden verleben können. Gemeinsam hatten Einbecker Senfmühle, Einbecker Brauhaus AG und der Förderverein Heldenburg Salzderhelden mit Unterstützung von Einbeck Marketing zu dem mittelalterlichen Genussabend eingeladen. Die Heldenburg präsentierte sich dabei als perfekte Kulisse eines stimmungsvollen Abends, der mit einem unschlagbaren Fernblick ins Leinetal zur Begrüßung der Gäste begonnen hat.

Der Ort war Bedacht gewählt: Die Teilnehmer konnten die Stunden im Kreis anderer Vertreter aus Wirtschaft, Tourismus und Politik nutzen, um sich in entspannter Atmosphäre darüber auszutauschen, wie die historische Burganlage genutzt werden kann, was man alles hier neben Hochzeiten oder Firmenfesten veranstalten kann. Erste neue Ideen sind in zahlreichen Gesprächen gereift, deren weitere Planungen und Umsetzung jetzt in die Hand genommen werden.

Die Teilnehmer tauchten an dem Abend ein in eine ereignisreiche und schmackhafte Episode der Geschichte. Bei deftigem Spießbraten mit Kraut und Brot, traditionellem Würzsenf und einer Auswahl Einbecker Bierspezialitäten, alles serviert auf edlem Tuch des Einbecker Blaudrucks, brachte das Amateurtheater „Die Bühnenstürmer" mit seinem Schauspiel Ereignisse aus der Vergangenheit in Erinnerung und regte zu Gesprächen an. Im einstigen Bierkeller der Heldenburg, Schauplatz des Genussabends, wurde früher das Einbecker Bier gelagert, in einem separaten Kellerteil das Bockbier. Über dem Gewölbefundamenten des Kellers erhoben sich damals drei Geschosse des steinernen Hauses der markanten Burganlage. Durch den Abend führte Eberhard Schmah, der die Heldenburg in langjähriger Arbeit in einem animierten 3D-Modell anhand von historischen Aufzeichnungen rekonstruiert und wieder auferstehen lassen hat. Das Ergebnis lebendig präsentierter Geschichte ist ein 30-minütiger Film, den Schmah vor einem Jahr vorlegen konnte und von dem die Teilnehmer einen Vorgeschmack bekamen.

Den kulinarischen Abschluss bildete die Welfenspeise. Schließlich war es Herzog Albrecht I., der bei seinem Regierungsantritt 1361 auf der Heldenburg in Salzderhelden als erster Welfenherzog das nach rechts schreitende Pferd, das spätere Sachsenross-Landeswappen, benutzte.

 

Marlenes erste CD: Ich nehme mir die Welt

01.09.2012

(c) Fotostudio SichtweisenFür Pop-Titan Dieter Bohlen ist sie ein „gesangliches Höchsttalent" und ein „singender Sonnenschein". Und auch wenn Marlene bei der „Supertalent"-Show nicht gewonnen hat, war sie beim TV-Publikum die Gewinnerin der Herzen. Jetzt veröffentlicht Marlene Wenzig ihre erste Single. Die 14-Jährige aus Einbeck in Südniedersachsen hat sich eigenständig durchgekämpft - ohne eine große Plattenfirma im Hintergrund, und auch ohne Hilfe von Dieter Bohlen. „Ich nehme mir die Welt" heißt der Song, der ab 1. September zum Download bereit steht. „Das ist ein fröhliches Lied, und das passt zu mir", sagt Marlene. „Denn ich bin ja keine, die oft Trübsal bläst."

„Ich nehme mir die Welt" heißt Marlenes Gute-Laune-Song, der sofort ins Ohr geht. Die 14-Jährige singt vom Aufbruch eines Mädchens zu ihrer Reise zum eigenen Ich. „Manchmal fühl ich mich beengt, weiß ich wer heut mein Schicksal lenkt", singt Marlene, „doch irgendwie ist das egal, ab jetzt hab ich die Wahl..." Der Popsong ist Marlene wie auf den Leib geschnitten. Auch die Einbeckerin, die zurzeit in die 8. Klasse des dortigen Goethe-Gymnasiums geht, bricht auf in die Welt. Durchaus ungeduldig, wie das Mädchen mit den roten Haaren selbst fröhlich singt: „Die Zeit steht niemals still, warten kann, wer will, ich geh dann schon mal vor..."

Marlene, die viele auch noch von der Kinderschokolade-Werbung kennen (dort war sie 2007 eines der Gesichter, das von der Packung lächelte), geht dann schon mal vor. Auch wenn sie bei der TV-Show „Supertalent" im vergangenen Jahr nicht gewonnen hat und im Halbfinale das Aus kam, war es dennoch eine gute Entscheidung, dort hinzugehen. „Das war eine tolle Erfahrung und hat sich trotzdem gelohnt", sagt Marlene. Die 14-Jährige ist gefragt, hat Auftritte bei Veranstaltungen und bezaubert dort immer wieder mit ihrer Stimme. Zu vielen Terminen in ganz Deutschland ist sie mit ihren Eltern unterwegs, die ihre Tochter kräftig unterstützen. Bei einer Benefiz-CD „A New Day" zugunsten der „Aktion Deutschland hilft" hat Marlene mitgesungen. Im Oktober ist sie bei einer Veranstaltung der Mukoviszidose-Stiftung in München, deren Patin sie ist. Die 14-Jährige ist selbst Betroffene dieser Krankheit.  

Jetzt freut sich Marlene auf ihre erste Single. Auch ein Video hat sie dafür gedreht: „Das ist richtig cool geworden". Ihre über 13.000 Facebook-Freunde durften schon erste Ausschnitte sehen, bevor es komplett bei Youtube hochgeladen ist. Die Single „Ich nehme mir die Welt" soll erst der Anfang sein. Wer den Song hört, weiß sofort, was die 14-Jährige meint: „Das Glück wird in Groß bestellt, Freiheit ist nun mein Ziel."

 

Fotos aus der Vogelperspektive dank modernster Technik

13.08.2012

Leise surrend setzen sich die acht kleinen Rotoren in Bewegung. Erst langsam. Immer schneller drehen sie sich. Das Gestänge, das Michael Mehle in der Hand hält und schließlich in die Lüfte fliegend entlässt, die andere Hand immer an der großen Fernbedienung, die er sich umgehängt hat, ist aber kein ferngesteuertes Modell-Flugzeug. Auch wenn es ein bisschen so aussieht. Der 45-Jährige startet gerade ein „fliegendes Kamerasystem" in Einbeck. Und während die Kamera in maximal 100 Metern Höhe schwebt, kann Michael Mehle direkt auf seinem Monitor an der Fernbedienung erkennen, ob die Motive so im Bild sind wie sie sein sollen.
Außergewöhnliche Blickwinkel und atemberaubende Kameraflüge können mit der modernen Technik entstehen, die 1,7 Kilogramm leicht ist, mühelos in einen Rollkoffer passt und somit mobil optimal und schnell einsetzbar ist. Nicht nur Fotos kann Mehle machen, auch Videos sind mit seiner fliegenden Kamera möglich. Herkömmliche Luftaufnahmen wurden bislang meist aus einem Sportflugzeug oder Helikopter gemacht. Die Technik, auf die der Göttinger Unternehmer setzt, nennt sich PHT (das steht für Professional High Tech) und nutzt unbemannte Luftfahrzeuge, so genannte Drohnen, die vom Boden aus per Koordinaten präzise zu ihrem Einsatzort gesteuert werden und von dort Aufnahmen in bester Qualität liefern. An der Drohne hängt keine schwere Spiegelreflexkamera, sondern eine leichte, flexibel drehbare Optik, die hochauflösende Bilder liefert. Maximal 15 Minuten kann das Gerät in der Luft bleiben, dann muss der Akku gewechselt werden.
Der Einsatz von Drohnen bedeutet für Auftraggeber eine erhebliche Kostenersparnis gegenüber den bis dato üblichen Luftaufnahmen. Auch bürokratische Genehmigungsverfahren sind überflüssig. Anmelden muss Michael Mehle seine Drohnenflüge indes auch, aber das geht unkompliziert, sagt er.
Die Einsatzmöglichkeiten für die Fotodrohne sind vielfältig: Auftraggeber können beispielsweise bei größeren Bauvorhaben die jeweiligen Bauabschnitte aus der Luft aufzeichnen lassen. Auch für touristische Zwecke sind Hingucker-Bilder möglich. Wie groß sind Sturmschäden tatsächlich? Versicherungsunternehmen können die neue Technik zur Schadensbegutachtung einsetzen. Und auch Infrarotaufnahmen sind möglich, wenn etwa die Energiebilanz von Häusern genauer unter die Lupe genommen und aus besonderem Blickwinkel dargestellt werden soll.
Michael Mehle aus Göttingen ist exklusiver Kooperationspartner der PHT Airpicture GmbH, Rietberg, für die Region. Informationen unter www.pht-airpicture.de.

Einbecker Brauhaus AG: Bilanz bereinigt, keine Dividende, neuer Großaktionär

24.7.2012

Die Einbecker Brauhaus AG hat vor ihren Aktionären eines des härtesten Geschäftsjahre der Unternehmensgeschichte bilanziert. Zum dritten Mal in Folge gibt es keine Dividende. Mit einer Kapitalerhöhung, die frisches Geld (fast vier Millionen Euro) in die Kasse gespült hat und den neuen Großaktionär IREKS (Kulmbach) bescherte, hat die Brauhaus AG die Bilanz bereinigen können. Um auf eine Null in der Bilanz zu kommen, hat das Unternehmen rund 5,2 Millionen Euro aus der Gewinnrücklage entnommen, um den Jahresfehlbetrag und den Verlustvortrag aus dem Vorjahr auszugleichen.

Die 173 Mitarbeiter haben auf Teile ihrer Jahressonderzahlung 2011 verzichtet, der Vorstand auf seine Tantiemeansprüche.

Sechs Millionen Euro Verlust in den vergangenen drei Jahren habe das Brauhaus eingefahren, kritisierte Heiko Barkemeyer von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK). Die Gewinnrücklage des Unternehmens sei jetzt beinahe aufgebraucht.

Die Kapitalerhöhung habe das Unternehmen in die Lage versetzt, seine bilanziellen Strukturen nachhaltig zu stärken, erklärte Vorstandssprecher Lothar Gauß den Aktionären. Durch die ausgeglichene Bilanz habe man die Voraussetzung geschaffen, künftig wieder Dividenden zahlen zu können. Das sei erklärtes Ziel.

"Wir haben in den letzten 15 Monaten einen eisernen Sparkurs verfolgt", sagte Gauß. "Unser Verbindlichkeiten konnten wir weiter zurückfahren." Man habe die wirtschaftliche Grundlage für notwendige Investitionen in die Marken und für effizientiere Produktions- und Logistikstrukturen geschaffen.

Im Geschäftsjahr 2011 setzte die Einbecker Brauhaus AG 731.512 Hektoliter Bier ab - und damit fast 40.000 Hektoliter (5 Prozent) weniger als im Vorjahr. Einbecker ist eine von 1341 Brauereien in Deutschland. 420 von ihnen produzieren mehr als 5000 Hektoliter/Jahr.

Die IREKS GmbH aus Kulmbach, weltweit agierender Hersteller von Backzutaten und Braumalzen, hatte im November die meldepflichtige Marke von 15 Prozent Anteile an der Einbecker Brauerei überschritten. "Wir kennen das Unternehmen seit über einem Jahrzehnt aus dem Malzgeschäft", sagte Brauhaus-Vorstandssprecher Lothar Gauß. "Wir sind stolz darauf, dass IREKS sich engagiert und an uns glaubt." Damit habe das Unternehmen einen weiteren stabilen Ankeraktionär, sagte der Vorstandssprecher. IREKS engagiere sich langfristig.

Die Entlastung des früheren Vorstandsmitglieds Bernhard A. Gödde wurde bei der heutigen Hauptversammlung vertagt. Wie Aufsichtsratsvorsitzender Robert A. Depner (Bergisch-Gladbach) mitteilte, gebe es noch ein schwebendes Gerichtsverfahren. Das Landgericht Göttingen hatte die Klage Göddes abgewiesen, wogegen Gödde nach Aussage des Aufsichtsrats in Berufung gegangen sei. Mit einer Entscheidung des Oberlandesgerichts Braunschweig sei nicht mehr 2012 zu rechnen, sagte Rechtsanwalt Dr. Wilhelm Helms, gleichzeitig Aufsichtsratsmitglied der Brauhaus AG.

Die Einbecker Brauhaus AG hatte ihrem Vorstand Bernhard A. Gödde am 12. Mai 2011 fristlos gekündigt, aus "wichtigem Grund", wie es hieß. Einzelheiten wurden nicht genannt. Seit dem 1. Juli 2011 ist Walter Schmidt als Göddes Nachfolger zweites Vorstandsmitglied des Einbecker Brauhauses neben Lothar Gauß.

Wie der die Brauhaus AG vertretende Rechtsanwalt Dr. Wilhelm Helms (Hannover) heute erklärte, habe Gödde Mitte Februar 2011 mitgeteilt, den Vertrag nicht verlängern zu wollen. Daraufhin habe es Angebote an Gödde gegeben, auf die dieser jedoch nicht reagiert habe, sondern zum Gericht gegangen sei, wie es Helms beschrieb. Gödde habe "von sich aus das Handtuch geworfen". Nach Einschätzung des Juristen sei durch das noch anhängige Verfahren keine Belastung für das Unternehmen zu erwarten. "Wir kommen ohne Gödde klar."

 

Malen, was sie in sich sieht: Annetraut Neumann

26.05.2012

Wer das lichtdurchflutete Wohnzimmer von Annetraut Neumann betritt, fühlt sich sofort in eine kleine Galerie versetzt. Großformatige Bilder hängen nicht an den Wänden, sondern stehen auf einer Leiste. Schnell kann die 66-Jährige so ein Bild gegen ein anderes austauschen. Das macht sie gern und oft, auch um die Wirkung der neuesten Werke zu testen. Alle Bilder sind von der Einbeckerin selbst gemalt. „Gezeichnet habe ich bereits als kleines Kind", sagt Annetraut Neumann und lächelt, „mit zwei Jahren, sobald ich den Stift halten konnte". Ihr Vater war Maler. Beim Onkel ist sie aufgewachsen, der in den Kunstgewerblichen Werkstätten Raabe für die damalige Einbecker Tapetenindustrie arbeitete. Später hat Annetraut Neumann auf Reisen zum Stift gegriffen, Skizzen gemacht. Ernsthaft mit dem Malen begonnen habe sie aber erst nach dem Tod ihres Mannes vor einigen Jahren, erzählt die 66-Jährige.
In der 63-Quadratmeter-Wohnung im ersten Obergeschoss in der kleinen Sackgasse wohnt Annetraut Neumann schon seit mehr als 45 Jahren. „Eine ruhige Wohngegend mit viel Grün in der Nähe", erzählt sie. Und trotzdem zentral. Damals, als junge Familie mit zwei kleinen Kindern, sind sie in die ehemalige Werkswohnung des Unternehmens Schleicher & Schuell gezogen. Die zwei Söhne sind längst erwachsen, und so ist das einstige Kinderzimmer heute das Atelier von Annetraut Neumann. Dort steht ihre Staffelei, liegen die bunten Acryl-Farbtuben und die vielen Pinsel, dort warten auch mehrere Bilder darauf, für die nächste Ausstellung verpackt zu werden, die im Mai im Kunsthaus Einbeck in der Knochenhauerstraße bevorsteht. Dafür „produziert" Annetraut Neumann gerade, wobei das Wort falsch ist. Denn produzieren kann man Kunst nicht. Wenn es läuft, dann male sie schon auch mal bis tief in die Nacht, bei klassischer Gitarrenmusik schöpfe sie dafür die notwendige Konzentration, erzählt sie.
Wie sie malt? „Kraftvoll, nachdenklich", beschreibt Annetraut Neumann selbst ihren Stil. Wichtig für ein gelungenes Bild sei die Idee. Der Betrachter müsse verlockt sein, zweimal hinzusehen. Dann hat sie mit ihren Bildern, die beispielsweise „Der alte Traum von Liebe", „Spiel des Lebens" oder „Das zweite Ich" heißen, ihr Ziel erreicht. Was sie, gerne mit kräftigen Farben, malt, spürt sie in sich selbst, Annetraut Neumann malt nicht von Vorlagen ab. Denn malen, zitiert die Einbeckerin Caspar David Friedrich, solle man bloß nicht, was man vor sich sehe, sondern das, was man in sich sehe.

Interview mit Landrat Wickmann zur Kreisfusion

25.05.2012

Wer mit wem? Einige hören schon die Hochzeitsglocken läuten, andere schauen sich lieber nochmal nach einer neuen Braut um, während die eine schon vor dem Standesamt wartet und sich die Ehe wünscht. In Südniedersachsen wird es im Juni eine Entscheidung darüber geben, welche Landkreise weiter miteinander verhandeln, um dann möglicherweise einmal zu fusionieren. Umworben ist die Braut Osterode am Harz, weil durch sie eine Entschuldung möglich ist. Heiraten möchten Northeim und Göttingen. Doch die Braut schaut jetzt auch nach Goslar. „Eifersucht oder Fremdgehen ist kein Maßstab für die Beziehung zwischen Verwaltungsorganisationen wie den Landkreisen", gab erst jüngst der amtierende Verwaltungschef von Osterode, Gero Geißlreiter, zu Protokoll.
Der Northeimer Landrat Michael Wickmann stellte sich den Fragen von Frank Bertram.
Warum machen Sie und Ihr Kollege Bernhard Reuter (Göttingen) jetzt Druck, dass im Juni feststehen müsse, wer mit wem konkret sprechen will?
Im Interesse der Sache kann es aus meiner Sicht nicht sein, dass wir über den Juni hinaus nicht wissen, ob der Landkreis Osterode sich in Richtung Norden, also nach Goslar, oder zum Südwesten wenden möchte. Sollte der Landkreis Osterode seine Zukunft eher beim Landkreis Goslar sehen, wäre dies selbstverständlich zu respektieren. Eine Entscheidung bis Ende Juni 2012 ist wichtig, um die darauf aufbauenden Verhandlungen mit dem Ziel führen zu können, den Kreistagen bis März nächsten Jahres ein Ergebnis zu präsentieren, auf dessen Grundlage diese eine Entscheidung für oder gegen eine Fusion treffen können. Der März 2013 ist deshalb bedeutend, weil nur bis zu diesem Zeitpunkt die Möglichkeit besteht, in den Genuss von Entschuldungshilfen zu kommen.
Was passiert, wenn Osterode doch lieber mit Goslar verhandeln möchte? Wendet sich der Landkreis Northeim dann nur nach Göttingen oder wieder nach Holzminden?
Mein Verhandlungsmandat ist ganz klar: Ich habe Verhandlungen mit den Landkreisen Göttingen und Osterode zu führen. Sollte der Landkreis Osterode kein Interesse an Verhandlungen mit dem Landkreis Northeim haben, so wird dies nicht die Verhandlungen mit dem Landkreis Göttingen berühren. Ein Verhandlungsmandat mit dem Landkreis Holzminden habe ich nicht.
Kann es am Ende auch sein, dass es in Südniedersachsen zu keiner Kreis-Fusion kommt?
Ich habe von Anfang an gesagt, dass die Verhandlungen ergebnisoffen geführt werden. Natürlich würde ich mich darüber freuen, wenn am Ende der Verhandlungen eine Fusion steht, weil wir einen nachhaltigen Schulterschluss in Südniedersachsen nach meiner Auffassung dringend benötigen. Eine Fusion macht allerdings nur dann Sinn, wenn dadurch für die Bürgerinnen und Bürger unseres Landkreises ein Mehrwert erreicht werden kann. Wenn wir diesen Mehrwert im Rahmen der Verhandlungen nicht darstellen können, kann es am Ende auch dazu führen, dass dieser Weg nicht gegangen wird. Persönlich halte ich eine Beibehaltung von drei Landkreisen und der Stadt Göttingen für den südniedersächsischen Raum allerdings als die denkbar schlechteste Lösung, da sie keinerlei Zukunftsperspektive beinhaltet. Nur ein gemeinsamer Auftritt wird auf Landes- und Bundesebene Akzeptanz erzeugen können.

Es gibt keinen Grund für Stille: No Need For Silence

06.04.2012

Foto: NNFS.de/SuffnerEs gibt keinen Grund für Stille, in der Tat. Denn davon hat Einbeck genug. Und die fünf Jungs aus Einbeck sind auch unüberhörbar nicht für Ruhe und sanfte Klänge zuständig. „No Need For Silence" heißt die Band, die Einbeck rocken will. Die schon ein Jahr nach ihrer Gründung mehrere Live-Auftritte, darunter zwei beim Eulenfest, vorweisen kann. Und die ein selbst produziertes Musikvideo und neun selbst geschriebene Songs vorlegen kann. So viele sind auf dem ersten Tonträger drauf, den die Band am 13. April vorlegt. „Fight The Giant" heißt die CD, die erstmals an dem Abend in der Jugendkirche Marie erhältlich sein wird. Los geht's ab 19 Uhr am Freitag, den 13. Schlechtes Ohmen? „Ach was, das ist doch witzig und cool", sagen die Fünf.
„No Need For Silence" macht unüberhörbar Rockmusik, ziemlich handfeste. Zwei Gitarren, ein Bass, ein Schlagzeug, dazu eine markante Stimme - in dieser Formation ist die Einbecker Newcomer-Band seit einem Jahr zusammen. Seit fast einem Jahr: Denn den ersten Live-Auftritt im März 2011 spielte „No Need For Silence" noch ohne Bass. „Das funktionierte nicht", erinnern sich die Einbecker Nachwuchsmusiker heute. Ein Bass-Mann war schnell gefunden, saß der doch im Physikunterricht neben Sänger Nevi. In vier Wochen schaffte sich der bis dato eigentlich Gitarre spielende Niki den Bass drauf, außerdem die bislang vorliegenden Songs. Dann war „No Need For Silence" komplett.
Nevi Arulmohan ist der Frontmann, der Sänger von NNFS, wie sich die fünf Einbecker kurz nennen. Der 20-jährige Goetheschüler schreibt eine Woche nach der CD-Release-Party seine Abiklausuren. Genauso wie Niklas „Niki" Koch (20), der Bass-Mann der Band. Am Schlagzeug arbeitet sich Christian Erdmann gegen die Stille. Der 19-Jährige macht zurzeit seinen Bundesfreiwilligendienst beim Haus der Jugend. Sein Bruder Dirk Erdmann (20) ist einer von zwei Gitarristen und bei der Bundeswehr in Hannover, wenn er nicht gerade Musik macht. Frank Weinreich, der zweite Gitarrist, ist mit 22 der Älteste in der Band, er studiert Bauingenieurwesen in Braunschweig.
„Die garantiert Ohrwürmer erzeugenden Melodien, vermischt mit schnellen Riffs und druckvollen Drums, erzeugen eine Dynamik, die nur noch durch die Texte und den Gesang zu ergänzen ist." Genau das wollen die fünf Musiker aus Einbeck, das sagen sie selbst über ihren Stil: kompromisslosen Rock mit anspruchsvoller Technik, der sich aber dennoch gut anhören lässt. Einflüsse holen sie sich von vielen Bands, unter anderem von Silverstein, Billy Talent, Blink 182, All Time Low oder den Red Hot Chili Peppers. Auch ihr Name „No Need For Silence" stammt von einer Vorbildband, von „Alive At Last". Die Formation hatte einen Titel „No Need For Silence". Der Song wurde allerdings nie veröffentlicht.
Viele Bands trennen sich schnell nach ihrer Gründung wieder. „No Need For Silence" hält zusammen. „Wir haben gemeinsam unsere Erfahrungen gemacht, haben uns gemeinsam aus dem Anfängerniveau immer weiter entwickelt", sagen die Fünf. „Es gibt nicht einen, der zum Chef wurde, weil er schon mehr wusste". Alle Songs entstehen gemeinsam im Probenraum in Rimmerode (bei Bad Gandersheim). „Ich arbeite für diejenigen Momente auf der Bühne oder bei den Proben, wo ich merke, alles läuft gut, der Funke springt über", sagt Sänger Nevi. Und die anderen vier stimmen ihm zu. Sicherlich: Zwischendurch gebe es auch manchmal Zweifel. „Wir arbeiten für das beste Ergebnis, und wir arbeiten immer daran, besser zu werden." Und sie arbeiten viel. Das Wochenende ist regelmäßig für gemeinsame Proben reserviert. „Dann feiern wir halt ein bisschen weniger", lachen die Fünf.
„Wer laut in den Berg schreit, löst gerne auch eine Lawine aus", sagt NNFS. Das könnte für die Newcomer auch das Motto des ersten Jahres sein. Denn nach dem ersten Live-Auftritt am 12. März 2011 folgen schnell weitere. Die Band sammelt Erfahrungen. Schon im Herbst der erste Ritterschlag: Beim Eulenfest rockt die Band nicht nur den Möncheplatz, sie darf auch auf der Hauptbühne auf dem Marktplatz spielen. „Das war eine riesige Bestätigung für uns", sagen die Fünf.
Es folgte ein Musikvideo. „I Scream", heißt der Song. Gemeinsam mit Freunden an drei intensiven Tagen in Einbeck in den Hallen der einstigen Firma Feierabend selbst produziert. Dort waren auch schon die offiziellen Band-Fotos entstanden. Der Grund für ein Video? Gitarrist Dirk stand der Grundwehrdienst bevor, wodurch die Zeit für Auftritte knapp wurde. Die Band wollte ihre Fans aber nicht allein lassen. Und so stemmte sie mit Unterstützung vieler ein vierminütiges Video. Das die Newcomer nicht nur beim Musik machen abfilmt, sondern das viele Sequenzen hat, die den Inhalt des Songs von Darstellern gespielt präsentieren. „Das war unsere erste Veröffentlichung und stellt die Band gut vor."
Gemeinsam machen die fünf Jungs nicht nur Musik, gemeinsam kümmern sie sich auch um alles drumherum. Internet-Seite, Musikkanal bei Youtube und die eigene Seite beim sozialen Netzwerk Facebook. „Wir möchten mit unseren Fans in Verbindung bleiben, sie regelmäßig und immer mit neuen Dingen informieren." Das gelingt offenbar: Über 400 Fans bei der Facebook-Seite lesen inzwischen, was es von ihrer Lieblingsband Neues gibt. Tendenz steigend. Auf dem Cover der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift „KiT Youth", gemacht von Jugendlichen für Jugendliche in Einbeck, ist die Band auch. Inklusive Making-of-Geschichte des Videos, bei dem die jungen Reporter der Band über die Schulter schauen konnten.
Unterstützung bekommt „No Need For Silence" von vielen. Die Musikinitiative Jimie hilft seit den ersten Auftritten, Einbecks Rapper Micha Meißner „Mister ME" stellt seine Erfahrung zur Verfügung (und spielt persönlich im Video mit), Fotograf Jaro Suffner hatte selbst Lust, erstmals ein Musikvideo zu produzieren. Die Jugendkirche Marie hilft mit Technik und jetzt bei der CD-Party mit viel Wissen beim Veranstaltungsmanagement. „Das ist alles ein Geben und Nehmen", sagen die fünf Jungs von „No Need For Silence". Denn umgekehrt helfen auch sie mal aus, wenn irgendwo jemand gebraucht wird. Nach Jahren der Stille blüht die Einbecker Band-Szene wieder. „Wir freuen uns über neue Formationen", sagt „No Need For Silence".
Warum noch eine CD in Zeiten von iTunes und anderen Download-Portalen? Eine lokale Band kann sich mit der eigenen Silberscheibe viel besser vermarkten, sagen die Fünf. „Die eigene CD" - das ist noch immer unschlagbar. Letztlich ist sie mit grafisch gestaltetem Cover und Musikinhalt auch ein Gesamtkunstwerk.
Foto: NNFS.deDie CD ist bei der Release-Party erhältlich, ebenso wie andere Merchandising-Produkte, beispielsweise T-Shirts. Außerdem kann die erste eigene Scheibe im eigenen Online-Shop bestellt werden. Der ist unter www.nnfs.de auf der Website der Band zu finden, genauso wie das Musikvideo und viele weitere Einzelheiten über Einbecks Musik-Newcomer. Die CD gibt es außerdem ab 14. April auch bei Euronics XXL am Altendorfer Tor zu kaufen.

Bundespräsidentenwahl mit Politikern aus der Region

18.03.2012

Was für ein schöner Sonntag. Und aus der Region Einbeck waren zwei Politiker heute hautnah bei der Wahl des neuen Bundespräsidenten Joachim Gauck dabei. Dr. Wilhelm Priesmeier (SPD) aus Dassel-Markoldendorf ist als Bundestagsabgeordneter automatisch Mitglied der wählenden Bundesversammlung. Christian Grascha (FDP) war Ersatzwahlmann auf der Seite der niedersächsischen FDP-Landtagsabgeordneten. Der Einbecker hat nicht gewählt, hätte nur dann seine Stimme abgegeben, wenn überraschend ein Wahlmann der Niedersachsen-Liberalen ausgefallen wäre. Für Einbeck-City.de berichtet Frank Bertram direkt aus Berlin.
Priesmeiers Stimme hat Joachim Gauck bekommen. "Er ist eine gute Wahl", sagt der SPD-Bundestagsabgeordnete nach dem Wahlgang. Der Tierarzt aus Markoldendorf hat Gauck schon zum zweiten Mal gewählt, erklärt er. "Insgesamt zum vierten Mal", sagt Priesmeier augenzwinkernd. Drei Wahlgänge waren 2010 bei der vergangenen Bundesversammlung notwendig gewesen, Christian Wulff (CDU) ins Amt zu wählen. Priesmeier freut sich auf den Bundespräsidenten Joachim Gauck, auch wenn oder gerade weil dieser "gelegentlich mal der politischen Elite die Nase lang zieht", wie er sagt. Das sei für Bodenhaftung sehr wichtig. Gut findet Priesmeier Gaucks erste Worte im Amt. Dass die Bürger sich beteiligen sollten, nicht nur beobachten, teilt der Bundestagsabgeordnete uneingeschränkt. Fragwürdig findet der Sozialdemokrat die hohe Zahl der Enthaltungen (108 Stimmen) und vermutet diese vor allem bei der CDU. Die 991 Stimmen für Gauck seien ein "sehr gutes Ergebnis", sagt Priesmeier.
Als ein "gutes Zeichen für die Freiheit im Land" wertet Christian Grascha die Wahl Joachim Gaucks zum neuen Bundespräsident - für die gesellschaftliche wie für die wirtschaftliche Freiheit. Zwar durfte der Einbecker als Ersatzwahlmann nicht mit abstimmen. Im Plenarsaal war der FDP-Politiker jedoch dabei, gratulierte kurz nach der Bekanntgabe des Stimmenergebnisses sogar live per Foto bei Facebook dem neuen Präsidenten: "Es ist ein schöner Tag, in der Tat." Selbst bei der Bundesversammlung erstmals dabei sein zu dürfen, empfindet Christian Grascha als ein Gefühl der Ehre, dass stolz mache, aber auch Demut verlange. Insgesamt aber, erklärte er, "ein schöner Moment".
Was für ein schöner Sonntag. Für das Berliner Wetter galt das nur bedingt. Kurz nach der Wahl verschwand die Sonne hinter Wolken. Und es begann sanft zu regnen.

Bevölkerungsmarketing: Interview mit Heidrun Hoffmann-Taufall

10.03.2012

Heidrun Hoffmann-Taufall.Abwanderung stoppen, Haltefaktoren stärken - so ist der Antrag überschrieben, den die Politik auf Initiative der CDU-Fraktion in Kürze im Ausschuss für Tourismus und Wirtschaftsförderung diskutieren wird. „Potenzielle Väter und Mütter wandern aus Einbeck ab, nachdem sie hier unsere Kindergärten und Schulen besucht haben", sagt Heidrun Hoffmann-Taufall. Und viele aus der Elterngeneration, weiß die CDU-Ratsfrau, kehren nach dem Studium zur Familiengründung nicht wieder zurück nach Einbeck. Das müsse sich ändern. Die Neigung, zum „Nestbau" zurück zu kehren, die gelte es zu verstärken.
Durch ihre Tätigkeit als Unternehmens- und Demografieberaterin ist Heidrun Hoffmann-Taufall mit den unterschiedlichen Facetten und Handlungsfeldern des demografischen Wandels vertraut. Sie ist seit 2005 aktiv in der CDU und sitzt seit 2011 im Einbecker Stadtrat. Nicht nur sie sieht den demografischen Wandel als die größte Herausforderung dieses Jahrhunderts. Mit ihrem Engagement will sie Entwicklungen anstoßen, damit Risiken abgefedert werden und Einbeck auch in Zukunft ein lebenswertes Umfeld bieten kann.
Frank Bertram hat mit Heidrun Hoffmann-Taufall gesprochen.
Warum hat die CDU den Antrag „Abwanderung stoppen, Haltefaktoren stärken" gestellt?
Die demografische Entwicklung verläuft sehr unterschiedlich. Ob wir mit Schrumpfung, Stagnation oder Wachstum zu tun haben, ist von vielerlei Faktoren abhängig. Einbeck schrumpft, aber wir wollen uns nicht unserem Schicksal ergeben sondern an allen nur möglichen Stellschrauben drehen. Mit unserer Initiative wollen wir bewirken, dass negative Entwicklungen abgefedert werden. Wir möchten dafür sorgen, junge Menschen noch mehr an Einbeck zu binden, denn Einbeck ist eine schöne, eine liebenswerte Stadt, in der es sich gut leben lässt. Die Förderung von Rückkehrern wollen wir noch stärker in den Mittelpunkt rücken, weil sich der ohnehin schon angekommene Fach- und Führungskräfte auch in Einbeck noch verstärken wird. Und das kann irgendwann auch den Wirtschaftsstandort gefährden. Wenn man mit Unternehmen spricht, auch mit Unternehmen in Göttingen, dann sagen die, dass zwar junge Menschen in die Unternehmen kommen. Aber es sei schwer, sie zu binden. Aus folgendem Grund: Wenn Partner mitkommen wollen und sollen, müssen diese gleichzeitig hier Arbeit finden. Und das ist schwierig.
Das ist doch dann aber auch in Einbeck nicht so einfach?
Bei denen, die hier gebunden sind, weil das ihre Heimat ist, besteht sehr viel mehr die Chance, dass sie bleiben bzw. dass sie zurück kehren. Das sind diejenigen, die hier geboren und aufgewachsen sind, die ihre Verwandten hier haben, deren Eltern eine Immobilie hier haben - das bindet ja auch - und die sozial eingebunden sind. Wer sich hier in Vereinen und Verbänden schon als Jugendlicher engagiert hat, hat eine noch engere Bindung als andere. Es gilt, die Rückwanderungsneigung zu verstärken. Man kann am besten an der Stellschraube drehen, wenn die Menschen sesshaft werden und eine Familie gründen wollen - und sich eine gute Struktur wünschen, in der ihre Kinder aufwachsen.
Einer der Kritikpunkte ist, dass die mit ihrem Antrag adressierte Verwaltung diese dort gestellte Aufgaben, „Möglichkeiten und Maßnahmen zu erarbeiten, die eine differenzierte Beurteilung der Wanderungsbewegungen von jungen Menschen sowie die Förderung von deren Rückkehr zu ermöglichen", ja gar nicht leisten könne...
Die Verwaltung kann das natürlich so konkret nicht machen. Unser Anliegen ist, dass bei diesem Thema mehrere Gruppen und Akteure zusammen geführt werden. Politik, Verwaltung, Wirtschaftsunternehmen, Verbände, Vereine und die Bevölkerung soll eingebunden werden. Denn es geht sozusagen um Bevölkerungsmarketing, aber genauso darum, den Wirtschaftsstandort zu stärken. Vereine können beispielsweise dazu beitragen, dass die Bindungskräfte bei Jugendlichen gestärkt werden. Die Bevölkerungsgruppe der Älteren wird quantiativ immer größer, die jüngere Bevölkerungsgruppe kleiner. Das war früher anders. Die Jugendlichen haben keine große Lobby, sind nicht so stark in Entscheidungsgremien vertreten. Und dafür muss gesorgt werden, dass sich das ändert. Wenn ein Jugendlicher das Gefühl bekommt, ich mit meinen Ideen, mit meiner Art, wie ich lebe, bin hier nicht gewünscht, dann setzt sich das fest. Und das bleibt im Kopf, wenn sie mit 28 überlegen, wo sie ihr Leben verbringen wollen. Wir müssen gegenüber Jugendlichen eine Wertschätzungskultur entwickeln. Sie müssen das grundsätzliche Gefühl bekommen, dass sie willkommen sind. Wir stellen uns vor, dass ein Arbeitskreis gegründet wird. Und in diesem Arbeitskreis sind alle diese genannten Akteure vertreten, auch die Jugendlichen. Damit alle Facetten Gewicht bekommen.
Was sagen Sie den Menschen, die Ihnen auf ihre Fragen nach Haltefaktoren, Gründen für Abwanderung und Förderungsmöglichkeiten der Rückkehrbereitschaft dreimal mit „Jobs" antworten?
Genauso wie Menschen aus Kassel nach Einbeck pendeln, kann man von Einbeck nach Kassel, Duderstadt oder sogar Berlin pendeln. Vor Kurzem habe ich von einer Person gehört, sie pendle jeden Tag nach Würzburg. Es geht nicht nur darum, auf die Arbeitsplätze in Einbeck einzugehen. Hier müssen wir vom kommunalen zu einem regionalen Denken kommen. Das mit den Jobs kann nicht das Problem sein, das ist zu kurz gedacht, denn der Fach- und Führungskräftemangel ist längst angekommen. Es gibt Vereinigungen in der Region Göttingen, die in den Niederlanden um Arbeitskräfte buhlen. Warum also nicht dafür sorgen, dass Menschen, die hier großgeworden sind, denen wir die entsprechende Infrastruktur geboten haben, damit sie sich entwickeln können, dass die Menschen wieder mit ihren Kompetenzen hierher zurückkehren?
Reicht es aus, wenn die genannten Gruppen sich in dem Arbeitskreis treffen und nett miteinander über das Problem plaudern? Oder wäre es wünschenswert, wenn der Arbeitskreis beispielsweise wissenschaftlich begleitet würde?
Das letzte, was wir brauchen, ist eine Plauderstunde. Wir in Einbeck sollten nicht so lange warten, bis anderswo etwas passiert. Das können wir uns weder in Einbeck noch in Niedersachsen leisten. Ich möchte, dass hier sofort etwas angepackt wird. Es läuft uns die Zeit davon. Das ganze sollte auf jeden Fall wissenschaftlich begleitet werden. Wir müssen ja auch das Rad nicht neu erfinden, es gibt bereits entsprechende Forschungsergebnisse. Es gibt Wissenschaftler, die hier Abwanderungsbefragungen durchführen könnten, damit spezifische Bindefaktoren identifiziert werden, aus denen Maßnahmen entwickelt werrden können. Das kostet einen niedrigen fünfstelligen Betrag. Wir könnten und sollten mit kleineren Aktionen aber selbst beginnen. Und die sollten dann eingebettet sein in eine wissenschaftliche Begleitung.

Ekkehart Drost: Drei Monate Friedensdienst in Palästina

11.02.2012

Foto: BertramGibt es eine Lösung im Nahost-Konflikt? Wie sieht das Zusammenleben von Israelis und Palästinensern im Alltag aus? Der ehemalige Goetheschullehrer Ekkehart Drost war im Auftrag und auf Einladung des Weltkirchenrates WCC (World Council of Churches) drei Monate lang als Ökumenischer Friedensdienstler in Palästina. Eine Unterorganistion des Weltkirchenrates (vergleichbar wie es Unterorganisationen der UNO gibt, etwa UNESCO) ist der EAPPI (Ecumenical Accompaniment Programme in Palestine and Israel), das Ökumenische Begleitprogramm in Palästina und Israel. Die Helfer nennen sich EA's, Ecumenical Accompaneer. Der 67-Jährige war ein Vierteljahr lang als Ökumenischer Friedensdienstler im Westjordanland, hat dort umittelbar erfahren, welche Konflikte es durch die Siedlungspolitik Israels gibt. Frank Bertram sprach mit Ekkehart Drost.

Wie kamen Sie auf die Idee, als Ökumenischer Friedensdienstler nach Palästina zu gehen?
Ich habe beim Treffen einer Organisation, die das Friedensdorf Neve Shalom/Wahat al Salam in Israel unterstützt, davon gehört. Dort bei der Jahrestagung habe ich zwei Männer kennengelernt, die diesen dreimonatigen Dienst schon gemacht hatten. Die haben davon erzählt. Und das hat mich gleich elektrisiert. Die Schilderungen fand ich derartig überzeugend, dass für mich der Wunsch entstand: Das muss ich auch machen.

Was hat Sie daran elektrisiert?
Ich habe ja schon seit vielen Jahren in der Goetheschule Veranstaltungen zu Israel und zum Judentum gemacht. Das Thema hat mich seit 15 Jahren stark berührt. 2010 war ich mit anderen Lehrern in Israel und in der Gedenkstätte Yad Vashem, eine Woche lang, sehr intensiv, mit Seminar und Workshops. Das Thema hieß „Vom Holocaust lernen und lehren". Und ich wollte jetzt auch mal die andere Seite kennenlernen. Diese Möglichkeit, drei Monate lang in der Westbank (Westjordanland) nur mit Palästinensern zusammen zu sein, wird meines Wissens nur vom Weltkirchenrat angeboten.

Wo waren Sie genau?
Mein fester Standort war in den drei Monaten im 4000-Einwohner-Dorf Jayyous, zusammen mit drei weiteren EA's: eine Argentinierin, eine Südafrikanerin, ein Nordire. Der Ort liegt südlich von Nablus, nördlich von Ramallah im nordwestlichen Teil der Westbank.

Foto: E. DrostWas ist die Tätigkeit und die Aufgabe als Ökumenischer Friedensdienstler?
Da wir in einem Bauerndorf waren mit Bevölkerung, die überwiegend von der Landwirtschaft lebt, haben wir die „landwirtschaftlichen Tore" beobachtet, durch die die palästinensischen Bauern auf ihre Felder gelangen. Was heißt das? Die Grüne Linie ist mit einem grünen Stift 1949 bei der Gründung Israels und dem Waffenstillstand auf der Landkarte gezogen worden. Diese Linie ist 350 Kilometer lang. Die tatsächliche Grenze beträgt aber 708 Kilometer - das sind „Einbuchtungen" in der Grenzlinie durch Landnahme Israels. Zwischen der Grünen Linie und der tatsächlichen Grenze liegt die so genannte Seam Zone, die Saumzone. Und in der liegt das Land der palästinensischen Bauern. Getrennt durch einen Zaun. 70 Prozent der landwirtschaftlichen Flächen sind von dem Dorf abgetrennt. Und damit sie dort auf ihr Land können, sind für den Ort drei Tore geöffnet worden. Diese „Agricultural Gates" sind immer nur zu bestimmten Zeiten geöffnet. Das Haupttor, das North Gate, ist dreimal am Tag 7 bis 7.30 Uhr und mittags und abends auch nochmal jeweils für eine halbe Stunde geöffnet. Die Bauern müssen also, wenn sie Land in der Saumzone haben, immer durch diese streng von israelischem Militär bewachten Tore durch. Und sie müssen abends immer wieder zurück, dürfen nicht auf ihrem Land übernachten.
Wir EA's standen nun an dem landwirtschaftlichen Tor mit einem Notizbuch, erkennbar an unseren Westen. Und zählen: Wieviele gehen dort durch während einer bestimmten Zeit. Wieviele Männer, wieviele Frauen, wieviele Kinder. Wenn nun die Soldaten am Tor jemanden zurück geschickt haben, war es meine Aufgabe, nach dem Grund zu fragen. Beispielsweise hatte mal ein Mann eine Reisetasche mit Kleidung mit, und da dachten die Soldaten, der wolle dort übernachten, deshalb durfte er nicht durch.
Foto: E. DrostUm durch das Tor hindurch zu kommen, benötigt man einen „Permit", einen Berechtigungsschein. Der wird von der israelischen Behörde ausgestellt - oder eben auch nicht. Im Oktober beispielsweise werden besonders viele „Permits" beantragt, zur Olivenernte. Aber nicht alle werden genehmigt. Wenn jemand nicht durch das Tor durfte, war es unsere Aufgabe, mit unseren Diensthandys die „Humanitarian Hotline" anzurufen. Das ist eine Anlaufstelle des israelischen Militärs. Und wir sagen dann: Hier an Tor 943 ist ein Bauer von den Soldaten zurück geschickt worden. Dann müssen wir die genauen Personalien angeben, und dann wird das geprüft.

Was ist das Ziel des Einsatzes?
Eine wichtige Aufgabe von uns EA's ist es, den Menschen dort das Gefühl zu geben, dass hier Freunde aus aller Welt sind, die die Sorgen kennenlernen, verstehen und sich dann, wenn sie zuhause zurück sind, für die Menschen dort in vielen Vorträgen einsetzen. Wir vier EA‘s in Jayyous waren zum Beispiel in der Dorfschule und haben vor Fünftklässlern eine Stunde gegeben. Auf einer Weltkarte haben wir den Kindern gezeigt, woher wir alle kommen. Alle diese Leute sind hier, um über eure Sorgen zu berichten, haben wir den Schülern erzählt.

Wie weit hat denn Ihre Sympathie für Israel gelitten?
Die israelische Politik kann ich überhaupt nicht mehr nachvollziehen. Einer meiner Freunde ist der israelische Journalist Igal Avidan (Israel - ein Staat sucht sich selbst, 2008), der seit 1989 als freiberuflicher Journalist in Berlin arbeitet. Als ich nach den drei Monaten zurück war, telefonierten wir und er fragte, ob wir jetzt Hebräisch sprechen sollten. Lieber Arabisch, antwortete ich ihm und wir lachten. Ich fühle mich mit den Israelis solidarisch, die in Nicht-Regierungsorganisationen arbeiten. Aber nicht mit denjenigen, die die Netanjahu-Politik vertreten - oder noch schärfere Ansichten. Mit den israelischen Bürgern, die sich genauso wie wir für die Verständigung zwischen beiden Völkern einsetzen, mit denen fühle ich mich weiterhin absolut solidarisch.

Foto: E. Drost

380-kV-Leitung: Neue Trassenvariante im Gespräch

03.01.2012

Über 100 Menschen waren bei der Infoveranstaltung in Naensen(fb) - Für die Menschen der Einbecker Ortschaften „Auf den Berge" ist die geplante 380 kV-Höchstspannungsleitung plötzlich und unvermittelt sehr nahe gekommen. Denn in dem vor Weihnachten abgeschlossenen Raumordnungsverfahren taucht eine so genannte Maßgabe 7 auf. Sie besagt, dass die Höchstspannungstrasse als Freileitung mit Masten doppelt so hoch wie der Gandersheimer Dom direkt von Heckenbeck über Erzhausen und Naensen über Hallensen nach Einbeck und dann weiter nach Süden führen könnte. Bisher war ein Trassenverlauf durchs Leinetal von Kreiensen nach Einbeck im Gespräch. Die Bürgerinitiative „Pro Erdkabel Harzvorland" informierte am Dienstag Abend über 100 Interessierte in der Turnhalle in Naensen. „Wir wollen die Menschen sensibilisieren, damit sie wissen, was auf sie zukommen kann", sagte der Vorsitzende Peter Gosslar (Bad Gandersheim). „Noch ist nichts entschieden."
Die 380-kV-Leitung von Wahle (bei Peine) nach Mecklar (Hessen) ist seit 2007 Thema. Mit fünf Trassenvarianten, wo die Höchstspannungsleitung langführen könnte, wurde das Raumordnungsverfahren (ROV) durchgeführt. Die Bürgerinitiativen verschafften sich dabei Gehör; durch den nach unten zeigenden leuchtend gelben Pfeil machen sie seit vielen Monaten in der Region aufmerksam auf ihren Wunsch nach einer Erdverkabelung in der modernen so genannten HGÜ-Technik. Das ROV wurde vor Weihnachten abgeschlossen, in den nächsten Wochen liegt das Ergebnis öffentlich zur Einsicht für jeden Interessierten aus. Für die Region gilt als Freileitung die Vorzugstrasse 2, die über Bad Gandersheim, Kreiensen, Einbeck nach Süden führt. Und eben die „Maßgabe 7". Diese besagt: „Zu prüfen ist, ob im Bereich des Pumpspeicherwerks Erzhausen (Gemeinde Kreiensen) und der Stadt Einbeck, Ortsteil Naensen durch eine Querspange von der Variante 2 nördlich von Heckenbeck zur Variante 4 nördlich von Hallensen die Belastungen im Raum Bad Gandersheim/ Kreiensen/ Einbeck angemessen verringert werden können."
Dort könnte die Trasse an Naensen vorbei führen„Bürger Pro Erdkabel" hat die möglichen Wege zwischen Erzhausen und Einbeck in mehreren Varianten vermutend ausgerechnet. So könnte die Trasse nördlich von Naensen auf die bestehende 220-kV-Trasse angebunden und auf dieser ausgebaut nach Süden geführt werden. Das könnte bedeuten, dass auch Einbeck noch viel stärker als ursprünglich gedacht von den 380-kV-Masten betroffen sein könnte, denn die bestehende Leitung führt direkt über das Industriegebiet am Butterberg in der Südstadt.
Der stellvertretende Vorsitzende Reinhard Brinckmann (Billerbeck) sagte in Naensen, dass auf jeden Fall im noch folgenden Planfeststellungsverfahren die unmittelbar Betroffenen gegen die „Monstermasten" klagen könnten, also diejenigen, auf deren Grund und Boden die Strommasten aufgestellt werden sollen.

Mehr zum Thema:
www.abindieerde.de Hier informiert die als Verein organisierte Bürgerinitiative mit derzeit 130 Mitgliedern über alle aktuellen Pläne und Entwicklungen und viele technische Details.
www.ml.niedersachsen.de Hier informiert das zuständige Landesministerium über alle Einzelheiten des abgeschlossenen Raumordnungsverfahrens. Mit vielen Karten und Details. Die Unterlagen liegen vom 5.1. bis 6.2.2012 auch im Neuen Rathaus in Einbeck aus.